09.01.2014

Wo die Freundschaft noch zählt

Marcel Flentje schießt Tore am Fließband

Gibt seinen Gegenspielern immer wieder Rätsel auf: Torjäger Marcel Flentje

Marcel Flentje (SG Eichkamp-Rupenhorn) erweckt den Eindruck, als treibe ihn eine unbändige Lust aufs Toreschießen Wochenende für Wochenende auf die Fußballplätze dieser Stadt. Diesen vermeintlichen Tatendrang unterstreicht er nunmehr auch in der Kreisliga B, wo zur Saison-Halbzeit schon 28 Treffer auf seinem Konto stehen. Damit liegt Flentje auf dem Kurs der vergangenen Saison. Die beendete er mit sage und schreibe 61 Treffern. Der Unterschied: Diese Quote erreichte er beim Aufstieg der Charlottenburger aus der Kreisliga C. Nun schoss er die SG Eichkamp-Rupenhorn zur Herbstmeisterschaft in der Kreisliga B und steht mit der Mannschaft damit sogar schon an der Schwelle zur Kreisliga A. „Es gibt keinen großen Unterschied zur vorigen Saison“, meint er.

Auf den ersten Blick erscheint Flentje gar nicht mal wie ein Goalgetter. Er ist nicht etwa der furchteinflößende Brecher-Typ, sondern von eher schmächtiger Gestalt. Einer, der das moderne Angriffsspiel pflegt, der am Ball und mit dem Ball vieles anstellt, was gegnerischen Verteidigern Rätsel aufgibt. Das passiert dann oft auf engstem Raum, wie er beim Hallenturnier der Kreisliga B bewies. Da standen am Ende zwölf Tore auf seinem Konto. Seine Leistung gewinnt noch an Gewicht, wenn man das sang- und klanglose Ausscheiden der SG Eichkamp-Rupenhorn in der Zwischenrunde einbezieht.

Trotzdem fühlt sich der Torjäger nicht als alles überragender Star im Team. „Ich spiele hier mit meinen Freuden zusammen“, sagt er. Und die sind ihm auch außerhalb des Platzes wichtig, man unternimmt vieles zusammen. Das erklärt auch, warum er „nur“ bei Eichkamp-Rupenhorn spielt. Begonnen hatte alles beim FC Spandau 06. Von da ging es vor drei Jahren zu den Charlottenburgern. Den Wechsel hat er nie bereut. „Unser Trainer Nico Roggenbuck ist gut, der Vorstand auch, das Umfeld stimmt“, sagt Flentje. Schwach werden würde er, so meint er nicht ganz ernsthaft, wenn ein Angebot aus der Berlin-Liga käme. Die Wechselofferten, die ihm bisher auf den Tisch flatterten, hat er ignoriert. Die Freude, in einer Mannschaft mit seinen Kumpels spielen zu können, ist ihm wichtiger.

Flentje passt vielleicht auch sonst nicht so recht in das gängige Anforderungsprofil höherklassiger Klubs: Dem einen ist er ein wenig zu dürr, dem anderen ein wenig zu kleingewachsen, dem nächsten ein wenig zu … Dabei haben die Talentspäher auf Berlins Fußballplätzen offenbar das Wichtigste übersehen: einen jungen Burschen, der schnell ist, der meist gute Laufwege findet, der weiß, wann und wo er vor dem Tor auftauchen muss, wann er einmal allein gehen muss und der vor allem eines kann: Aktionen erolgreich abzuschließen. Sein Vorbild: der Spanier Fernando Torres (FC Chelsea).

Das Lebensumfeld von Marcel Flentje gibt ihm den Rückhalt für seine Fußballleidenschaft. Der 23-Jährige ist Malergeselle, hat einen sportfreundlichen Arbeitgeber. Vorerst will er nicht den Meister machen, konzentriert sich ganz aufs Fußballspielen. So gehört nicht zuletzt Fitnesstraining, gemeinsam mit Freunden, zu seinem Freizeitprogramm. Ihm fehlt denn auch noch eine Partnerin. Damit ist er der Traum für einen Trainer: Durch nichts abgelenkt, was die Konzentration auf Fußball stören könnte. Und: Er ist von wohltuender Bescheidenheit – verglichen mit anderen, die auch mal das eine oder andere Tor erzielt haben …

Von Manuel Fernandes

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