Nach dem die Berlin-Liga am vergangenen Wochenende gestartet ist, stand am Mittwoch bereits die erste Englische Woche an. Für welche Teams der Saisonstart optimal verlaufen ist, wer noch Luft nach oben hat, und wer die entscheidenden Akteure des zweiten Spieltags waren, lest ihr hier.

Wer auch immer sich dieses Auftaktprogramm für den SD Croatia ausgedacht hat, wird sich beim nächsten Besuch in der Bosestraße womöglich ein paar Fragen gefallen lassen müssen. Schließlich hat der Spielplan gleich in den Start die schwersten Aufgaben gepackt, die die Berlin-Liga in dieser Saison so bereithält. Mit den Füchsen (0:6-Niederlage am zurückliegenden Wochenende) und Sparta Lichtenberg hatte Croatia prompt die beiden Titelfavoriten zu bespielen. Punkte gab es auch im zweiten Spiel keine, immerhin aber vermochte sich die Elf von Trainer Robert Pocrnic deutlich teurer zu verkaufen als gegen die Füchse. „Diese drei Punkte waren schwer erkämpft. Croatia war gegenüber dem ersten Spiel nicht wiederzuerkennen“, lobte Sparta-Präsident Werner Natalis. Vielleicht wäre sogar mehr drin gewesen als eine 0:2-Niederlage, hätte Croatia nicht ab der 37- Minute in Unterzahl spielen müssen nach Miskovics Roter Karte. Die Lichtenberger Tore durch Polster (41.) und Touré (61.) fielen erst in Überzahl.


Ebenso wie Sparta konnte auch Oberliga-Absteiger Stern 1900 beide Auftaktspiele gewinnen. Der neue Steglitzer Coach Roman Rießler blickt auch aufgrund eines prominenten Beispiels erleichtert auf diesen Sechs-Punkte-Start: „Man sieht ja in Bielefeld in der Zweiten Liga, dass man als Absteiger in der neuen Liga nicht automatisch wieder alle Spiele gewinnt.“ Die Arminia hat nach vier Niederlage aus vier Partien sogar schon ihren Trainer-Neuzugang Uli Forte entlassen. Dieses Schicksal wird Rießler an der Kreuznacherstraße aber nicht ereilen, sollte es so weitergehen. Dem 3:0-Start bei SpaKi ließ seine Elf nun einen 3:2-Heimerfolg über Vorjahres-Vizemeister Frohnau folgen. Dabei konnte der SFC sogar einen 0:2-Rückstand gegen zunächst bestimmende Frohnauer drehen. „Mit dem 1:2-Anschluss hat sich das Momentum verschoben“, beobachtete Rießler, was sich in der Schlussphase bestätigen sollte, als Frohnau mit einem Lattenschuss Pech hatte, während die Sterne mit einem 30-Meter-Knaller von Udeoka (82.) und einem Last-Minute-Treffer von Woithe (90.+4) das Spiel auf ihre Seite zogen.

Foto: Christoph Lehner

Unter den Mannschaften, die mit der maximalen Punkteausbeute gestartet sind, ist mit Türkspor eine, die wohl von den wenigsten dort erwartet war. Im Sommer noch mit Riesen-Umbruch, scheint das Team vom neuen Trainer Tuurjalai Zazai vor allem was die Mentalität angeht richtig stark zu sein. Beim 4:3 gegen Al-Dersimspor erzielte Spielmacher Mirsad Bushaj wie schon wenige Tage zuvor beim 1:0 über den BSC Sekunden vor dem Schlusspfiff den Siegtreffer. „Wir haben einfach sensationelle Charaktere in der Mannschaft“, freute sich Zazai über den zweiten Sieg. „Die Mischung passt einfach, der Spaß ist da.“ Vom Saisonziel Klassenerhalt möchte er indes nicht abrücken, bemerkte aber: „Wir sind im Soll.“

Das Ergebnis vom Heckerdamm spiegelte sich auch an der Wiener Straße, wo Hilalspor Aufsteiger BFC Preussen besiegte. Der Mann des Spiels war mit Mehmet Uzuner schnell gefunden: Gleich drei Treffer schenkte der Stürmer dem Team von Trainer Thomas Häßler ein. Die Preussen bleiben damit bei einem Punkt stehen, genau wie der SC Charlottenburg, gegen den man jenen Punkt holte. Der SCC musste sich am zweiten Spieltag Aufsteiger TSV Mariendorf 97 mit 0:3 geschlagen geben. Dass man „die Chancen von Anfang an genutzt“ habe, war laut Mariendorfs Trainer Thomas Cornils der Schlüssel zum Erfolg. Hinten raus fehlte es dann an Effizienz – bei der komfortablen Führung war das allerdings zu verkraften.


Wie Uzuner konnte sich auch Empors Neuzugang Quentin Paul Albrecht dreimal in die Torschützenliste eintragen beim 5:1 über Aufsteiger LBC. Er hat bereits vier Saisontreffer vorzuweisen. Wie Lichtenrade musste auch Stern Marienfelde das zweite Spiel verloren geben. Trotz früher Führung in Wilmersdorf hatte die Benyamina-Truppe das Spiel bereits nach 47 Minuten komplett gedreht und mit dem 4:1 entschieden.

Foto: Matthias Koch


Mit dem Entscheiden des Spiels hatte der TSV Rudow im Gegensatz dazu so seine Probleme. Gegen die Spandauer Kickers reichte es trotz zahlreicher Chancen nur zu einem 1:1. Rudow-Trainer Mario Reichel kam nicht umhin festzustellen: „Das fühlt sich wie eine 0:4-Niederlage an.“ Spaki-Coach Lukasz Lach sah sein Team in einem wilden, fehlerbehafteten Spiel zwar nicht ganz so unterlegen, konnte mit dem Remis aber durchaus leben. Seit der Berlin-Liga-Zugehörigkeit „ist das der erste Punkt, den wir überhaupt in Rudow holen konnten“.

Ein 1:1, das sich wie eine Niederlage anfühlte, erlebte auch der Berliner SC auswärts bei den Füchsen. Spielbestimmend, vergaben die Adlerträger einige gute Torchancen. Als vieles nach einem torlosen Spiel aussah, traf Abdoul Aziz Conte dann doch zur Führung (88.). Mit dem 1:0 im Rücken hatte der BSC dann im Eins-gegen-eins die Riesen-Chance zum 2:0, doch der starke Füchse-Keeper Selvedin Begzadic reagierte mit einer weiteren Glanzparade. Beinahe im Gegenzug landete eine Flanke beim aufgerückten Innenverteidiger und Kapitän Maik Haubitz, der für Egzon Ismaili ablegte, der den Ausgleich erzielte (90.+2).

Text: Steven Wiesner, Bruno Sellschopp, Titelbild: Torsten Schüler

Türkspors Siegtreffer. Video: Verein