Von Günter Weise

21.07.2013

Das Aus an der Sonnenallee

Das bittere Ende für Tasmania 1900 war nicht mehr aufzuhalten. Im Restaurant „Turm“ an der Sonnenallee versammelten sich die Neuköllner zum letzten Mal, um die Auflösung des Vereins zu beschließen. Präsident Harry Michel sprach in schonungsloser Offenheit zur Situation, nachdem der Schuldenberg auf 800.000 Mark angestiegen war:

„Durch die zu erwartenden Ablösesummen für unsere Spieler wird der Schuldenberg nicht so verringert, dass ein Weiterbestehen zu verantworten wäre. Die Ablösesummen der uns jetzt verlassenden Spieler haben wir extrem niedrig gehalten, damit die Spieler von ihren neuen Vereinen noch ein Handgeld bekommen. So haben die Aktiven, die sich im letzten Jahr trotz aller Schwierigkeiten so bravourös geschlagen haben, keine allzu großen Verluste.“

Der Spielbetrieb wurde sofort eingestellt, um den Spielern den möglichst unkomplizierten Wechsel zu anderen Vereinen zu erleichtern. Unabhängig davon wurde die Neugründung des Vereins „SV Tasmania Neukölln 1973“ bekanntgegeben. Wer sich als Aktiver, Passiver oder Betreuer dem Nachfolge-Klub anschließen wollte, wurde gebeten, sich im „Vereinslokal Keglerheim Julius- Ecke Hermannstraße“ donnerstags zwischen 18 und 20 Uhr zu melden.

Zur Versammlung erschien auch VBB-Präsident Eberhard Hartlep. Er ergriff das Wort: „Natürlich hat man in dieser Stunde bittere Empfindungen für den Traditionsverein. Uns vom VBB blieb jedoch nichts anderes übrig, Tasmania mit diesem hohen Schuldenberg die Lizenz zu entziehen. Wir haben ein Statut zu verwalten und selbst die DFB-Instanz hat uns Recht gegeben.“

Wenige Tage später hatte Hartlep im Hotel „Schweizerhof“ einen außerordentlichen Verbandstag zu leiten, der sich mit der sportlichen Neuordnung des Berliner Verbandes beschäftigte. Mit Überblick am Rednerpult präsentierte sich der neue Geschäftsführer Wolfgang Levin. Er löste Klaus-Dieter Roszak ab, der Berlin verließ, um die Leitung der Sportschule in Malente zu übernehmen. Von den damals registrierten 111 Vereinen waren 101 Vertreter erschienen. Sie hatten einschneidende Entschlüsse zu fassen. Nach der im DFB verkündeten Entscheidung, die neue 2. Bundesliga einzuführen, stand Berlin vor der Notwendigkeit, die ungeliebte Regionalliga aufzulösen und eine neue Amateur-Oberliga ins Leben zu rufen.

Sie sollte ebenso aus 18 Vereinen bestehen wie die Amateurliga darunter. Der Rest von 74 Vereinen sollte in einer A-Klasse (32) und in einer B-Klasse (42) spielen. Erregte Debatten gab es um die Frage, ob die zuletzt aus der Regionalliga abgestiegenen Alemannia 90 und Rot-Weiß Neukölln die Chance bekommen sollten, sich in einer Extra-Runde für die neue Oberliga zu qualifizieren. Abgelehnt wurde der Antrag, eine Jungliga für 18- bis 21jährige zu schaffen. Beschlossen wurde dagegen eine neue Frauen-Liga, die mit zehn Mannschaften einen Meister ermitteln soll.