29.06.2018

„Die Qualität in der Breite ist unglaublich gestiegen“

Interview mit Malik Fathi

Februar 2008: Malik Fathi (am Ball) im Trikot von Hertha BSC. Foto: JouLux

Zwar hängt Malik Fathi (34) offiziell erst am 1. Juli seine Töppen an den berühmten Nagel, doch spätestens seit seinem Wechsel zum spanischen Drittligisten Atletico Baleares Ende Januar 2015 konnte sich der gebürtige Berliner verstärkt Gedanken machen, wie es nach der aktiven Karriere beruflich weitergeht. Stand jetzt hat Fathi eine Ausbildung zum Sportmanager sowie ein Zertifikat als Mentalcoach in der Tasche, demnächst will der Ex-Profi (mehr als 300 Spiele für Hertha BSC, Mainz 05, Spartak Moskau, Kayserispor, 1860 München) und zweifache DFB-Nationalspieler die Trainer-A-­Lizenz in Angriff nehmen. Zudem betreibt der bei Tennis Borussia und Hertha Zehlendorf groß gewordene Linksfuß seit rund einem Jahr mit einem Partner auf Mallorca eine Shisha Bar.

Fußball-Woche: Herr Fathi, kriegt Ihre Bar „Shisha Brothers“ hin und wieder auch Besuch von Fußballern?

Malik Fathi: „Die eine oder andere Mannschaft lässt sich schon mal blicken. Ein paar Hertha-Spieler waren zuletzt da, auch von Hannover 96 haben sich ein paar Jungs blicken lassen.“

Dann kann man bei Ihnen sicher auch die WM verfolgen?


Fathi: „Wir zeigen auch Fußball, wobei wir bei den frühen Anstoßzeiten in Russland nur dann geöffnet haben, wenn es eine Knaller-Partie zu erwarten gibt. Normalerweise öffnen wir ab 17 Uhr.“

Haben Sie einen WM-Favoriten?

Fathi: „Meine Favoriten waren ursprünglich Deutschland und Brasilien. Im ersten Spiel hat sich unsere Mannschaft zwar nicht mit Ruhm bekleckert, aber ich bin sicher, dass die Jungs die Gruppenphase noch positiv gestalten werden. Die Mannschaft wirkt qualitativ nicht so stark wie in den letzten Jahren, trotzdem traue ich ihnen die Favoritenrolle noch zu.“

Der schwache Auftritt der DFB-Elf gegen Mexiko hat Spekulationen befeuert, innerhalb der Mannschaft würde es Grüppchenbildung geben.

Fathi: „Wenn es wirklich so ist, wäre das mit Sicherheit der Hauptgrund, weshalb das Team sein Leistungsniveau nicht auf den Platz bekommen hat. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass es die Mexikaner auch gut gemacht haben. Wenn es allerdings innerhalb der Mannschaft nicht stimmt, könnte das den Unterschied machen. Ist das nicht der Fall, dann mache ich mir keine Sorgen.“

Wer oder was hat Sie bei der WM bislang am meisten überrascht?

Fathi: „Mich hat am meisten beeindruckt, dass selbst vermeintlich kleinere Fußball-Nationen gegen Top-Teams den Ball von hinten rausspielen. Nehmen Sie die Schweiz: Die haben sicher ein gutes Team, im Vergleich zu Brasilien sind sie dennoch eine kleine Nummer. Trotzdem haben sie die Bälle nicht nach vorne geknallt, sondern teilweise sogar über die Stürmer gechippt. Die Qualität in der Breite ist unglaublich gestiegen.“

Sie kennen Russland durch Ihre Zeit bei Spartak Moskau ...

Fathi: „Ich kenne sogar den Trainer der Russen, Stanislaw Tschertschessow. Ich dachte erst, ich guck nicht richtig! Ich hatte das gar nicht so verfolgt, dass der jetzt die Nationalmannschaft trainiert. Tschertschessow war mein Trainer bei Spartak Moskau, er verkörpert noch ganz die alte Schule. Genau so wird er auch die russische Nationalmannschaft vorbereiten.“

Was trauen Sie dem WM-Gastgeber zu?

Fathi: „Die Frage ist, ob sie Konstanz über ein ganzes Turnier reinbringen können. Wenn das gelingt, können sie es mit den Fans im Rücken weit schaffen. Wenn sie ihre Qualität dauerhaft auf den Rasen bringen, sind sie für jeden Gegner gefährlich.“

Im Vorfeld gab es viel Kritik an Russland als Ausrichter. Sie haben zwei Jahre in Moskau gelebt. Wie haben Sie das Land in Erinnerung?

Fathi: „So richtig hinter die Kulissen blickt vermutlich kaum jemand. Bei bestimmten Themen ist es sicher auch angebracht, dass sie kritisiert werden. Von Drangsalierungen habe ich persönlich nichts mitbekommen. Ich habe das Leben als abwechslungsreich und chaotisch erlebt, irgendwie auch märchenhaft. Wenn ich an die ganzen goldenen Türme denke, das wirkte mitunter wie in einem Trickfilm. Es war eine tolle Zeit, ich habe viel erlebt und möchte die Erfahrung nicht missen.“

In dieser Woche starten etliche Bundesligaklubs mit der Vorbereitung, bei Hertha geht‘s am Donnerstag los. Was erwarten Sie von Ihrem Ex-Verein?

Fathi: „Was kommt, kann ich schwer beurteilen. Ich muss aber sagen, dass Pal Dardai in den letzten Jahren einen tollen Job gemacht hat. Ich fand den Fußball, den Hertha zeitweise gezeigt hat, durchaus beeindruckend. Auch wenn die letzte Saison etwas durchwachsen war, denke ich, dass Pal das wieder hinkriegen wird und wir demnächst wieder tollen und erfolgreichen Fußball geboten kriegen.“

Hätten Sie gewusst, dass Dardai nach Christian Streich der am längsten amtierende Bundesligatrainer ist?

Fathi: „Echt? Krass, wie schnell die Zeit vergeht. Das verdient nochmal ein extra Kompliment!“

Haben Sie auch Union oder andere Berliner Vereine im Blick?

Fathi: „Leider nein, dazu ist Mallorca dann doch zu weit weg.“

Wann sieht man Sie wieder in Berlin?


Fathi: „In dieser Woche werde ich bei der Hochzeit meines Bruders sein. Ich habe zwei Brüder, beide sind jünger als ich, der ältere von beiden heiratet. Er ist Lehrer und heiratet eine Frau, die ebenfalls Lehrerin ist. Das finde ich großartig.“

Interview: Alex Heinen

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