11.07.2020

Liganeuling auf der Durchreise

Sport-Union steckt Mini-Ergebniskrise gut weg und sichert sich erneut den Spitzenplatz in der Abschlusstabelle

Fotomontage: Verein

Sie haben es schon wieder getan! Die Fußballer von Sport-Union schnappten sich auch in der zweiten Saison nach ihrem Eintritt in den Männerspielbetrieb den Meistertitel und sind somit in kürzester Zeit von der C-Klasse in die Kreisliga A durchmarschiert. Spielertrainer Savas Güler (43) macht jedoch kein Geheimnis daraus, dass die allgemeine Erwartungshaltung, die gegenüber dem Team eingenommen worden war, seine Schützlinge nicht immer beflügelte: „Es war eine Bürde für uns, von allen Seiten zum Favoriten erklärt worden zu sein.“

Die Ausgeglichenheit der 3. Abteilung der Kreisliga B, in der Sport-Union schließlich auf Platz 1 landete, tat ihr Übriges dazu, dass für den Klassenneuling der Weg zum nächsten Titelgewinn ein beschwerlicher wurde. Güler war überrascht ob der Vielzahl an starken Kontrahenten, mit denen es sein Team zu tun bekam. Eine Abkehr von der von ihm präferierten 4-4-2-Formation kam für den Coach aber nicht infrage: „Wir richten uns nicht nach dem Gegner – umgekehrt soll es sein!“ Die einzige Ausnahme hierbei bildete die Partie beim späteren Mitaufsteiger Wacker 21 II (Sport-Union siegte 2:0). „Nur dort habe ich mein System geändert; ich habe auf den zweiten Stürmer verzichtet und dafür viel Mittelfeldpressing von meinen Jungs gefordert“, sagt Güler. Er ist übrigens auch 1. Vorsitzender des Vereins, der seine Heimspiele auf dem Platz an der Jaczostraße in Spandau austrägt.

Während Sport-Union daheim eine Macht war, blieb man in der Fremde nicht von Misserfolgen verschont. Nach dem denkwürdigen 16:7-Sieg beim BSV Hürtürkel II (5. Spieltag) setzte es beim FCK Frohnau (3:4) und beim FC Karame (2:3) Niederlagen gegen zwei direkte Aufstiegskonkurrenten. Güler berichtet, dass sich seine Spieler danach jedoch „selbst aus der Krise geholt“ haben, indem sie „viel über unsere Fehler“ sprachen. Die kritische Aufarbeitung der eigenen Versäumnisse in den besagten Duellen zeigte Wirkung: Was folgte, war eine Serie von acht Partien, in denen man ungeschlagen blieb (bei sechs Siegen). Dieser Lauf brachte den Spandauern letztlich auch die Herbstmeisterschaft ein.

„Schmerzhaft“ seien laut Sport-Unions Trainer dann wiederum die unerwarteten Pleiten bei den Mittelklasse-Teams vom VfB/Einheit zu Pankow II (1:2; 16. Spieltag) und vom VfB Concordia Britz II (0:2; am letzten Spieltag vor dem Saisonabbruch) gewesen.
Zu den Fußballern, die entscheidend zu der insgesamt aber wieder überaus erfolgreichen Spielzeit beigetragen haben, zählt Güler allen voran Buba Badjie. Der 23-jährige Gambier sei ein „echter Kämpfertyp“, dazu schnell, spritzig und giftig. Auch scheue er keinen Zweikampf. Badjie habe zudem die Position vom eigentlichen Mittelfeldmotor Mohammed Rhannai gut ausgefüllt, der sich bei einem Testspiel während der Saisonvorbereitung schwer verletzt hatte und daher in der Kreisliga B keine einzige Minute auf dem Rasen stand.

Kapitän und Tormaschine Bilal Kaplan habe die Mannschaft indes auch in schwierigen Momenten „zusammengehalten“, wie sein Coach betont: „Er war immer so etwas wie unsere Erste Hilfe!“ Aber auch Kaplans 25 Jahre alter Sturmpartner Youssef Ennaoui und Ufuk Hoylugil seien in charakterlicher Hinsicht „ex-trem wichtige Mannschaftsglieder“.
Ein Umbruch steht Sport-Union jetzt in der Abwehrreihe bevor, die komplett erneuert werden müsse. Denn weder Güler („Ich bin nicht mehr wettkampftauglich!“) noch sein Co-Trainer Abdul Latif Buraimo, der ebenfalls schon 43 Jahre alt ist, werden sich den Herausforderungen in der Kreisliga A stellen. Auch bei Salih Beyazit (29) sei noch fraglich, „ob er den Weg nach oben mitgeht“.

Die 80 Tore für Sport-Union Berlin erzielten:

Kaplan (29), Ennaoui (15), Badjie (6), Alhawari (4), Bakr (4), Gürhan (4), Hoylugil (4), Ghabash (3), Okatan (3), Baldeh, Bassem, Beka, Erdogan, S. Güler, Waliu und Yildirim. Hinzu kommt ein Eigentor.

Von Maximilian Voigt

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