04.07.2020

Nahe an der Perfektion

Anadoluspor II bleibt als einzige Mannschaft der gesamten Kreisliga B ohne Punktspielniederlage

Foto: Verein

Viel war es nicht, was den 2. Herren von Anadoluspor im vergangenen Jahr zum Sprung in die Kreisliga A gefehlt hatte. Die Mannschaft von der in Kreuzberg gelegenen Lohmühleninsel konnte am Saisonende genau einen Zähler weniger vorweisen als der Tabellenzweite, der sich für die nächsthöhere Spielklasse qualifizierte.

Wenngleich Anadoluspors Zweitvertretung damals aufgrund des schlechteren Torverhältnisses auch noch im Falle eines Punktegleichstands das Nachsehen in der Aufstiegsentscheidung gehabt hätte, verdiente die Leistung der Kreuzberger in der Saison 2018/19 großen Respekt. Ali Aydin, der heutige Cheftrainer des Teams, gibt nämlich zu bedenken, dass sie bis vor zwölf Monaten noch „just for fun“ gespielt und Aufstiegspläne daher nicht zielstrebig verfolgt hätten. Aus diesem Grund habe der 37-Jährige einst auch ein erstes Angebot der Vereinsführung zur Übernahme der 2. Mannschaft abgelehnt. „Ich will auf dem Platz immer was reißen“, gesteht Aydin, der während seiner aktiven Spielerkarriere für den Klub als Torhüter auflief und auch die Kapitänsbinde tragen durfte.

Seine „große Liebe zu Anadoluspor“ stimmte ihn letztlich aber um. Und so wurde es zu Beginn der Saison 2019/20 eng in der Coachingzone der Kreuzberger: Die Feldakteure erhielten von dort ihre Anweisungen nun nicht mehr nur vom bisherigen Trainer Engin Korkut. Auch Spielertrainer Mohamed Milarch und Aydin gaben fortan Kommandos.
„Mohamed und ich haben viele Qualitätsspieler hierhergebracht“, teilt Aydin mit, für den das Engagement bei der Anadoluspor-Reserve das allererste im Trainerbereich darstellt. Er erinnert sich daran, dass seine erfolgsorientierte Arbeitsweise auf Gegenwind stieß. Der „eine oder andere“, der dem Team schon lange angehört hatte, sei enttäuscht darüber gewesen, nach der Erweiterung des Betreuerstabs nicht mehr aufgestellt worden zu sein. Zudem habe der Vorstand Aydins Einsatz zunächst als „zu professionell für eine 2. Mannschaft“ bezeichnet.
Doch mittlerweile dürfen sich Aydin und Milarch, die seit Dezember allein für das Team verantwortlich sind, darin bestätigt sehen, dass ihre Trainingsmethoden die richtigen gewesen sind. Ein jederzeit ehrgeiziges und diszipliniertes Auftreten aller Beteiligten hat den Kreuzbergern jetzt nämlich in der 2. Abteilung der Kreisliga B den Meistertitel beschert. 16 ihrer 18 Punktspiele gewannen sie. Außerdem ist Anadoluspor II ligaweit die einzige Mannschaft, die in der abgelaufenen Saison ohne Niederlage geblieben ist.

Unter dem neuen Trainerduo konnte sich kein Spieler auf guten Leistungen ausruhen bzw. auf einen Sonderstatus hoffen. Auch Baran Akis bekam das zu spüren. In der wichtigen Partie gegen den FC Al-Kauthar (17. Spieltag; 2:1) schmorte der Torjäger bis zur Pause auf der Ersatzbank. „Baran hatte in der Woche nicht trainiert“, begründete Aydin die überraschende Nichtnominierung des 21-Jährigen für die Startelf.

Dass der Ausgang einer Partie mitunter auch stark von seiner Halbzeitansprache abhing, habe dem Trainer vor allem das Spiel beim ASV Berlin gezeigt. Beim Pausenstand von 0:0 musste Aydin nach vielen vergebenen Chancen gegenüber seinen verunsichert wirkenden Fußballern Ruhe ausstrahlen und ihr Vertrauen in die eigene Stärke erneuern. „Ich habe meinen Jungs gesagt, dass sie sich heute nur selbst schlagen können und dass das Siegtor schon noch fallen wird“, berichtet der Coach. In der 88. Minute war es dann auch soweit. „Trainer, du bist ein Heiliger!“, schwärmten Aydins Spieler anschließend von seinen hellseherischen Fähigkeiten.

Die 86 Tore für Anadoluspor II erzielten:

Akis (32), Sarac (7), El-Ahmad (6), Hortum (6), Arslan (5), Woischnig (5), Caliskan (4), K. Orhanlar (3), Yildirim (3), A. Berwari (2), N. Berwari (2), Cetin (2), El-Khatib, Kanpara, Milarch und Turan. Hinzu kommen fünf Tore durch die vorzeitige Aufgabe des Berliner VB 49 am 18. Spieltag beim Stande von 1:0 für Anadoluspor II.

Von Maximilian Voigt

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