10.02.2018

„Hier verfällt keiner in Euphorie“

Interview mit Rouwen Hennings (Fortuna Düsseldorf)

Weiß wie Aufstieg geht: Rouwen Hennings (links), hier im Zweikampf mit Unions Toni Leistner. Foto: JouLux

Rouwen Hennings (30) hat in gut zehn Jahren als Profi gelernt, wie Aufstieg geht. Seine bisherige Bilanz: Bundesligaaufstieg mit dem FC St. Pauli 2010, Aufstieg in die 2. Liga mit dem Karlsruher SC 2013, Aufstieg in die englische Premier ­League mit dem FC Burnley 2016. Knapp gescheitert ist der Goalgetter aus Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein 2015 mit dem KSC, als sich der HSV in der Relegation in letzter Minute retten konnte. Aktuell strebt der 1,80 Meter große Mittelstürmer dem nächsten Höhepunkt seiner Karriere entgegen. Beim zuletzt schwächelnden 1. FC Union will Hennings am Sonnabend (13 Uhr, Alte Försterei) den nächsten Schritt zum anvisierten Ziel machen, das da lautet: direkter Aufstieg mit Fortuna Düsseldorf.

FuWo: Herr Hennings, Karneval steht vor der Tür. Haben Sie als gebürtiger Norddeutscher mit dem rheinischen Frohsinn was am Hut?

Rouwen Hennings:
„Nee, nicht wirklich. Ich freue mich für die Leute, die sich darauf freuen, das war es dann. Für die Spieler, die hier aus der Gegend kommen, ist das schon etwas Besonderes, außerdem haben wir noch zwei, drei Feierbiester im Team, die nehmen alles mit.“

Achtet der Verein darauf, dass mit dem Feiern nicht übertrieben wird?

Hennings: „Wir gehen den Spielbetrieb professionell an, das heißt, zwei Tage vorm Spiel keine wilden Dinger machen! Letztendlich sind wir alle Profi genug, um nicht noch eine extra Ansprache hören zu müssen.“

An guter Laune dürfte ohnehin kein Mangel herrschen. Sind Sie überrascht, wie gut es für die Fortuna läuft?


Hennings: „Nicht wirklich. Man hat schon während der Vorbereitung gesehen, dass wir stärker sind als letzte Saison. Das hat sich mit Saisonbeginn bestätigt und wurde dann immer besser, je mehr wir eingespielt waren.“

Was hat Fortuna der Konkurrenz voraus?

Hennings: „Wir haben eine gute Balance zwischen Offensiv- und Defensivspiel, dazu stehen wir recht kompakt. Aus dem Spiel heraus ist es schwer, gegen uns Tore zu erzielen, und nach vorne sind wir sehr flexibel. Wir können aus den verschiedensten Positionen heraus Tore erzielen. Auch taktisch sind wir sehr variabel, das alles macht uns momentan so stark.“

Kompakt stehen, das wollen alle Mannschaften. Mal konkret: Warum klappt es bei Fortuna derzeit besser als beim 1. FC Union?

Hennings: „Ich weiß ja nicht, was die trainieren. Ich maße mir auch nicht an, den Grund dafür zu kennen. Wir trainieren unsere Abläufe in der Defensive tagtäglich. Gut, das wird Union sicher auch machen. Jedenfalls funktioniert es bei uns, auch, weil wir hart arbeiten, und ich bin froh, dass es so ist.“

War der Aufstieg von Anfang an das Ziel?


Hennings: „Das wäre ein zu hoher Anspruch gewesen, dazu waren die Probleme in der letzten Rückrunde einfach zu groß. Weil zudem viele Spieler, die das miterlebt haben, noch immer dabei sind, verfällt hier jetzt auch keiner in Euphorie.“

Düsseldorf, Nürnberg und Kiel – sind das die Teams, die das Aufstiegsrennen unter sich ausmachen?

Hennings: „Ingolstadt, Union, aber auch Sandhausen sind ebenfalls in der Lage, kons­tant zu punkten. Wir sind nicht in der Lage, uns auf irgendetwas ausruhen zu können.“

Düsseldorf hat sich im Winter mit Genki Haraguchi nochmals verstärkt. Wie bewerten Sie Ihren neuen Kollegen?

Hennings: „Vom ersten Tag an hat man gemerkt, dass Genki eine hohe Qualität mitbringt. Er ist ballsicher, hat ein gutes Dribbling und einen guten Abschluss, sowohl mit links als auch mit rechts. Genki hat dreieinhalb Jahre in der Bundesliga trainiert und gespielt, er ist eine absolute Verstärkung.“

Die Fortuna hatte mit Usami und Kinjo bereits zwei Japaner im Team, Haraguchi dürfte die Eingewöhnung leicht gefallen sein?

Hennings: „Die drei verbindet natürlich viel, wichtiger ist aber, dass alle drei deutsch sprechen und verstehen. Aber Genki treibt nicht nur Scherze mit den Japanern, er ist insgesamt sehr aufgeschlossen, wobei ich denke, die Mannschaft macht es jedem leicht, sich zu integrieren und wohlzufühlen.“

Sie sind schon mal in die Bundesliga aufgestiegen. Worauf kommt es an, wenn es auf die Zielgerade geht?

Hennings: „Wir müssen einfach weitermachen wie bisher. Natürlich werden gewisse taktische Dinge an den jeweiligen Gegner angepasst, aber wir versuchen in erster Linie die Dinge zu tun, die uns stark machen, das zeichnet uns aus.“

Am undankbarsten wäre Platz drei. Sie haben das am eigenen Leib erfahren, als Sie mit dem KSC am HSV gescheitert sind.

Hennings: „Das war ein sehr einschneidendes Ereignis, das werde ich wohl niemals vergessen. Aber Niederlagen und Siege gehören gleichermaßen zum Leben dazu, das hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Wenn man allerdings am letzten Spieltag von Platz vier auf drei springt, dann ist die Relegation nicht undankbar, dann nimmt man sie gerne mit.“

Sie sind beim HSV groß geworden, haben dort zumeist für die Reserve gespielt. Warum konnten Sie sich nicht durchsetzen?

Hennings: „Das ist zehn Jahre her, seitdem ist eine Menge passiert. Damals hatte der HSV ganz andere Ambitionen, das europäische Geschäft war in jedem Jahr quasi vorgegeben und wurde meistens auch erreicht. Für einen jungen Spieler wie mich war es schwer, in die Mannschaft reinzukommen. Da habe ich mir gedacht, ich muss einen anderen Weg einschlagen, was sich im Nachhinein als richtig erwiesen hat.“

Wie sehr berührt Sie der schleichende Niedergang Ihres Ex-Klubs?

Hennings:
„Ich gucke schon mit einem Auge hin, ich habe immerhin mehr als sieben Jahre dort gespielt. Woran es hapert, weiß ich auch nicht, ich bin aber der Meinung, es wäre mehr möglich. Aber das denkt wahrscheinlich ganz Fußball-Deutschland.“

Die Fortuna muss zum Saisonfinale zunächst gegen Kiel und dann in Nürnberg antreten. Es wäre vermutlich gut, wenn bis dahin der Drops gelutscht ist?

Hennings: „Der Spielplan verlangt es nun einmal so. Wenn es bei der momentanen Konstellation bleiben sollte, dann könnten das die entscheidenden Spiele sein. Sollte es wirklich so weit kommen, dann sprechen wir uns Ende April nochmal.“

Interview: Alex Heinen

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