03.03.2018

Pelés Lob über Jimmy Hoge

In dieser Woche vor 50 Jahren

Chile ruft, der WM-Gastgeber von 1962, zu einem Achterturnier mit Länder- und Klubmannschaften. „Torneo Octogonal“ heißt der Wettbewerb, der im Februar 1968 stattfindet und an dem neben der Auswahl der Tschechoslowakei auch die DDR-Nationalmannschaft teilnimmt sowie außer Vasas Budapest fünf namhafte südamerikanische Vereine. Das sind Racing Buenos Aires aus Argentinien, die Chilenen von Colo Colo Santiago, Universidad de Chile und Universidad Catolica sowie der FC Santos.

Die Brasilianer sind aktuell das Maß aller Dinge. Selbst der große Pelé, schon zweimal mit der Selecao Weltmeister, ist dabei. An seiner Seite zaubern weitere Größen wie Clodoaldo, Edu und vor allem der linke Verteidiger Carlos Alberto, zwei Jahre später im WM-Finale der Kapitän des neuen Weltmeisters und ebenso wie Pelé beim 4:1 im Endspiel gegen Italien einer der Torschützen.


Die Reise zu diesem Turnier ist der größte und längste Trip für ein DDR-Nationalteam bisher. Es läuft hervorragend für die Männer um Trainer Harald Seeger und Kapitän Dieter Erler vom FC Karl-Marx-Stadt. Schon nach dem 5:2 zum Auftakt gegen Universidad mit zwei Toren von Eberhard Vogel (ebenfalls Karl-Marx-Stadt) sowie weiteren Treffern von Harald Irmscher von Sachsenring Zwickau, Gerhard Körner vom FC Vorwärts Berlin und des Unioners Jimmy Hoge fällt Pelé dieses Urteil über die Kicker aus der DDR: „Eine Mannschaft von Klasse.“ Besonders angetan ist er von einem Angreifer, dessen Namen er sich merken will: „Der Mann mit der Rückennummer 7 muss einen Motor eingebaut haben, denn er war 90 Minuten in Bewegung und gönnte sich keine Verschnaufpause.“ Es ist Hoge. Die Qualität des Unioners erkennen aber auch die Gegner. Im zweiten Spiel, das die DDR-Elf gegen Colo Colo nach Treffern der Leipziger Wolfram Löwe (2) und Henning Frenzel, erneut Vogel und Hans-Jürgen Kreische von Dynamo Dresden ebenfalls 5:2 gewinnt, wird Hoge in Manndeckung genommen und verliert dadurch an Durchschlagskraft.
Beim 4:2 gegen Weltpokalsieger Racing Buenos Aires läuft der Berliner indes schon wieder zu Prachtform auf und bildet als Rechtsaußen mit Vogel eine gefährliche Flügelzange. Neben Jürgen Nöldner vom ASK Vorwärts Berlin sorgen auch der Union-Angreifer und wiederum Vogel mit einem Doppelpack für die DDR-Tore. Beim 3:3 gegen Vasas Budapest dann treffen Otto Fräßdorf, auch er spielt in Berlin für die Armee-Elf, Kreische und Frenzel. Er sorgt gemeinsam mit Irmscher schließlich für die Treffer zum 2:0 über Universidad Catolica. Und nach dem 2:2 gegen die CSSR-Auswahl, als die DDR-Elf durch Irmscher und Kreische schnell 2:0 führt, kommt es zum Abschluss des Turniers gegen den punktgleichen FC Santos sozusagen zu einem echten Endspiel.

Das beginnt mit einer leichten Irritation für die 70.000 Zuschauer im ausverkauften Nationalstadion von Santiago, denn sie können die beiden Teams nur schwer voneinander unterscheiden. Zwar ist im Vorfeld geklärt, dass die Gäste aus Europa ganz in Weiß auflaufen, doch die Männer aus der Hafenstadt südlich von Rio de Janeiro pfeifen auf ein Ausweichtrikot und laufen ebenfalls in weißen Hosen und ihren traditionell schwarz-weiß gestreiften Trikots auf. Schon nach zehn Minuten unterbricht der chilenische Schiedsrichter Vicuna das Spiel, weil auch er Probleme hat, die Mannschaften auseinanderzuhalten. Erst nach einer Viertelstunde, nachdem die DDR-Elf entgegen der ursprünglichen Abmachung komplett in Blau auftaucht, kann es weitergehen.

Belohnt wird der Service an den Fans im Spiel allerdings nicht, weil sich Claudio im Santos-Tor als ausgezeichneter Schlussmann präsentiert und der starke Toninho sowie Negreiros mit einem Doppelpack eine 3:0-Führung herausschießen, die Vogel in der letzten Minute nur zum 1:3 verkürzen kann. Trotzdem fällt das Fazit deutlich positiv aus. „Es waren unglaublich intensive und anspruchsvolle Wochen“, fasst Trainer Seeger zusammen, „in denen wir einerseits mit anderen taktischen Systemen konfrontiert waren, in denen wir aber andererseits auch zeigen konnten, welche Klasse unsere Spieler haben.“

Von Robert Klein

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