09.03.2018

„Ich bin ganz froh, dass ich Stürmer geworden bin“

Interview mit Pascal Köpke (Erzgebirge Aue)

Stellt jede Abwehr in der 2. Bundesliga vor Probleme: Aues Stürmer Pascal Köpke (Bildmitte). Foto: JouLux

Zwanzig Tore erzielte Pascal Köpke (22) in seinen ersten beiden Spielzeiten für den FC Erzgebirge Aue, und auch in dieser Saison wird der 1,78 Meter große Rechtsfuß am Saisonende mit großer Wahrscheinlichkeit bester Angreifer der Sachsen sein. Angesichts seiner Treffsicherheit scheint es nur eine Frage der Zeit, wann sich der beim 1. FC Nürnberg ausgebildete Auswahlspieler (fünf Einsätze für die U20 des DFB) einem Verein aus der ersten Bundesliga anschließt. Vor dem Auer Gastspiel beim 1. FC Union (Sonntag, 13.30 Uhr, Alte Försterei) sprach die FuWo mit Köpke über die sportliche Situation beim dreifachen DDR-Meister, über Angebote aus der Bundesliga und sein Leben als Sohn von Torwart-Legende Andreas Köpke.

Fußball-Woche: Herr Köpke, wie beurteilen Sie den Saisonverlauf aus Sicht des FC Erzgebirge bislang?

Pascal Köpke: „Wenn man sich vor Augen führt, dass wir es zu Beginn jeder Runde überwiegend mit Mannschaften aus der oberen Tabellenregion zu tun hatten, muss man zufrieden sein. Sehr wichtig war das Spiel gegen Lautern, gut, dass wir die drei Punkte hierbehalten haben.“

Worin liegen die Stärken Ihres Teams?

Köpke: „Alle arbeiten defensiv gut mit, egal ob Stürmer oder Außenverteidiger. Wir sind auch sehr konterstark, vorne müssen wir allerdings noch kaltschnäuziger werden. Das Wichtigste ist, dass wir als Team auftreten, wobei man das von Mannschaften aus dem Erzgebirge auch nicht anders kennt. Wir treten immer als Einheit auf, das verlangen auch die Fans von uns.“

An welchen Schwächen müssen Sie persönlich besonders arbeiten?


Köpke: „In Aue muss ich als Stürmer viel Defensivarbeit verrichten, da gilt es besonders im Eins-gegen-Eins gut zu stehen. Generell gibt es für mich noch viel zu verbessern, in jeder Hinsicht, ich bin ja noch jung.“

Wollten Sie eigentlich nie Torhüter werden?

Köpke: „Nein, das war nie etwas für mich. Bei meiner Größe wäre das auch nicht so einfach gewesen. Ich bin ganz froh, dass ich Stürmer geworden bin. Es ist sicher auch kein Nachteil, dass man mich dadurch nicht so mit meinem Papa vergleichen kann.“

Sie haben das Profidasein dank Ihres Vaters früh kennengelernt, sind viel herumgekommen. Wie verarbeitet man das als Kind?

Köpke: „Ich habe das in dem Alter nicht so realisiert, aber ich würde schon sagen, dass ich eine gute Kindheit hatte. Wir sind ein Jahr nach meiner Geburt für ein paar Jahre nach Marseille gezogen, von Frankreich ging es dann weiter nach Frankfurt und Nürnberg. Ich fühle mich überall heimisch. Wir fahren oft im Urlaub nach Marseille, dort haben wir noch viele Freunde, das ist wie eine zweite Familie. Oft fliege ich auch alleine, weil ich auch viele Freunde in meinem Alter habe, die kenne ich noch aus dem Kindergarten.“

Sie sprechen noch immer fließend französisch?


Köpke: „Ein bisschen verlernt man das leider, aber ich komme schnell wieder rein. Mein Mannschaftskollege Ridge Munsy kommt aus der Schweiz, mit ihm unterhalte ich mich hin und wieder auf französisch. Ich spreche es nicht perfekt, aber ich kann normal kommunizieren. Und nach ein, zwei Tagen in Frankreich bin ich schnell wieder drin.“

Bei der EM 1996 waren Sie vermutlich nicht dabei?

Köpke: „Nein, da war ich bei Oma und Opa, aber meine Schwester war dabei.“

Konnten Sie Ihren Vater wenigstens zur WM 2014 begleiten?

Köpke:
„Leider auch das nicht. Zu dem Zeitpunkt lief hier schon die Vorbereitung mit dem Verein. Das einzige Turnier, das ich live miterlebt habe, war die WM 2006 in Deutschland. Da war ich bei jedem Spiel.“

Letzten Sommer sollen sich Interessenten aus der Bundesliga bei Ihnen gemeldet haben, angeblich auch Hertha BSC?

Köpke: „Wenn solche Angebote kommen, macht man sich natürlich Gedanken, aber solange es nicht konkret wird, beschäftige ich mich damit nicht weiter. Ich freue mich über die Anerkennung und empfinde das als Bestätigung meiner Leistung.“

Mit Berlin würde sich gewissermaßen ein Kreis schließen, Ihr Vater hat sowohl für den SCC als auch für Hertha gespielt.

Köpke: „Das war lange vor meiner Geburt, über diese Zeit haben wir nie mitein­ander geredet. Ich weiß auch gar nicht, ob mein Vater dort überhaupt noch Kontakte hat, das ist ja schon eine Weile her.“

Die erste Bundesliga ist aber schon Ihr Ziel?


Köpke: „Das kann ich nicht verleugnen, ich habe schließlich noch ein paar Jahre vor mir. Jeder spielt doch Fußball, um so weit wie möglich zu kommen. Momentan fühle ich mich in Aue sehr wohl, hier habe ich in den gut zwei Jahren, die ich jetzt hier bin, fast jedes Spiel gemacht, ich konnte reichlich Spielpraxis sammeln. Man baut auf mich, hier kann ich meine Leistung bringen, das ist in meinem Alter das Wichtigste.“

Am Sonntag wartet der 1. FC Union, der die Aufstiegsplätze noch im Blick hat. Wie schwer wird der Gang an die Alte Försterei?

Köpke: „Wir hatten zuletzt mit Kiel, Nürnberg oder Düsseldorf ebenfalls Vereine mit Aufstiegsambitionen und wir haben gezeigt, dass wir gegen diese Teams auch punkten können. Das wird nicht einfach, aber in dieser Liga kann jeder jeden schlagen. Wir reisen jedenfalls mit breiter Brust nach Berlin und wollen versuchen, Union zu ärgern.“

Interview: Alex Heinen

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