19.03.2014

„Wir brauchen härtere Sanktionen“

Nach den Ausschreitungen gegen Schmöckwitz: Tur-Abdin-Coach Minning im Interview

Am vergangenen Sonntag kam es in der 3. Abteilung der Kreisliga A nach dem Spiel BFC Tur Abdin gegen SV Schmöckwitz-Eichwalde (4:3) zu einer wüsten Schlägerei zwischen beiden Mannschaften. Sogar die Polizei musste anrücken. Lesen Sie, was die Beteiligten dazu sagen:

In der Kreisliga A kam es am vergangenen Wochenende zwischen dem BFC Tur Abdin und Schmöckwitz-Eichwalde zu schweren Auseinandersetzungen. Beide Trainer berichten, dass die Atmosphäre aufgrund des Spielverlaufs – Schmöckwitz holte einen 0:3-Rückstand auf, kassierte nach einer stark umstrittenen Schiedsrichterentscheidung aber noch den 3:4-Endstand – extrem aufgeladen war. Nach dem Abpfiff entstand aus einem Wortgefecht eine schwere Rauferei.

Darüber, wer dabei in welcher Form involviert war, gehen die Aussagen auseinander. Weitestgehend übereinstimmend ist indes die Entstehungsgeschichte. Nach der Provokation durch einen Schmöckwitzer Spieler wurde sein Gegenüber gewalttätig. Das Resultat: Drei Anzeigen gegen Akteure von Tur Abdin – und ein unrühmliches Kapitel mehr für den Berliner Amateurfußball.

Wir sprachen mit den beiden beteiligten Trainer Hans-Joachim Minning (BFC Tur Abdin) und Dieter Müller (Schmöckwitz-Eichwalde).

FuWo: Herr Minning, hat der BFC Tur Abdin ein Aggressionsproblem?

Hans-Joachim Minning: In der Fairness-Tabelle stehen wir auf dem letzten Platz. Das sehe ich natürlich nicht gerne, da vergeht auch mir der Spaß. Richtig problematisch wird es aber erst, wenn meine Spieler beleidigt werden. Es gibt Ausdrücke, die sie anscheinend nicht dulden können.

Was war am vergangenen Sonntag der Auslöser?

Minning: Nach Abpfiff kam es zu einem Dialog, in dem unser Spieler rassistisch beleidigt wurde. Daraufhin ist er komplett ausgerastet, handgreiflich geworden und hat seinen Gegenüber auch mit einer Art Kung-Fu-Tritt attackiert. Dabei ist er eigentlich ein intelligenter Kerl, der einen guten Posten als Ingenieur hat.

Trotzdem haben Sie solche Szenen nicht zum ersten Mal erlebt.

Minning: Das stimmt leider, allerdings hat die Aggression nach meinem Empfinden in den letzten zehn Jahren abgenommen. Wir haben in der Vergangenheit bereits Anti-Aggressionskurse veranstaltet, Seminare über mehrere Tage, in die Tur Abdin mehrere tausend Euro investiert hat. Aus solchen Schlagzeilen wie aktuell waren wir vor ein paar Jahren eigentlich schon komplett verschwunden.

Warum führen solche Maßnahmen nicht zu nachhaltigem Erfolg?

Minning: Wenn man meine Jungs in den Seminaren hört, hat man den Eindruck, die könnten keiner Fliege etwas zu Leide tun.

Auf den Plätzen sieht das anders aus.

Minning: Genau das ist die große Schwierigkeit. Mit diesem doppeldeutigen Verhalten sind sie nicht ehrlich zu mir als Trainer, und auch nicht ehrlich zu sich selbst. Daneben gibt es aber auch ein, zwei Kandidaten, die in der Vergangenheit schon häufiger von sich aus einen „Brand entfacht“ haben. Diese Spieler müssen wir aussortieren.

Wie hart werden Sie durchgreifen?

Minning: Sehr hart. Die Sanktionen werden uns personell schwer treffen, keine Frage. Aber dann steigen wir lieber ab, als dass wir so etwas noch mal erleben.

Welche Konsequenzen ziehen Sie persönlich aus der Eskalation?

Minning: Ich habe überlegt, ob ich aufhören soll. Allerdings möchte ich den Vorstand nicht mit dem Problem allein lassen. Aber ich sage auch: Passiert noch ein Ding, schmeiß‘ ich hin.

Migranten-Vereine klagen immer wieder darüber, dass es besonders im Osten der Stadt zu rassistischen Anfeindungen kommt. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Minning: Ich würde das nicht generalisieren. Tatsächlich trifft man dort aber selten auf Multikulti-Truppen. Und die Hemmschwelle bei Beleidigungen ist häufig eine andere. Im Hinspiel gegen Schmöckwitz-Eichwalde gab es aber beispielsweise keine Auseinandersetzungen – obwohl es eine hartumkämpfte Partie war.

Welche Lösungsansätze sehen Sie, um die Gewalt auf den Fußballplätzen einzudämmen?

Minning: Ich bin der Meinung, dass der Verband solche Entgleisungen härter sanktionieren sollte. Erst wenn Akteure lebenslang – oder für lange Zeiträume – vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden, bekommen wir Ruhe rein. Über Geldstrafen in Höhe von 300 Euro lachen sich die Spieler kaputt.

Lesen Sie hier das Interview mit Dieter Müller, Trainer von Schmöckwitz-Eichwalde.

Interview: Jörn Lange

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