14.02.2020

Furios gegen die Furien

In dieser Woche vor 40 Jahren

Zehn Tage vor dem Start in die Rückrunde der DDR-Meisterschaft 1979/80, in die Dynamo Dresden als Spitzenreiter mit zwei Punkten Vorsprung vor Titelverteidiger BFC Dynamo geht, steht erst einmal ein Länderspiel auf dem Programm. Erstmals in der Historie des Deutschen Fußballverbandes der DDR heißt der Gegner Spanien, zweieinhalb Jahre später Gastgeber für die XII. WM-Endrunde. Es wird an diesem 13. Februar 1980 im Estadio „La Rosaleda“ von Malaga ein furioses Debüt gegen die Furien, denn die Gäste aus dem Osten Deutschlands bezwingen den kommenden WM-Gastgeber dank eines überzeugenden Auftritts und eines Treffers durch den Magdeburger Torjäger Joachim Streich (57.) mit 1:0. Es ist für den 28-Jährigen in seinem 68. Länderspiel sein 36. Tor.

Wer angesichts der Tabellenkonstellation in der Oberliga davon ausgeht, dass die DDR-Elf hauptsächlich aus Spielern der beiden führenden Dynamo-Mannschaften besteht, ist schlecht beraten. Während die Berliner mit ­Arthur Ullrich lediglich einen Akteur im Aufgebot haben (der Verteidiger, für den es die Premiere im A-Team gewesen wäre, kommt jedoch nicht zum Einsatz), beordert Trainer Georg Buschner mit Libero Hans-Jürgen Dörner, Vorstopper Udo Schmuck, den Mittelfeldspielern Reinhard Häfner, Gerd Weber und Hartmut Schade sowie mit Angreifer Peter Kotte gleich ein halbes Dutzend Akteure der Schwarz-Gelben in die Startelf.

Das klappt so gut, dass „Dixie“ Dörner, der Kapitän, feststellt: „Wir haben so gut gespielt wie lange nicht, und das ohne Ausnahme.“ DFV-Cheftrainer Prof. Dr. Hugo Döbler gar meint: „Selbstbewusst, gekonnt, konzentriert, physisch und psychisch intakt – unsere Elf bot eine hervorragende, abgerundete spielerische Leistung. Kompliment!“ Für Trainer Buschner ist dieser unerwartete Erfolg „ein verdienter Sieg dank taktischer Disziplin. Da wir aber auch spielerisch ein Gleichgewicht herstellen konnten, wurde Spanien auf sicherlich sensationelle Art und Weise überrascht.“ Das größte Lob kommt indes von Spaniens Trainer Ladislao Kubala, der sagt: „Über die Spielstärke der DDR-Mannschaft war ich zwar informiert, dass sie allerdings so intelligent zu Werke ging, hat mir mehr und mehr Kummer bereitet.“

Allein die Torschussbilanz weist ein deutliches Plus für die Gäste aus. 15 Torschüssen von Streich, zur zweiten Halbzeit für Weber gekommen, und seinen Mitspielern stehen lediglich acht der Spanier gegenüber. Während jedoch Luis Arconada im Tor der Furien gegen den Schuss von Streich, der ein Täuschungsmanöver seines Magdeburger Klubkollegen Jürgen Pommerenke nutzt, nichts auszurichten vermag, beweist Hans-Ulrich Grapenthin, der Schlussmann von Carl Zeiss Jena, vor allem bei Versuchen von Jesus Maria Zamora (15.) und Migueli (48.) seine Klasse.

In der DDR-Elf findet jeder Spieler zu beachtlicher Form. Die Abwehr steht formidabel und lässt dem spanischen Dreierangriff mit den Real-Madrid-Stürmern Juanito und Santillana und ihrem Barcelona-Mitstreiter Carrasco kaum eine Chance. Vor allem Dresdens Vorstopper Udo Schmuck, nach knapp vierjähriger Pause erst in seinem dritten Länderspiel, gewinnt nahezu alle Duelle selbst in der Luft. Sogar die spanischen Offiziellen sind erstaunt über die mannschaftliche Geschlossenheit des Gegners. „Die DDR-Elf stellte ein Selbstbewusstsein zur Schau“, sagt etwa der spanische Verbandspräsident Pablo Porta, „von dem wir alle überrascht wurden.“ Das bekommt vor allem Juan Manuel Asensi, der Mittelfeldankurbler vom FC Barcelona, als Herz und Lunge der Nationalelf gepriesen, zu spüren. Gegen Weber verliert Asensi, der Kapitän, nicht nur nahezu jeden Zweikampf, sondern auch die Contenance. Er ist derart genervt, dass er den Dresdner böse foult und der ausgewechselt werden muss.

Um den Triumph komplett zu machen, setzt sich in Erfurt auch die DDR-Olympiaauswahl gegen eine spanische B-Vertretung mit 1:0 durch. In den Reihen der Gäste steht mit dem 22-jährigen Victor Munoz von Real Zaragossa ein kommender Star, der ein Jahr später zum FC Barcelona wechselt und bei Barca sieben Jahre den unermüdlichen Kämpfer im Mittelfeld gibt. Das Tor des Tages erzielt im Georgi-Dimitroff-Stadion der Leipziger Lok-Angreifer Dieter „Zwecke“ Kühn in Minute 22 mit einem Foulelfmeter.

Von Andreas Baingo

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