25.03.2018

„König Richard“ tritt ab

In dieser Woche vor 85 Jahren

Es sind nur ein paar Sätze, die Richard Hofmann nach dem Spiel sagt. Die Partie habe ihm sehr gut gefallen. Auch, weil sehr anständig gespielt wurde. Aber: „Ich glaube, daß wir bei einem Stande von 3:1 für uns den Sieg hätten halten müssen. Es war wohl etwas Pech dabei, daß wir so kurz vor Schluß doch noch zwei Tore des Gegners haben anerkennen müssen.“ Seine Einschätzung zum 3:3 im Länderspiel gegen Frankreich am 19. März 1933 in Berlin wird Hofmanns letzte als aktiver Nationalspieler sein. „Der Fußballkönig, der das Zeug hatte, Gerd Müller in den Schatten zu stellen“ („Die Welt“ im Jahr 2008 über Hofmann), wird danach nie wieder berufen.

Frankreich führt durch Roger Rio (22.), ehe Oskar Rohr (28., 45.) und Ludwig Lachner (65.) erfolgreich sind. René Girard gleicht vor 55.000 Zuschauern im Deutschen Stadion mit zwei Treffern in der 80. und 83. Minute für die Gäste aus. „Das Spiel nahm den gleichen Verlauf wie das Wetter: Ein sonnenvergoldeter Frühlingstag erstarb im grauen Regen“, schreibt die Fußball-Woche über die Begegnung, die ursprünglich zwei Wochen früher stattfinden sollte, wegen der Reichstagswahl am 5. März aber verlegt worden war.


25 Länderspiele, 24 Tore, dabei in fünf Spielen jeweils drei – Richard Hofmanns Quote ist unglaublich. Vier Jahre lang ist er Rekordnationalspieler, zehn Jahre Rekordtorschütze. Seine größte Stunde erlebt er 1930 beim Länderspiel in Berlin gegen England, erzielt beim 3:3 alle drei Tore für Deutschland. Englands Kapitän David Jack nennt ihn den besten Stürmer der Welt. Fortan ist der Mann vom Dresdner SC bei allen Fußballinteressierten schlicht „König Richard“. Die Härte seiner Schüsse ist sagenumwoben. In späteren Zeiten wäre einer wie er Superstar genannt worden.

Doch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist Hofmann, der sich öfter „eine freimütige Meinungsäußerung erlaubte“ (FuWo), bald nicht mehr wohlgelitten. Gegen Frankreich gehört er nicht einmal zur Startformation. Die Fußball-Woche ist schon im Vorfeld darüber empört, dass Willi Lindner – kurz bei Tennis Borussia, nun Eintracht Frankfurt – von Reichstrainer Otto Nerz den Vorzug vor Hofmann erhält. In der Partie verletzt sich Lindner, Deutschland wechselt in der 40. Minute. „Richard Hofmann, lebhaft begrüßt, trat ein“, hält die FuWo fest. Er habe zwar nicht mehr die Schusskraft früherer Zeiten, sei aber immer noch eine Spielerpersönlichkeit. „Ein Spieler, der seine Nebenleute glänzend in Szene zu bringen versteht, der ein Spiel aufbauen und die Deckung des Gegners öffnen kann“, heißt es in einem der auf insgesamt 15 Seiten erscheinenden Berichte am nächsten Tag.

Gänzlich anders äußern sich Offizielle zu Hofmann. Etwa Julius Keyl, Ehrenmitglied im DFB-Spielausschuss: „Richard Hofmann kann man nicht mehr in die Nationalmannschaft nehmen, er verdirbt die Mannschaft, die paar guten Vorlagen genügen nicht.“ Interessanterweise versieht die FuWo die Äußerung zum Verderben der Mannschaft mit zwei Fragezeichen, schreibt in der folgenden Ausgabe, dass dem 27-Jährigen durch die von mehreren Seiten geäußerte Kritik „ein Unrecht geschieht“ und bilanziert: „Richard Hofmann ist in Ungnade gefallen!“

So ist es. Und es kommt noch heftiger für Hofmann. Weil er 1932 Werbung für eine Zigarettenmarke machte, sperrt ihn der DFB nun für ein Jahr. „Nicht die Zigarette (in seiner Hand; die Red.) ist der Grund, sondern sein Werbehonorar“, heißt es im Buch „Stürmen für Deutschland“. Danach spielt er nur noch für den Dresdner SC, holt Pokalsiege und Meisterschaften. Bei der Weltmeisterschaft 1934 verliert Deutschland im Halbfinale 1:3 gegen die Tschechoslowakei. Nicht wenige Beobachter sind der Meinung, dass mit Hofmann der Titel möglich gewesen wäre. Später trainiert er unter anderem die B-Nationalmannschaft der DDR.

Als Hofmann 1983 im Alter von 77 Jahren in Freital stirbt, zitiert „Der Spiegel“ den ehemaligen Bundestrainer Helmut Schön, einst Teamkollege von Hofmann beim DSC, mit den Worten: „Wenn man die besten Spieler aller Zeiten aufzählt, muß man ihn an vorderer Stelle mitnennen.“
Das Stadion in Hofmanns Geburtsstadt Meerane in Sachsen heißt heute Richard-Hofmann-Stadion. Für Meerane 07 bestritt „König Richard“ 1927 und 1928 seine ersten sechs Länderspiele. 

Von Sebastian Schlichting

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