08.04.2018

„TeBe die populärste Elf“

In dieser Woche vor 60 Jahren

Der 1. FC Kaiserslautern soll kommen. Doch die Pfälzer wollen nicht fliegen und die Anreise mit der Bahn ist ihnen zu beschwerlich. Vasas Buda­pest sagt erst zu und dann ab. Auch mit dem Belgrader SK (heute OFK Belgrad) klappt es nicht. Gleich drei Klasseteams sind nicht dabei. Das von Tennis Borussia ausgerichtete Osterturnier im Jahr 1958 steht zunächst unter keinem guten Stern. Doch dann präsentiert TeBe den Zuschauern allen Problemen zum Trotz kurzfristig noch ein schönes Teilnehmerfeld.

Anders als zu Ostern üblich, muss niemand groß danach suchen – sondern sich einfach nur zum Olympiastadion begeben. Tickets gibt es ab 50 Pfennig (Schüler) bis vier D-Mark (Tribüne Erwachsener), der Vorverkauf läuft über das Sporthaus Berndt in der Damaschkestraße in Charlottenburg. 


Neben Meister Tennis Borussia ist aus der Stadt Hertha BSC dabei, Sechster der abgelaufenen Saison in der Vertragsliga. Dazu kommen nach langer Suche zwei internationale Mannschaften mit Klang. Zum einen First Vienna FC, seinerzeit eher als Vienna Wien bekannt, bis dato sechs Mal Meister in der österreichischen Staatsliga. Wien kommt unter anderem mit den Nationalspielern Karl Koller, 1954 Dritter bei der WM, und Rudolf Röckl. Zum anderen der FC La Chaux-de-Fonds, in der Schweiz zwei Mal Meister und zudem fünf Mal Pokalsieger. Karfreitag trifft erst Hertha auf Wien, danach TeBe auf La Chaux-de-Fonds. Ostersonntag spielen die Verlierer und danach in einer Art Endspiel die Sieger gegeneinander.

Bei Hertha ist nach seiner Verletzung Werner Lange ebenso wieder dabei wie Helmut Faeder nach einer Grippe. Doch das hilft wenig. Die Mannschaft verärgert mit ihrem Auftritt die gut 15.000 Zuschauer, die sich vom Regen nicht hatten abhalten lassen, und die Fußball-Woche: „Vienna spielte, Hertha krampfte.“ Schon nach zehn Minuten führt Wien durch Hans Buzek und Otto Walzhofer. Die Blau-Weißen haben etwas Pech, da sie einen klaren Elfmeter in der 30. Minute nicht bekommen. Mehr als der Anschlusstreffer durch Lothar Schröter direkt nach dem Wechsel will nicht gelingen. Rudolf Grasserbauer und noch einmal Walzhofer per Handelfmeter sorgen schließlich für den klaren 4:1-Erfolg der nicht einmal an ihre Leistungsgrenzen gehenden Österreicher. Bei Hertha sticht nur ein Spieler positiv heraus. Einer, den zu dieser Zeit kaum jemand kennt – was sich in den folgenden Jahren ändern wird: Lutz Steinert, 19 Jahre alt. „Mit Steinert hat Hertha einen ideenreichen jungen Stürmer gewonnen, dem es lediglich an einigen Kilo Gewicht fehlt“, so die FuWo. Er spielt später für Hertha BSC in der Bundes- und Regionalliga und danach für TeBe und Hertha 03 Zehlendorf.

So enttäuschend Her­thas­ Auftritt ist, so sehr freuen sich die nun gut 20.000 Zuschauer über Tennis Borussia. Sensationell hoch heißt es 5:1 (2:1) gegen La Chaux-de-Fonds. Wolfgang Seeger und Horst Schmutzler treffen je zweimal, Werner Langner einmal. Charles Antenen gleicht zwischenzeitlich aus. Es ist die einzige bemerkenswerte Aktion des Schweizer Nationalspielers, der vom überragenden Werner Ruppel fast komplett aus dem Spiel genommen wird. „Bravo, Tennis Borussia“, ruft die FuWo begeistert.

Nachdem Hertha Ostersonntag erneut verliert (1:2 nach 1:0 gegen die Schweizer, Torschütze ist wieder Schröter, der in vier Saisons bei Hertha nur auf zehn Spiele in der Vertragsliga kommt), trifft TeBe im Kampf um den Turniersieg auf Vienna. Es geht um den von der Tageszeitung „Telegraf“ gestifteten Ehrenpreis. Wien ist Favorit, doch TeBe hält dank vorzüglicher Leistungen von Hans Eder, Schmutzler, Rulle Deinert und Co. glänzend mit.
Nur das Glück ist zunächst kein Tennis Borusse: Erst wird Arno Wichs Treffer zu Unrecht nicht anerkannt, dann macht Walzhofer kurz nach der Pause mit einem Strafstoß das Tor für Vienna. Seeger köpft in der 75. Minute zum verdienten Ausgleich ein. Dabei bleibt es und TeBe ist dank des im Vergleich zu den Wienern im ersten Spiel mehr erzielten Tores Turniersieger. „Die populärste Elf in Berlin ist wieder Tennis Borussia…Und die Elf hat die Sympathien der Berliner verdient“, bilanziert die FuWo, während Hertha „die große Enttäuschung des Turniers gewesen“ sei.

Von Sebastian Schlichting

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