29.10.2014

Kaum einen Ball zu halten

Herthas Nachwuchs trotzt Spitzenreiter Zwickau ein torloes Remis ab

Es ist ja kein wirkliches Geheimnis, dass der Fußballlehrer im allgemeinen mit einem torlosen Remis ob der favorisierten Attribute – kompakt und gut gestanden, dazu nur wenig zugelassen – häufig sehr gut leben kann. Herthas U23-Trainer Ante Covic bildete nach dem Spiel gegen Spitzenreiter Zwickau da keine Ausnahme. Nachvollziehbarer Weise. „Ich muss meinen Jungs ein ganz großes Kompliment machen. Wie sie das körperbetonte, mannhafte Spiel des FSV angenommen, Tempo und Disziplin bis zum Ende mitgegangen sind und auch problemlos durchgehalten haben, das hat mir imponiert. Ich denke, es war zwischen den Teams kein Unterschied zu erkennen.“

Dem darf uneingeschränkt zugestimmt werden. Das Remis – noch dazu das torlose – entsprach den beiderseits gezeigten Leistungen. Dass der weiterhin ungeschlagene Spitzenreiter seine vordringlichen Stärken nicht in einer alles überrennenden Offensive besitzt, ist beim Blick auf das minimalistische Trefferkonto ohnehin zu erkennen. Nun fiel gegen die mit den Profis Janker und van den Bergh (beide ordentlich) verstärkte Hertha-Defensive auch noch Torjäger Genausch (fünfte gelbe Karte) aus. „Aushilfe“ Frick war bei allem Eifer kein adäquater Ersatz. Sicherlich besaß der FSV optische Vorteile, versuchte Herthas Abwehrverbund dazu mit stetem Flügelspiel zu zermürben.

Doch dutzendweise in den Strafraum geschlagene Bälle fanden keinen entscheidend zum Abschluss kommenden Abnehmer. Selbst gefährlich vor das Tor getretene Standards (Schlicht) wurden in schöner Regelmäßigkeit geklärt, wobei sich der kämpferisch alles überragende und als Stürmer aufgebotene Kevin Stephan im eigenen Strafraum als häufig klärendes Kopfballmonster erwies. Zwei Treffer gelangen dem Gast dennoch. Allerdings stand Wachsmuth abseits (20.) und vor Mais Kopfballtreffer wurde Sprint behindert (27.). Eine anderweitig erstaunliche Realität: Während der gesamten 93 Minuten bekam Herthas Goalie nicht einen ernsthaften Ball zu halten.

Auch Herthas Offensivbemühungen blieben im überschaubaren Rahmen. Musste Zwickaus Keeper Unger vor der Pause nur nach Rückpässen eingreifen, so sorgten Kohls (68.) wie Born (80.) mit ihren Versuchen für ernsthafte Gefahr. Unger konnte da nur mit einigen Mühen zum jeweiligen Eckball klären. Sonst blieben verheißungsvoll anmutende Aktionen bereits im Ansatz stecken. Am Ende wurde es noch einmal hektisch, musste Referee Wilske noch in der Schlussviertelstunde vier gelbe Karten verteilen. Und tatsächlich wäre den Sachsen mit der letzten Aktion fast noch der Siegtreffer geglückt. Am langen Pfosten kam Mai relativ blank zum Schuss. Aber: Hoch und weit flog das Leder über das Hertha-Tor hinweg.

Hertha BSC II – FSV Zwickau 0:0

HERTHA: Sprint – Regäsel, Syhre, Janker, van den Bergh (80. Fuchs) – Dem, Samson – Born, Andrich (35. Kohls), Zingu (67. Arnst) – Stephan.
ZWICKAU: Unger – P. Göbel, Mai, Paul, C. Göbel – Wachsmuth, Stiefel (81. Eggert) – Grandner, Schlicht, Röhr (77. Morozow) – Frick.
SR: Wilske (Bretleben) – Z: 608.
GELBE KARTEN: Janker, Samson, Dem – Mai, Frick, Stiefel.
BESTE SPIELER: Stephan, Syhre – Wachsmuth, Röhr.

Von Peter Türk

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