Viele Kreisliga-A Teams starteten vergangene Woche in den Testspielbetrieb für die neue Saison. Doch nur eine Mannschaft kann von sich behaupten, die Vorbereitung mit der Teilnahme an einer Weltmeisterschaft begonnen zu haben: der FC Polonia.


Genauer gesagt der „Weltmeisterschaft“ der polnischen Diasporamannschaften, der „Polonia Mundial“, die vom vergangenen Mittwoch bis Sonnabend im westpolnischen Lezsno stattfand. Im letzten Jahr noch als ein rein europäischer Wettbewerb erstmals ausgetragen, konnte sich das Turnier in diesem Jahr durch die Teilnahme des kanadischen Vertreters und späteren Turniersiegers Olimpia SC Toronto das Prädikat des weltweiten Starterfelds anheften. Entsprechend groß fiel der Rahmen für das Amateurturnier aus, mit Besuchen von hochrangigen sportpolitischen Offiziellen und Liveübertragung des Finals im polnischen Fernsehen.


Als eine von acht teilnehmenden Mannschaften, drei aus den Niederlanden, zwei aus Deutschland und jeweils eine aus Österreich, Kanada und Polen, ging es für den Berliner Vertreter FC Polonia in der Gruppenphase gegen die niederländischen Teams von PNS Schiedam und Biale Orly Tilburg, sowie Polonia Wiesbaden. Nach einem 2:0-Sieg über Schiedam zum Auftakt musste sich Polonia Berlin nach zwei Niederlagen in den folgenden Partien mit dem letzten Platz begnügen, hatte aber die Möglichkeit, nach einem Sieg im Elfmeterschießen gegen Polska Wien in der Zwischenrunde, noch um den fünften Gesamtplatz zu spielen. Gegen die Lokalmatadoren von Polonia Leszno war für die Reinickendorfer aber kein Durchkommen, die das Turnier auf Platz sechs beendeten.


Trotz dessen war es für alle Mitreisenden des FC Polonia eine tolle Erfahrung, ganz anders als der Kreisligaalltag, wie der sportliche Leiter Michal Wosch schwärmte: „Der Rasenplatz war auf Top-Niveau, das war fast wie Bundesliga. Jede Mannschaft hatte Hotelplätze für 20 Leute, alles von den Sponsoren bezahlt.“ Auch in sportlicher Hinsicht betonte Wosch die Bedeutung des Turniers: „Das war wie ein richtiges Trainingslager, mit fünf Spielen in vier Tagen.“


Für die Liga ist vereinsintern zwar noch kein konkretes Ziel ausgegeben, doch die unter Jungtrainer Lucjan Konopka gegenüber der ersten Saisonhälfte stark verbesserten Leistung aus der Rückrunde spricht für das Potenzial von Polonia. „Es wird in unserem Kader nicht viele Veränderungen geben, ein neuer Spieler kommt noch. Ich bin guter Dinge, dass wir oben mitspielen könnten“, blickt Michal Wosch voraus, verweist aber auch auf die starke Konkurrenz, wie etwa JFC Berlin, Viktoria 89 II oder auch die spielerisch guten Bezirksliga-Absteiger. Die haben allerdings noch keine Weltmeisterschaft gespielt.

Text: Nicholas Wuttke, Titelbild: Torsten Schüler