03.02.2019

Eine kleine Träne verdrückt

In dieser Woche vor 25 Jahren

Und plötzlich ist sie da, die große Gelegenheit für Hertha BSC. Die Berliner führen beim Hallenmasters 1994 im ersten Spiel 2:1 gegen den Bundesligisten 1. FC Köln, dessen fliegender Torwart Karsten Baumann sieht wegen eines Handspiels außerhalb des Torraums die Rote Karte. Überzahl für den Zweitligisten. Doch Ayhan Gezen verliert den Ball, Toni Polster kontert, 2:2. Am Ende heißt es 3:3. „Da müssen wir den Sack einfach zumachen, denn ein Überzahlspiel in der Halle muss ein Tor bringen, doch bei uns ging der Schuss nach hinten los“, sagt Niko Kovac. Chance vertan. Und das wird sich rächen.

Hertha, auf dem Rasen im Abstiegskampf der 2. Liga steckend, hatte zwei Wochen zuvor überraschend das Turnier in Berlin gewonnen (siehe Serienteil in der FuWo vom 14. Januar) und sich dadurch im komplizierten Qualifikationsmodus einen Platz beim Masters in Dortmund gesichert. Das gelang durch Erfolge bei anderen Turnieren auch dem Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und dem VfL Bochum, neben Hertha einziger Zweitligist. Gesetzt waren Meister Werder Bremen, Ausrichter Borussia Dortmund, Pokalsieger Bayer Leverkusen und Titelverteidiger Köln. Die Zuschauer sind richtig heiß auf den Höhepunkt der Hallenserie, alle für die zwei Tage zur Verfügung stehenden 22.000 Karten gehen im Vorverkauf weg.

In Dortmund macht Torwart Christian Fiedler so weiter wie in der Deutschlandhalle: Er trifft für sein Team. Fiedler erzielt das 1:0 gegen Köln und damit das erste Tor des Turniers. Nach dem Unentschieden gegen Köln trifft Hertha auf Leverkusen. Wieder macht Fiedler das 1:0. Die Berliner führen später noch einmal (3:2) und sind auf Halbfinal-Kurs. Doch Franco Foda und Heiko Scholz drehen das Spiel zum 4:3 für den Bundesliga-Spitzenreiter. Daniel Scheinhardt und Gezen vergeben Chancen zum Ausgleich. Eine äußerst unnötige Niederlage. „Mit etwas mehr Glück haben wir nach dem ersten Tag 2:2 oder sogar 3:1 Punkte“, ärgert sich Carsten Ramelow.
Wie sich später zeigen wird, ist die Niederlage gegen Bayer schon das Ende von Herthas Hoffnungen. Weil die bereits für das Halbfinale qualifizierten Leverkusener 1:5 gegen Köln verlieren, geht es in Herthas letztem Spiel gegen Werder Bremen um nichts mehr. Trotzdem hinterlässt das Team von Trainer Uwe Reinders wie auch in den ersten beiden Partien einen guten Eindruck: Nach 1:3-Rückstand schaffen Ramelow und Dirk Bremser den Ausgleich zum 3:3-Endstand. In Herthas Gruppe gibt es auch das spektakulärste Spiel der Vorrunde: Werder gegen Köln 7:7.

Die Berliner sind, genau wie der enttäuschend auftretende Gastgeber aus Dortmund, fortan nur noch Zuschauer. Und sehen, wie sich beide Mannschaften aus ihrer Gruppe für das Endspiel qualifizieren: Köln klar gegen Bochum (6:2), Leverkusen knapp gegen den Hamburger SV (3:2 nach 0:2). Im Endspiel nimmt Bayer Revanche für das 1:5 tags zuvor, gewinnt selbst 5:1. Als Prämie gibt es 75.000 Mark.

Wie so oft in der Halle sorgen die Aufgebote der Teilnehmer für Diskussionen. Diesmal besonders das der Dortmunder, die unter anderem auf Stéphane Chapuisat, Flemming Povlsen und Matthias Sammer verzichten. Trotzdem zieht die FuWo ein positives Fazit: Dem Anspruch, vor allem Spektakel zu bieten, sei das Masters „voll gerecht geworden“. Allerdings müsse man „aus Berliner Sicht eine kleine Träne verdrücken“. Wegen der nicht genutzten Überzahl gegen Köln. Und wegen der knappen Niederlage gegen Leverkusen.

Herthas Ramelow hat auch abseits des sportlichen Aspekts einen Kritikpunkt: „Etwas überrascht bin ich von der Stimmung in der Halle. Teilweise war es doch sehr ruhig und die Musikeinspielungen während der Begegnungen sind auch nicht unbedingt meine Sache. Das wirkte alles etwas künstlich.“

Von Sebastian Schlichting

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