Rund 150 Oberliga- und Regionalliga-Einsätze (für SuS Neuenkirchen und SV Rödinghausen) sowie ein leidlich erfolgreiches Zweitliga-Jahr beim 1. FC Magdeburg (32 Einsätze, 4 Tore) hatte Marius Bülter (29) vorzuweisen, als er sich im Sommer 2019 dem damaligen Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Union anschloss. Ein Volltreffer, wie sich zeigen sollte: Am 3. Spieltag steuerte der 1,88 Meter große Angreifer beim 3:1 gegen Meisterschaftsaspirant Borussia Dortmund einen Doppelpack zum ersten Bundesliga-Heimsieg der Eisernen bei und sicherte sich auch dank fünf weiterer Treffer einen Ehrenplatz in der Historie der Köpenicker. Nach einer schwächeren zweiten Spielzeit suchte der Rechtsfuß aus Ibbenbüren (Nordrhein-Westfalen) eine neue Herausforderung und fand sie beim FC Schalke 04, am Samstag Gastgeber für Union (15.30 Uhr, Veltins-Arena), bei dem Bülter nach geglücktem Wiederaufstieg seine Bundesliga-Tauglichkeit erneut unter Beweis stellen konnte. Im FuWo-Interview spricht Bülter über sein Maschinenbau-Studium, seinen neuen „Eisvogel“-Spitznamen und das Wiedersehen mit Union.

Fußball-Woche: Herr Bülter, auf Schalke sind Malochertypen gefragt. Gehören Sie in diese Kategorie?

Marius Bülter: „Nicht nur, aber ich bin schon jemand, der immer einhundert Prozent gibt.“

Wenn man – wie Sie – mit 26 Jahren den Sprung in die Bundesliga schafft, gehört auch eine gehörige Portion Willenskraft dazu.

Bülter: „Das war schon ein ungewöhnlicher Weg, den ich gegangen bin, darauf bin ich auch ein bisschen stolz.“

Nicht alltäglich ist auch, dass Sie neben dem Fußball zusätzlich Maschinenbau studiert haben.

Bülter: „Stimmt, aber das Studium hatte ich noch vor dem Beginn meiner Profizeit abgeschlossen, meine Bachelor-Arbeit habe ich in meinem letzten Jahr in der vierten Liga geschrieben.“

Ist Maschinenbau nach wie vor eine Option?

Bülter: „Ausschließen will ich es nicht, zunächst möchte ich aber solange es geht Fußball spielen. Das macht mir noch ein bisschen mehr Spaß und ich hoffe, dass meine Karriere noch eine Weile dauert. Aber man sieht ja an meinem Weg, dass man nicht allzu viel im Voraus planen kann.“

Ist es von Vorteil, wenn man später in den Profizirkus einsteigt, Stichwort physischer Verschleiß?

Bülter: „Ich glaube nicht, dass mein Körper weniger kaputt ist als der meiner Kollegen, da das ohnehin sehr individuell ist. Ich fühle mich jedenfalls gut.“

Am 31. August 2019 erlebte Marius Bülter seine Sternstunde in der Bundesliga und schoss Union mit zwei Toren zum 3:1-Erfolg über Borussia Dortmund. Es war der erste Sieg der Köpenicker im deutschen Oberhaus. Foto: Matze Koch

Nach Ihrem Last-Minute-Elfmeter-Tor gegen Gladbach hat Schalke-Sportdirektor Rouven Schröder Sie „Eisvogel“ getauft. Kann man Nervenstärke trainieren?

Bülter: „So eine Situation kannte ich bis dahin auch noch nicht. Man wächst natürlich mit seinen Aufgaben, im Nachhinein war ich sehr froh, dass der Elfmeter reingegangen ist.“

Sie waren zu Saisonbeginn zunächst kein Startelf-Kandidat, das hat sich schnell geändert.

Bülter: „Das kann genauso schnell in die andere Richtung gehen. Wir haben einen guten Konkurrenzkampf, jeder will spielen. Bei mir war es so, dass ich mich über die Einsatzzeiten, die ich bekommen habe, für die erste Elf empfehlen musste. Das hat gut funktioniert, aber es sind noch so viele Spiele, man muss immer weiter Gas geben.“

Hat es Sie zusätzlich angestachelt, nicht die erste Wahl des Trainers zu sein?

Bülter: „Klar war ich enttäuscht, dass ich nicht gespielt habe. Also habe ich noch einen Tick mehr Gas gegeben, um dem Trainer zu zeigen, dass ich in die erste Elf gehöre.“

Union galt nach dem Aufstieg 19/20 als krasser Außenseiter, ein Abstieg wäre keine Katastrophe gewesen. Auf Schalke sieht das vermutlich anders aus?

Bülter: „Ein Abstieg ist für jede Mannschaft eine Katastrophe und wir sind uns bewusst, dass es eine herausfordernde Saison wird. Der Verein hat schwierige Zeiten hinter sich, jetzt gilt es, Schalke wieder in der Bundesliga zu etablieren. Es geht nur darum, die Klasse zu halten, auch wenn der Verein eine große Vergangenheit hat. Ich glaube, jeder hier im Verein ist sich dessen bewusst.“

Mit Simon Terodde, Sebastian Polter und Ihnen hat Schalke drei ehemalige Unioner im Sturm. Wie ist Ihr Verhältnis untereinander?

Bülter: „Ich kenne den Polti ja auch noch aus meiner Zeit bei Union, mit Simon verstehe ich mich auch gut, wir spielen ja schon ein Jahr zusammen. Wir haben natürlich auch über Union gesprochen, aber das sind alte Zeiten, jetzt spielen wir gemeinsam hier und sind damit gut aufgestellt.“

Mit welchem Sturmpartner ergänzen Sie sich auf dem Platz am besten?

Bülter: „(überlegt) Ich glaube nicht, dass es mit dem einen besser oder schlechter funktioniert als mit dem anderen.“

Wäre es denkbar, dass Sie zu dritt auflaufen?

Bülter: „Gut möglich, ich könnte auch auf den Außenpositionen spielen, aber das wäre schon eine sehr offensive Aufstellung.“

Sie kennen auch Urs Fischer gut: Wie wird er seine Mannschaft auf den Schalker Hexenkessel einschwören?

Bülter: „Natürlich ist die Atmosphäre bei uns besonders, aber bei Union spielen so viele Jungs, die schon alles miterlebt haben, ich weiß nicht, ob man die Mannschaft deswegen speziell einstellen muss.“

Sie stammen aus Ibbenbüren, einer ehemaligen Bergbaustadt im Nordosten von NRW. Sind Sie mit Schalke aufgewachsen?

Bülter: „Schalke und Dortmund waren die beiden Vereine, die bei uns in der Region präsent waren. Von daher habe ich schon früh mitbekommen, was für ein großer Verein Schalke ist und welche Anziehungskraft er hat. Das macht es noch mal ein Stück weit besonders, für Schalke spielen zu dürfen.“

War Schalke Ihr Lieblingsverein?

Bülter: „Nein, aber Dortmund auch nicht.“ (lacht)

Interview: Alex Heinen / Titelfoto: Matze Koch