02.03.2019

Von Mäusen und Pfützen

In dieser Woche vor 50 Jahren

Hertha BSC soll am ersten Märzwochenende 1969 in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund spielen. Soll. Die Realität namens Winter sieht anders aus. Absage! Trotzdem ist Berlin der ARD-Sportschau eine Meldung wert. Auch da geht es um Absagen: In der Regionalliga werden schon vorab wegen des Wetters bis auf zwei alle Partien gestrichen. Diese gute Informationspolitik seitens des Verbandes lobt die FuWo ausdrücklich, nachdem eine Woche zuvor viele Spiele erst kurzfristig abgesagt worden waren und die Zuschauer ohne Spiel wieder abrücken mussten. Nun ist also alles frühzeitig klar. Wirklich? Schön wär`s gewesen.

SC Staaken gegen Blau-Weiß 90 ist eines der beiden Spiele, die stattfinden sollen. Staaken rechnet am Askanierring mit einem guten Besuch. Der deutet sich um 14 Uhr, eine Stunde vor dem geplanten Anpfiff, auch an. Beide Mannschaften und Schiedsrichter Kleinke sind ebenfalls bereits da. Letzterer schaut sich den Platz an. Sein Kommentar später: „Das Spiel fällt aus. Ich kann keine Verantwortung übernehmen, dass das vorgesehene Treffen ohne gesundheitsschädigende Vorkommnisse über die Runden geht.“ In Kurzform zusammengefasst: Hier rollt heute kein Ball!

Eine richtige Entscheidung, weil der Schnee in der Sonne geschmolzen war und nun das blanke Eis auf dem Rasen ist. Allerdings wird die Frage gestellt, warum die Absage so spät kommt, ob nicht eine Platzkommission auch am Vormittag schon diese Entscheidung hätte fällen können. Das hätte allen anderen den Weg zum Askanierring erspart.

Der Winter bringt den Spielplan wie schon seit Wochen durcheinander. Da ist es nur noch ein Spiel an diesem Sonntag – und das findet tatsächlich statt. Rapide Wedding empfängt in der Ungarnstraße Tabellenführer Hertha 03 Zehlendorf. Größere Eisstücke waren bereits eine Woche zuvor entfernt und an mehreren Stellen Sand gestreut worden. Schiedsrichter Regely ist zunächst trotzdem skeptisch, pfeift dann aber ungeachtet der grenzwertigen Bedingungen an. Zum Ärger des Zehlendorfer Vorsitzenden Otto Höhne: „Hier zu spielen halte ich unbedingt für gesundheitsschädlich.“ Routinier Helmut Faeder nimmt es mit Humor: „Mir kann nichts passieren. Ich habe aus Gesundheitsgründen erstmalig meinen Rechtsanwalt mitgebracht.“

Über 3000 Zuschauer zahlen Eintritt. Und der Rasen? Nun ja: „Die Bodenverhältnisse erwiesen sich als grausam“, teilt der FuWo-Berichterstatter mit. Der Schnee ist zwar weg, doch es gibt vereiste Stellen, die sich durch die Sonne auflösen und zu Wasser werden. Schwierigste Verhältnisse für beide Mannschaften. Naturgemäß aber noch problematischer für das technisch bessere Team. Ihre gute Technik und das gepflegte Zusammenspiel können die Zehlendorfer an diesem Tag sofort in den großen Pfützen auf dem Rasen versenken. Versuchte Pässe werden vom Wasser gestoppt, hier geht es nur über den Kampf.

Den bieten beide Mannschaften dem begeisterten Publikum reichlich. Die Gastgeber stellen sich dabei noch besser an, haben viele Chancen und gehen früh durch Mario Frati in Führung. Danach verhindert Zehlendorfs Torwart Klaus-Peter Baake, der nach der Saison zu Kickers 1900 wechseln wird, weitere Tore der Gastgeber. „Er hat mein Vertrauen voll gerechtfertigt“, freut sich der ansonsten wenig zufriedene Trainer Gerd Schulte nach Abpfiff.
Statt mit 0:2 oder gar 0:3 in die Pause zu gehen, schafft Zehlendorf den Ausgleich. Wolfgang Sühnholz wird im Strafraum gefoult, Uwe Kliemann verwandelt den Elfmeter sicher. Der Halbzeitstand ist „ein Geschenk des Himmels für den Tabellenführer, da beißt keine Maus einen Faden ab“, bilanziert die FuWo.
Auch in der zweiten Halbzeit hat Rapide die besseren Chancen, selbst Faeder gelingt es nicht, Ordnung ins Spiel des Favoriten zu bringen. Dieser kann am Ende froh sein, dass es beim 1:1 bleibt.

Von Sebastian Schlichting

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