27.04.2019

Woche der Jugend

In dieser Woche vor 50 Jahren

Kurt Manthey hat seine größte Zeit als aktiver Spieler Anfang der 50er Jahre. Er wird mit Tennis Borussia zweimal Berliner Meister und einmal Pokalsieger. 1957 holt er den Meistertitel erneut, diesmal mit Hertha BSC. Dass er nichts verlernt hat, zeigt der Stürmer Ende April 1969 im kleinen Rahmen – und nicht ganz freiwillig. Manthey ist inzwischen Verbandstrainer, bereitet den Nachwuchs auf ein traditionelles Turnier mit vier Teilnehmern vor. Im letzten Test geht es gegen die Regionalliga-Männer vom BFC Meteor 06.

Den Junioren fehlen zahlreiche Akteure wegen zeitgleich stattfindender Punktspiele. So läuft Manthey selbst auf. Die FuWo ist begeistert: Der 41-Jährige kann „seinen Jungen als Ballverteiler im Angriff in verschiedener Hinsicht noch etwas vormachen“. Per Drehschuss erzielt er sogar das 1:0.

Am Ende verliert sein Team zwar 3:4, doch „als Gewinner des DFB-Jugendpokals von 1968 hat man keinen Grund, den Spielen dieser Woche mit Pessimismus entgegenzusehen“, schreibt die FuWo. Beim Jugendpokal hatte Berlin überraschend die starke Konkurrenz aus dem Westen, Südwesten und Süden hinter sich gelassen. Das Programm für das aktuelle Viererturnier mit Spielen gegen Braunschweig, Lothringen und Westfalen ist straff: Die Partien finden Montag (im Friedrich-Ebert-Stadion), Mittwoch (Osloer Straße) und Freitag (Stadion Askanierring) statt. „Ein derartiges Pensum mutet man kaum einer Profimannschaft zu“, kritisiert die FuWo mit Blick auf die Spieler im A-Jugendalter.

Bei den Gastgebern stehen unter anderem Torwart Thomas Zander und Norbert Janzon von Hertha BSC im Aufgebot. Der eine spielt später bei Hertha in der Bundesliga, der andere wird mit dem FC Bayern München Deutscher Meister. Berlin startet gegen Lothringen. Bis kurz vor der Pause heißt es 1:2. Schließlich gewinnt man noch 4:2. Im zweiten Spiel des Tages macht der Torwart Westfalens auf sich aufmerksam: Dieter Burdenski (da noch Schalke 04, später lange in der Bundesliga bei Werder Bremen). Sein Team schlägt Braunschweig 1:0.
Die Sieger der Auftaktpartien sind auch am zweiten Spieltag erfolgreich: Berlin 5:0 gegen Braunschweig, Westfalen 2:0 gegen Lothringen. Dabei sind kuriose Szenen zu beobachten: Ein Braunschweiger will durch Zubinden seiner Schuhe die Ausführung eines gegnerischen Freistoßes verhindern – und muss fünf Minuten runter. Ein Spieler aus Lothringen wirft mit Sand auf Westfalens Rolf Rüssmann (FC Schwelm 06/später Schalke und Borussia Dortmund) und muss ebenfalls kurzzeitig von draußen zusehen.

Es kommt zu einem echten Endspiel am Freitag, Berlin reicht ein Unentschieden zum Turniersieg. Genau dieses Remis holt Mantheys Mannschaft, für die Janzon trifft. Endstand 1:1. Platz drei geht an Lothringen, das 1:1 gegen Braunschweig spielt. Eher mittelprächtig ist die Kulisse. Insgesamt sehen die sechs Spiele nur etwa 1000 Zuschauer.

Doch Berlin hat in der Woche noch einen Höhepunkt zu bieten in Sachen Nachwuchsfußball – und da passen die Rahmenbedingungen: 60.000 Besucher sind am Sonnabend um 10.30 Uhr im Olympiastadion beim Schülerländerspiel Deutschland gegen England dabei. Einen neuen Wolfgang Overath, der in einer früheren Auflage mitgespielt hat, bekommen sie nicht zu Gesicht. Aber dafür ein abwechslungsreiches Programm rund um das Spiel, unter anderem mit dem Auftritt der Militärkapelle „1st Battalion, The Staffordshire Regiment“.
England geht 2:0 in Führung, Deutschland schafft noch den Ausgleich. Das erste Tor erzielt Ronald Worm, der später in der Bundesliga für den MSV Duisburg und Eintracht Braunschweig spielt und 1993 Co-Trainer von Uwe Reinders bei Hertha BSC wird. Den zweiten Treffer macht Herbert Korst vom SV Beeden. Korst landet danach im Nachwuchs des Hamburger SV, muss aber seine Laufbahn wegen Rückenbeschwerden früh beenden. Auch Bundestrainer Helmut Schön ist unter den Gästen. Er findet, dass das Spiel zwei Jahre zuvor „erheblich besser“ war und bilanziert: „Das Unentschieden ist gerecht.“

Von Sebastian Schlichting

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