12.07.2020

Saisonstart in akuter Gefahr

Die Unzufriedenheit der Sportler über die coronabedingten Einschränkungen wächst

Es geht nicht voran. Der Berliner Senat hält an seiner Infektionsschutzverordnung fest. Will heißen: In Berlin darf coronabedingt von der Oberliga abwärts weiterhin nicht unter Wettkampfbedingungen trainiert werden. Test- oder gar Punktspiele: verboten. Diese Verordnung gilt aktuell bis zum 24. Oktober.

Geht es derweil nach den Spieltechnikern des Berliner Fußball-Verbandes (BFV), soll die neue Saison am 21. August mit dem Eröffnungsspiel der Berlin-Liga (21 Mannschaften, 42 Spieltage) gestartet werden. Eine Woche später sollen bei den Männern die übrigen Spielklassen folgen. Im benachbarten Brandenburg ist der 22./23. August als Starttermin bereits fix und von den Behörden genehmigt. In Berlin dagegen herrscht Stillstand.

„Ich bin guter Dinge, dass wir noch im Sommer weitere Lockerungen im Sport vornehmen können“, sagte Sport-Staatssekretär Aleksandar Dzembritzki am Freitag gegenüber der FuWo. Geht‘s auch etwas präziser? Der Sommer dauert noch gut zwei Monate. Der BFV teilte seinen Vereinen vergangene Woche mit, dass seitens des Senats „Ende Juli die nächste Lockerungsstufe für den Trainingsbetrieb avisiert“ sei. Die Öffnung des Wettkampfbetriebes solle in einem zweiten Schritt folgen. „Es wird keinen Schnellschuss geben“, sagte ein Senatssprecher. Damit steht fest: Der angepeilte Saison­start mit dem 1. Spieltag in der Berlin-Liga und der Qualifikationsrunde im AOK-Landespokal (21. bis 23. August) ist in akuter Gefahr.

Entsprechend frustriert ist die BFV-Spitze – und geht in die Öffentlichkeit. Die Antwort des Staatssekretärs „ist sehr unbefriedigend“, heißt es in dem Brief an die Vereine, unterzeichnet von Präsident Bernd Schultz und Geschäftsführer Kevin Langner. Als letzte Stufe „müssen wir in Betracht ziehen, vor das Rote Rathaus zu ziehen“, heißt es, „natürlich unter Einhaltung der Hygienevorschriften.“

Um eine schnellere Rückkehr in den Trainings- und Wettkampfbetrieb zu ermöglichen, hat der Verband den Behörden am vergangenen Montag einen Antrag auf Anpassung der Infektionsschutzverordnung sowie ein eigenes, detailliertes Hygienekonzept vorgelegt. „Ich sehe große Bemühungen in den Vereinen und Verbänden, hier auch einen wesentlichen Anteil am Gesundheitszustand zu übernehmen“, teilte Dzembritzki dazu mit. Ein Lob, das dem BFV keinen Millimeter weiterhilft. Der Verband kämpft an allen Fronten, tritt aber auf der Stelle. Ständig fragen die Vereine, wann in Berlin die neue Saison losgeht. Diese Frage ist derzeit aber nicht zu beantworten. „Nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil wir nicht können. Auch für uns ist das sehr unbefriedigend“, so der Verband.

Der Landessportbund (LSB) sucht ebenfalls den Weg über die Öffentlichkeit und wandte sich in der vergangenen Woche direkt an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller. In den Vereinen und Verbänden wachse die Unruhe hinsichtlich der behördlichen Umsetzungen zum Infektionsschutz. Es herrsche Unverständnis „über teilweise nicht nachvollziehbare Regeln“, teilte der LSB mit. „Insbesondere bedauern wir die mangelnde Abstimmung mit Brandenburg.“

Vollends unbeweglich in Sachen Lockerungen ist der Senat aber nicht. Nunmehr liegt auch der 1. Mannschaft des Berliner SC – wie allen Berliner Profiklubs inklusive der Regionalligisten – seitens der Behörden eine Ausnahmeregelung vor. Der Grund: Der Sechstligist steht im Halbfinale des AOK-Landespokals und trifft dort am 8. August auf Viktoria 89. An der Hubertusallee darf also von sofort an „normal“ trainiert werden – für alle anderen Amateurvereine eine kaum nachvollziehbare Entscheidung.

Von Ulli Meyer

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