10.08.2019

Jung-Stars zeigen ihr Talent

In dieser Woche vor 40 Jahren

Es ist eine Mammutaufgabe, dieses Sportfest zu organisieren. Es ist zugleich eine Herzensangelegenheit, die jungen Talente zu sehen bei diesem „Festival der Olympioniken von morgen“, wie die DDR-Sportfunktionäre die Zentrale Kinder- und Jugendspartakiade nennen und die vom 24. bis 29. Juli 1979 zum siebten Mal stattfindet. Im Sportland DDR ist nichts unmöglich und so treffen sich 17.000 (!) Aktive, Trainer und Übungsleiter, Kampf- und Schiedsrichter, Betreuer, Organisatoren und Mediziner.

Allein im Fußball sind in den Altersklassen der Elf-, Zwölf- und Dreizehnjährigen 656 Aktive dabei, die in 94 Spielen an sechs Tagen die drei Spartakiadesieger ausspielen. Wie immer sind tatsächlich die Olympioniken von morgen zu sehen oder im Fußball die Oberliga- und Nationalspieler der Zukunft. Dass darunter auch spätere Weltstars oder zumindest auch Bundesligaprofis sind, davon mag natürlich keiner auch nur im Ansatz zu träumen.

Das Fußballturnier also, gespielt auf zwölf Sportplätzen Berlins und im Stadion an der Alten Försterei eröffnet. Ehemalige Oberligaspieler sind als Trainer im Einsatz oder als Betreuer, einstige Nationalspieler, so Gerhard Körner, der für den ASK und den FC Vorwärts Berlin 33 Länderspiele bestritt, sichten die Talente. „In jeder Mannschaft standen Jungen, von denen wir in Zukunft noch etwas erwarten dürfen“, so Körners Fazit, der als einstiges Mittelfeld-Ass naturgemäß ein besonderes Auge auf die Spielgestalter geworfen hat.

Bei den Jüngsten, den Elfjährigen, gibt es mit der Bezirksauswahl Dresden den überlegensten Gewinner. Die Jungs setzen sich im Endspiel gegen die Auswahl Rostocks glatt mit 6:1 (3:0) durch. In jenem Alter sind die Talente noch nicht in den Kinder- und Jugendsportschulen zentralisiert, deshalb gehören die Dresdner in erster Linie nicht zu den schwarz-gelben Dynamos, sondern eher kleinen Vereinen an, so Dynamo Heide, ISG Hagenwerder, Robotron Radeberg, Dynamo Meißen, FSV Lok Dresden, Stahl Riesa oder gar Traktor Ralbitz-Horka. Einer aber trägt trotzdem schon das Trikot der Elbflorenzer und er ist mit drei Treffern im Endspiel auch der überragende Spieler: Matthias Sammer. Wer am Ende als bester Torschütze der Elfjährigen ausgezeichnet wird und als bester Spieler auch? Sammer natürlich!

Allerdings erweist sich bei den Zwölfjährigen, dass die Goldmedaille bei der DDR-Spartakiade noch längst kein Wegweiser für eine steile Karriere sein muss. Aus der Siegermannschaft des Bezirkes Magdeburg schaffen es nur wenige bis nach ganz oben. Am besten gelingt es Angreifer Marcus Wuckel, der für Stahl Blankenburg kickt. Erst über den Umweg Stahl Brandenburg, wo er zum Oberligaspieler reift, führt ihn sein Weg doch noch zum 1. FC Magdeburg, für den er schon immer spielen wollte und für den er schließlich seine vier Länderspiele bestreitet. Nach dem 1:1 im Endspiel gegen Erfurt mit dem späteren Nationalspieler Stefan Böger verwandelt Wuckel zudem im Elfmeterschießen seinen Versuch und führt seine Mannschaft mit 3:2 vom Punkt zu Sparta­kiadegold.

Bei den Ältesten, den 13-Jährigen, spielen nicht mehr die Auswahlmannschaften der Bezirke den Sieger aus, sondern Vereine, da die Talente in diesem Alter schon in den sogenannten Schwerpunktklubs konzentriert sind. Wie bei den Elfjährigen setzen sich auch beim um zwei Jahre älteren Jahrgang die Dresdner durch, nur gehören eben alle schon zu Dynamo. Der Schütze des goldenen 1:0 gegen die Talente des FC Vorwärts Frankfurt ist mit Jörg Stübner ein Mittelfeldspieler, der nur fünf Jahre später sein erstes von 47 Länderspielen bestreitet, auch beim letzten DDR-Länderspiel, 1990 beim 2:0 in Belgien, dabei ist und vor sechs Wochen erst 53-jährig stirbt.
Doch auch in diesem Sieger-Jahrgang ist ein späterer Weltklassemann dabei: Ulf Kirsten. Allerdings ist der „Schwatte“, wie er später genannt wird, im Endspiel nicht gerade glänzend aufgelegt. Er nämlich wird ausgewechselt. Heiko Scholz, auch er später Nationalspieler und wie Kirsten bei Bayer Leverkusen in der Bundesliga am Ball, kommt dagegen im Finale nicht einmal zum Einsatz …

So gut die Talente auch sind, erstklassig sind auch die Schiedsrichter. Die meisten der 18 Unparteiischen schaffen es in die Oberliga, manche auf die Liste des Weltfußballverbandes Fifa und der eine oder andere gibt später auch in der Bundesliga seine Visitenkarte ab. So Wieland Ziller aus Königsbrück und vor allem Bernd Heynemann aus Magdeburg.

Von Robert Klein

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