Wenn die A-Jugend-Bundesliga am Wochenende des 13./14. August in die neue Spielzeit startet, gibt es ein Novum. Erstmals treten fünf Berliner Vertreter in der höchsten Spielklasse an: Hertha BSC geht als Titelverteidiger ins Rennen, Viktoria 89 und der 1. FC Union hielten in der vergangenen Saison die Klasse souverän, neu dabei sind die beiden Aufsteiger Berliner AK und Hertha 03. Damit stellt die Hauptstadt knapp ein Drittel des 17er-Feldes. Einerseits ist diese Entwicklung eine Bestätigung für die gute Nachwuchsarbeit der Vereine, andererseits stehen die Klubs hinsichtlich der Kaderplanung vor einer großen Herausforderung – insbesondere die Vereine, die nicht über ein Nachwuchsleistungszentrum verfügen. Denn Berlin ist zwar groß, doch die Auswahl an Spielern des Jahrgangs 2004 nicht unbegrenzt.


Das weiß auch Burak Isikdaglioglu, Sportlicher Leiter Nachwuchs beim Berliner AK. Die Moabiter haben nach „vier Wochen ununterbrochener Planung“ den Kader für die kommende Saison beinahe zusammen. Und haben dafür auch über die Grenzen der Hauptstadt hinaus geguckt. „Wir haben knapp 200 Spieler gesichtet“, berichtet Isikdaglioglu. Der BAK punktet bei den Neuzugängen, die aus dem In- und Ausland kommen, mit dem familiären Umfeld und mit Perspektive. Wohnen können die Spieler in einer Wohngemeinschaft, die der Verein durch Mithilfe der Familie Han finanzieren kann. „Man ist einfach stolz, wenn man so einen Rückhalt aus dem Verein erfährt“, so Isikdaglioglu. „Die Jungs von weiter weg brauchen aber auch eine intensivere Betreuung, deshalb können wir nicht unbegrenzt Leute dazu holen, sondern begrenzen und auf diejenigen, die sportlich und menschlich zum BAK passen.“


Mit dem Aufstieg in die Bundesliga geht auch eine engere Zusammenarbeit zwischen der A-Jugend und der Männermannschaft in der Regionalliga einher. U19-Trainer Christopher Brauer wird künftig die Männer als Co-Trainer mitführen, kann so die Integration der jungen Spieler fördern. Zudem wird die U 19 das Trainingszentrum an der Osloer Straße mitbenutzen und im Poststadion die Heimspiele austragen. „Wir spüren große Unterstützung vom Bezirksamt“, freut sich Isikdaglioglu. „Das ganz große Projekt ist der Klassenerhalt.“

Identifikation als Schlüssel

Der Mitaufsteiger aus Zehlendorf musste derweil lange zweigleisig planen, sicherte die Bundesliga erst in zwei Aufstiegsspielen. Das Team von Trainer Max Siebert, der von der U 17 für den scheidenden Aufstiegstrainer ­Alexander Kwasny aufrückt, verfolgt einen klaren Weg. „Priorität in der Planung hatten die Spieler der Jahrgänge 2004 und 2005, die wir bereits dabei haben. Unser Plus ist, dass das Grundgerüst bereits eingespielt ist.“ Ganz ohne externe Neuzugänge geht es natürlich nicht. „Wir haben geschaut, auf welchen Positionen wir nachlegen müssen und was in unserem Rahmen realisierbar ist. Wichtig ist, dass wir Leute holen, die dazu passen, wie wir spielen wollen, und die sich mit dem Projekt identifizieren.“ Auch eine Zehlendorfer Vergangenheit war ein Kriterium bei der Suche nach Neuzugängen. Wegen der Identifikation und der „kurzen Integrationszeit“.


Wichtig ist Siebert, „dass wir den Spielern nichts versprechen, was wir nicht halten können. Gerade wenn wir Spieler des älteren Jahrgangs dazuholen. Die gehen in ihr letztes Jahr als Jugendfußballer, brauchen Spielzeit und eine klare Perspektive.“ Die ist mit der Männermannschaft gegeben. Gleich sieben Spieler aus dem letzten U19-Jahrgang wechselten jüngst in das Oberliga-Team. „Das sehen auch die anderen Jugendspieler“, so Siebert. Männer-Trainer Robert Schröder ist deshalb eng in die Kaderplanung der U 19 eingebunden. Der von Siebert beschworene „Zehlendorfer Weg“ stand zuletzt für Erfolg. Neben dem U19-Aufstieg feierte der Verein auch die Berliner Meisterschaft mit der U 13. Mit Ruhe und Kontinuität soll der Weg des Vereins in der A-Jugend-Bundesliga für das Ziel Klassen­erhalt weiter gegangen werden.


„Für Berlin ist es toll, dass fünf Vereine Bundesliga spielen“, betont Siebert. „Die Stadt hat einen großen Talente-Pool.“ Dass dieser Pool irgendwann erschöpft ist, weiß auch Siebert. Doch die Vereine finden unterschiedliche, spannende Lösungen, die eine interessante Saison versprechen lassen.

Titelbild: Kellner