Interview: Alex Heinen

17.08.2014

„Ich war einfach zu verletzungsanfällig“

Für die neue Attraktivität der Berlin-Liga garantieren auch Spieler wie Francis Banecki (29). Der Defensivspezialist heuerte 2003/2004 bei Herthas Bundesliga-Auftaktgegner Werder Bremen an (Sonnabend, 15.30 Uhr, Olympiastadion), spielte Bundesliga und als 19-Jähriger sogar in der Champions League – wenn auch nur für wenige Augenblicke. Nach Jahren der Wanderschaft ist Banecki wieder in seiner Heimatstadt, spielt für die VSG Altglienicke und trainiert als C-Lizenzinhaber auch die A-Jugend des Klubs. Die FuWo sprach mit Banecki, der auf seiner letzten Station beim niedersächsischen Regionalligisten BSV Rehden zudem eine Lehre als Automobilkaufmann abschloss, über Höhen und Tiefen seiner bisherigen Karriere.

FuWo: Herr Banecki, Sie sind viel herumgekommen, aber vermutlich werden Sie hauptsächlich auf einen ganz besonderen Moment angesprochen: Die Nachspielzeit im Champions-League-Spiel von Werder Bremen gegen den RSC Anderlecht, die für Sie kaum 60 Sekunden dauerte?

Francis Banecki: (lacht) „Klar, aber das ist keine Sache, an der ich mich hochziehe. Bei dem Spiel stand ich so unter Adrenalin, dass ich so gut wie keine Erinnerung mehr daran habe. Das ging mir auch bei meinen Bundesligaspielen so. Ich war so nervös, weil ich die einfach nicht in den Sand setzen wollte.“

Wie wurde Werder überhaupt auf Sie aufmerksam?

Banecki: „Ich habe damals bei TeBe unter Markus Schatte gespielt. Die Scouts von Werder waren eigentlich an einem unserer Stürmer interessiert. Dabei bin ich ihnen aufgefallen. Sie haben mich zum Probetraining eingeladen und auch da konnte ich überzeugen.“

Sie sind in jener Saison gewechselt, als Bremen am Ende das Double geholt hat.

Banecki: „Ich war zwar noch A-Jugend, habe aber schon bei den Profis mittrainiert und bin zu Freundschaftsspielen mitgeflogen. Das war schon toll, ich kam gerade aus Berlin und plötzlich saß ich im Flieger mit Ailton und Klose.“

Für die ganz große Karriere hat es leider nicht gereicht.

Banecki: „Das ist richtig, ich war einfach zu verletzungsanfällig. Gerade mit meinen Knien, danach hatte ich ewig Probleme mit der Achillessehne.“

Sie sind mit 1,92 Meter relativ groß und haben ein entsprechendes Gewicht. Sind Sie zu schwer für den Profi-Fußball?

Banecki: „Das würde ich nicht sagen, es gibt auch andere Profis in meiner Gewichtsklasse. Eigentlich hatte ich nie Probleme – bis zu meiner ersten Knie-OP. Von der habe ich mich nie wieder erholt. Dann kam eine zweite, die hat alles nur noch schlimmer gemacht. Danach kamen die ganzen Kleinigkeiten, Achillessehne, Muskelverletzungen, es zwickte hier und da. Ich bin nie wieder richtig auf die Beine gekommen, bei manchen Klubs bin ich deswegen auch durch den Medizincheck gefallen. Das war der Anfang vom Ende.“

Der Trend geht eher zu den kleinen, wendigen Spielern?

Banecki: „Das kommt auch auf die Position an. Es macht wenig Sinn, einen 1,70-m-Typen in die Innenverteidigung zu stellen. Aber auf den Offensivpositionen, da lässt sich der Trend schon erkennen. Wenn man sich Reus und Götze anschaut, das sind alles so kleine Spieler. Die wiegen kaum was und sind schnell auf den Beinen.“

Sie haben 2005 bei der U20-WM gegen Lionel Messi gespielt, der ist körperlich das genaue Gegenteil von Ihnen. Wie haben Sie den gestoppt?

Banecki: „Messi gehörte eigentlich gar nicht dem Jahrgang an, der war zwei oder drei Jahre jünger als seine Mitspieler. Man, wie der uns auseinandergenommen hat! Dabei hatten wir auch keine schlechte Mannschaft, mit René Adler, Marcell Jansen und wie sie alle hießen. Ganz ehrlich, den konnten wir nicht stoppen. Messi ist bestimmt sechsmal alleine aufs Tor zugelaufen. Wir hatten einen guten Torwart und viel Glück, dass wir nur 0:1 verloren haben.“

War Werder trotz allem die schönste Zeit Ihrer Karriere?

Banecki: „Auf jeden Fall. Ich habe da meine Bundesligaspiele gemacht, habe überhaupt meine ersten Herren-Spiele dort gemacht. Ich habe meine Frau dort kennengelernt, mein Sohn wurde dort geboren. Alles in allem war Bremen ein Glücksfall für mich.“