Die Frauen-Regionalliga beendet die Sommerpause und hat am 1. Spieltag gleich zwei Berlin-Derbys im Angebot. Wie viel Begeisterung ist geblieben vom EM-Turnier? Und gelingt Union der Aufstieg?

26 Tage liegt es jetzt zurück, dass die Engländerin Chloe Maggie Kelly den Ball in der Verlängerung des EM-Finals über die Torlinie stocherte und Deutschlands Titelträume zerplatzen ließ vor 87.000 Zuschauern im Wembley Stadium und weiteren Millionen Menschen vor den Fernsehgeräten. Einen knappen Monat danach stellt sich nun auch die Frage, wie viel von der Begeisterung rund um den Frauen-Fußball konserviert werden konnte und ob das Interesse diesmal etwas nachhaltiger ist als nach vorherigen Turnieren?

Der Berliner Fußball kann auf jeden Fall eine große Einschaltquote gebrauchen und hat auch eine ganze Menge im Angebot. Während die Frauen-Bundesliga mit Turbine Potsdam erst am 16. September beginnt, startet die drittklassige Frauen-Regionalliga Nordost bereits an diesem Wochenende. Mit Hertha 03 Zehlendorf, Türkiyemspor, dem 1. FC Union, Viktoria Berlin und Stern 1900 sind hier gleich fünf Teilnehmer aus der Hauptstadt vertreten. Und die Auftaktrunde hat gleich zwei Stadtderbys im Portfolio: Hertha 03 empfängt am Sonntag Türkiyem (12.45 Uhr), Viktoria bekommt es mit Union zu tun (14 Uhr). Die Steglitzerinnen starten derweil gegen Eintracht Leipzig-Süd (ebenfalls 14 Uhr).

Zu den Meisterschaftsfavoriten gehören nicht zuletzt die Köpenickerinnen, die mit Fußball-Lehrer-Lizenz-Inhaberin Ailien Poese eine neue interessante Trainerin an der Seitenlinie haben. Der Vorjahresdritte will seine Entwicklung fortführen und zurück in die 2. Bundesliga, in der man zuletzt 2016/17 spielte. „Wir sind davon überzeugt, dass der sehr junge Kader, der in den letzten Jahren konstant zur Spitze der Regionalliga gehörte, mit gezielten Impulsen in dieser Liga schwer zu schlagen sein wird“, sagt Poese.

Im Testspiel vor ein paar Wochen behielt Viktoria 89 (l., Pia Ortner) die Oberhand gegen den 1. FC Union um Naika Reissner. Foto: Matze Koch


Dass der prosperierende Klub neben seinen inzwischen international kickenden Männern auch die Frauen nicht vergessen will, hat Union-Präsident Dirk Zingler auch im großen FuWo-Interview (Sonderheft) betont: „Wir haben Männer und Frauen im Verein, die Fußball spielen. Und dann sollen doch bitte beide, zumindest von den Rahmenbedingungen her, die wir schaffen wollen, die Möglichkeit haben, dass sie in den Spitzenbereich vordringen können.“ Er spricht darin auch vom Bau eines Amateurstadion, in dem die Frauen künftig spielen sollen. Nicht ausgeschlossen also, dass das Engagement irgendwann mal in der Bundesliga endet.

Die ambitionierten Unionerinnen in der Vorbereitung besiegt aber hat zumindest schon mal Viktoria 89. Mit 2:1 gewannen die Tempelhoferinnen gegen den FCU vor ein paar Wochen. Auch bei den Himmelblauen verfolgt man ehrgeizige Ziele im Frauen-Fußball. Mit mehreren neuen Verantwortlichen, zu denen unter anderem die Berliner Welt- und Europameisterin Ariane Hingst gehört, will der Verein mittelfristig in das Oberhaus vorpreschen. Erstmal heißt die Realität aber dritte Liga. Mit Aylin Yaren hat Viktoria in jedem Fall eine Unterschiedsspielerin von Türkiyemspor loseisen können.

Das heißt aber nicht, dass die Kreuzbergerinnen nun den Spielbetrieb einstellen. Auch der amtierende Regionalliga-Vizemeister zählt weiter zu den Topteams der Liga, hat nicht umsonst vergangene Woche mit einem 6:1-Erfolg über Eimsbüttel das Ticket für die 2. Runde im DFB-Pokal gelöst. „Wir wollen so lange wie möglich oben mitspielen“, erklärt Trainer Murat Dogan. Für Stern 1900 und Aufsteiger Hertha 03 gilt das nicht. In Steglitz und Zehlendorf zählt nur der Klassenerhalt. Eine spannende Spielzeit steht in den Startlöchern.

Text: Steven Wiesner / Titelfoto: Matze Koch