Hertha 03 Zehlendorf führt nach sechs Spieltagen die Tabelle der Oberliga Nord an. Trainer Robert Schröder spricht über die Gründe für den überraschenden Saisonstart.

Was für einen Traumstart hat Hertha 03 in diese Spielzeit hingelegt: In sechs Spielen nur zwei Gegentore kassiert und den einzigen Punktverlust, wenn man ihn überhaupt so nennen will, bei der Zweitliga-Reserve von Hansa Rostock verzeichnet – einem Gegner, der zu den großen Favoriten auf den Aufstieg zählt, nicht zuletzt, weil er seinen Hochbegabten professionelle Bedingungen bietet. Und doch stehen die Zehlendorfer im Moment wegen der besseren Tordifferenz vor Hansas Zweiter auf dem Spitzenplatz – eine positive Überraschung, auch für Trainer Robert Schröder: „Nach der Vorbereitung kommt das schon sehr überraschend. Wir hatten ja viel Qualität verloren. Die jungen Spieler haben sich trotz der guten Pause hervorragend einfügen können, das zeigt, wie gut die Mannschaft harmoniert.“

Tatsächlich waren manche ein wenig skeptisch, ob der konsequente Verjüngungskurs in der Kaderplanung gerade zu Saisonanfang nicht doch hier und da Lehrgeld kosten würde. Zumal von den acht Zugängen aus der eigenen A-Jugend drei – Stürmer Lennard Quanz und die beiden Mittelfeldakteure Niklas Biolik und Anton Siren – mit langwierigen Verletzungen kämpfen und „wohl erst nach der Winterpause eingreifen können“, so Schröder: „Im Laufe der Vorbereitung haben wir gemerkt, dass wir noch Bedarf im zentralen Mittelfeld haben“, weitere Verpflichtungen also nottaten.

Zehlendorfs Goalgetter Zulu Ernst (l.) steht schon bei sechs Liga-Treffern. Tim Grabow (M.) hält Hertha-06-Verteidiger Rahmi Ghandour fern. Foto: Kerstin Kellner

Guter Rat ist in so einer Situation meist teuer, oft sogar sehr teuer. In einem Interview auf der Vereinshomepage gab Team-Manager Michael Stüwe-Zimmer einen Einblick, wie schwer die Suche nach passenden Spielern war: „Mit ‚Schrödi‘ zusammen habe ich rund 50 Gespräche geführt“, wobei diese wegen überzogener Gehaltsvorstellungen „oft sehr schnell beendet waren“. Die Geduld der beiden hat sich gelohnt, vor allem die beiden Zugänge mit Regionalliga-Erfahrung, Valentin Hennecke (Lippstadt) und Eric Stiller (Auerbach), schlugen sofort ein.

Und so nahm der perfekte Start Gestalt an, bei dem, neben der Kampfkraft und Disziplin des Teams, vor allem zwei Dinge ins Auge stachen: die defensive Sicherheit und der Torhunger des Zulu Ernst. „Im Defensivbereich haben wir enorme Qualität behalten, unsere Verteidiger sind eingespielt und bringen für ihre Physis ungewöhnlich gute spielerische Mittel mit“, sagt Schröder zu Punkt eins und zu Punkt zwei: „Ich mag Zulu als Spieler und als Typ. Zu seiner starken physischen Komponente verfügt er über eine gute Ballbeherrschung und kann sich auf engem Raum behaupten. Ganz wichtig: Er ist demütig, hebt nicht ab.“ Und, fügt Schröder hinzu, er profitiere wiederum vom Team, „von den Lücken, die die anderen reißen, aber nicht als typischer Mittelstürmer, der nur lauert. Das passt zu unserer Spielidee, möglichst viele Spieler vorne in die Box zu bekommen.“

Wenn Schröder etwas derzeit missfällt, dann ist es die lange Verletztenliste. Auf dieser stehen neben dem genannten Nachwuchstrio derzeit Jason Rupp, Carl Hopprich, Cenker Yoldaz und Arthur Langhammer. Kein Zufall, findet Schröder, sondern Folge der Saisonplanung des NOFV: „Die vielen Verletzten sind eine Konsequenz dessen, dass die Vorbereitung so kurz war und der Rahmenspielplan schlicht auf dem Rücken der Spieler durchgesetzt wird – Spielern, die Fußball als Hobby betreiben.“ Das dürften viele Trainerkollegen ähnlich sehen.

Text: Uli Krug / Titelfoto: Patrick Skrzipek