09.02.2019

Ein Triumvirat führt die DDR-Auswahl

In dieser Woche vor 30 Jahren

Genau 75 Tage liegen zwischen den beiden Länderspielen der DDR-Auswahl am 30. November 1988 und dem 13. Februar 1989. Doch nicht nur von den Ergebnissen her – damals ein 1:3 in Istanbul gegen die Türkei, nunmehr ein 4:0 in Kairo gegen Ägypten – hat sich in diesen knapp elf Wochen eine ganze Menge verändert an der Spitze der Nationalelf. Bereits während des Rückfluges vom Bosporus wurde seinerzeit Bernd Stange als Nationaltrainer entlassen, sein Assistent Harald Irmscher auch. Inzwischen schlägt der Fußballverband der DDR einen etwas eigenartigen Weg ein. Für das Wohl und Wehe der A-Auswahl ist ein Triumvirat zuständig.

Der Kopf des Dreigestirns ist Manfred Zapf. Der ehemalige Magdeburger Nationalspieler, Kapitän jener Elf des 1. FCM, die 1974 den Europapokal der Pokalsieger gewann, ist auf der Funktionärsleiter ziemlich weit nach oben gestiegen. Weil der ehemalige Libero als Trainer kaum über Erfahrung verfügt, sind ihm zwei exzellente Fachleute zur Seite gestellt. Der eine, Heinz Werner, hat in der Oberliga viele Jahre den FC Hansa Rostock betreut, erfolgreich mit dem 1. FC Union Berlin gearbeitet und auch dem FC Karl-Marx-Stadt seine Trainer-Handschrift vermittelt. Der andere, Frank Engel, ist ein Ass im Umgang mit dem Nachwuchs. Es gibt kaum einen Nationalspieler, den der Leipziger Engel nicht schon aus Lehrgängen mit den 14- oder 15-jährigen Talente kennt, die, wie auch die jeweiligen älteren Jahrgänge, regelmäßig bei DFV-Spartakiaden gesichtet werden.

Mit diesem Mix aus Funktionär-Trainerfuchs-Nachwuchsguru soll das gelingen, was Stange zu entgleiten drohte: die Entwicklung der durchaus talentierten Mannschaft zur europäischen Spitze.

Der erste Aufgalopp gelingt schon mal ganz gut. Das 4:0 in Kairo ist nach jeweils einem Doppelpack des Dresdners Ulf Kirsten und von Andreas Thom, dem Angreifer des BFC Dynamo, eine durchaus akzeptable Hausnummer, zumal die Ägypter eine gleichfalls engagierte Mannschaft stellen. In den Reihen des Gastgebers steht mit Hany Ramzi ein Supertalent, das seinen Weg später in der Bundesliga bei Werder Bremen und dem 1. FC Kaiserslautern geht und das seine Auswahlkarriere erst 2003 nach 124 Länderspielen beendet. Im Gegensatz zum knapp 20-jährigen Ramzi sind Kirsten und Thom mit ihren jeweils 23 Jahren fast schon routinierte Nationalspieler. Der Dresdner bestreitet sein 34. Länderspiel und erzielt seine Tore sieben und acht im Nationaldress, der Berliner schafft in seinem 41. Länderspiel seine Treffer 13 und 14.

Einen Umbruch leitet Zapf indes nicht ein. Er holt den Dresdner Abwehrspieler Andreas Trautmann nach vierjähriger Auswahl-Abstinenz zurück und verhilft sowohl dem Karl-Marx-Städter Sven Köhler als auch dem Magdeburger Mittelfeldspieler Heiko Bonan zu ihren Debüts. Durchstarten werden aber beide nicht, nach einem weiteren Länderspiel ist für sie schon wieder Schluss, für Köhler noch unter Zapf, Bonan dagegen ist zum Abgesang der DDR-Länderspielgeschichte am 12. September 1990 beim 2:0 in Belgien noch einmal dabei.
Nachhaltige Wirkung entwickelt das Trainer-Triumvirat insgesamt nicht. Ganze sechs Spiele dauert seine Amtszeit lediglich. Das Schlimme daran ist, dass es in den folgenden fünf Spielen, in denen es um eine gute Ausgangsposition in der WM-Qualifikation geht, keinen weiteren Sieg gibt. Als es nämlich um Punkte für die Endrunde 1990 in Italien geht, schwimmen Zapf und seinen beiden Assistenten beim 0:2 in Magdeburg gegen die Türkei und beim 0:3 in Kiew gegen die UdSSR regelrecht die Felle weg.

Die letzte Chance bekommen die neuen Trainer am 20. Mai 1989 in Leipzig gegen Österreich. Allerdings ist das Vertrauen in die Mannschaft derart gesunken, dass ins 100.000 Zuschauer fassende Zentralstadion lediglich 22.000 Anhänger kommen. Die kalte Dusche kommt mit dem schnellen Rückstand durch Anton Polster schon nach 180 Sekunden, Kirsten gelingt, als die nächste Niederlage droht, drei Minuten vor dem Abpfiff wenigstens das 1:1. Doch selbst das ist viel zu wenig, um den nur noch zaghaften Traum von Italien am Leben zu erhalten.
Nicht einmal die 100 üblichen Tage, nach denen es eine erste Bestandsaufnahme gibt, halten sich Zapf, Werner und Engel. Nach diesem Unentschieden gegen Österreich ist nach nur 96 Tagen das Ende der kürzesten Amtszeit eines Nationaltrainers in der DDR gekommen.

Von Robert Klein

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