22.02.2015

„Kann das Gequatsche nicht mehr hören“

Ohne ihn ist der Verein Optik Rathenow eigentlich kaum vorstellbar. Seit nunmehr 26 Jahren trainiert Ingo Kahlisch, 58, den Oberligisten aus dem Westen Brandenburgs. Gleichzeitig ist er auch noch Geschäftsführer, besorgt Sponsoren und kümmert sich um Ausbildungs- und Arbeitsplätze für seine Spieler, die er oftmals in seinem eigenen Sportgeschäft unterbringt. Kahlisch ist also eine echte Klublegende. Nach dem Regionalliga-Abstieg vergangene Spielzeit und einem enormen Aderlass im Sommer war vor dieser Saison in Rathenow eigentlich ein eisenharter Kampf um den Klassenerhalt erwartet worden. Stattdessen spielte die neuformierte Mannschaft eine starke Hinserie und belegt momentan Rang drei. Vor dem Rückrundenstart der Oberliga am kommenden Wochenende stellte sich „Mister Optik“ den Fragen der Fußball-Woche.

FuWo: Herr Kahlisch, am Wochenende rollt auch in der Oberliga endlich wieder der Ball. Immer wieder werden aber Stimmen laut, die die fünfthöchste Spielklasse als überflüssig abkanzeln. Sehen Sie das ähnlich?

Ingo Kahlisch: „Hören Sie doch auf! Ich kann dieses Gequatsche nicht mehr hören. Solche Meinungen kommen oftmals auch aus dem Berliner Raum. Ich kann diese Ansicht nicht nachvollziehen.“

Viele argumentieren, die Oberliga sei nur eine lästige Durchgangsstation auf dem Weg in die Regionalliga. Versehen mit hohen Kosten, weiten Fahrten und wenigen Zuschauern.

Kahlisch: „Natürlich ist es etwas anderes, ob ich in Magdeburg vor 7000 Zuschauern spiele oder etwa in Malchow vor nur 300. Da macht das in der Regionalliga natürlich mehr Spaß. Es liegen mittlerweile Welten zwischen beiden Spielklassen. Doch die Oberliga ist sehr wichtig.“

Warum?

Kahlisch: „Angenommen, die Oberliga würde abgeschafft. Dann müsste man von der Verbandsliga direkt in die Regionalliga aufsteigen. Das wäre ein gewaltiger Sprung, die Kluft ist viel zu groß. Verbandsligisten trainieren in der Regel nur dreimal die Woche, Regionalligisten hingegen täglich. Das sind ja fast alles Profis.“

Gibt es noch weitere Gründe für den Erhalt der Oberliga?

Kahlisch: „Schauen Sie doch mal, wie sehr sich alle darüber aufregen, dass die Regionalliga-Meister nicht direkt aufsteigen. Die müssen alle erst noch in die Playoffs. Genau das hätten wir aber auch, wenn die Oberliga wegfallen würde. Es wäre sogar noch schlimmer. Wo kommen wir denn dahin, wenn die jeweiligen Meister der Verbandsliga nicht automatisch aufsteigen würden? Wer das nicht einsieht, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.“

Entgegen der Befürchtungen hat Optik Rathenow eine starke Hinserie hingelegt. Zurzeit sind Sie mit Ihrer Mannschaft Dritter mit nur vier Punkten Rückstand zu Tabellenführer FSV Luckenwalde. Mit welchem Ziel gehen Sie in die Rückrunde?

Kahlisch: „Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Das hatten wir so nicht erwartet. Jetzt wollen wir natürlich oben dranbleiben – ohne dass wir es müssen. Was wäre ich denn für ein Trainer, wenn ich nun Platz elf als Ziel ausgeben würde? Doch wir sind keine Übermannschaft und müssen jede Woche aufs Neue alles geben.“

Zum Auftakt trifft Ihre Mannschaft auf Hertha Zehlendorf. Wie sehen Sie diesen ersten Gegner?

Kahlisch: „Das ist für einen Aufsteiger eine sehr spielstarkes Team, vor dem wir aufpassen müssen.“

Sie selbst haben im vergangenen Jahr einen Schlaganfall erlitten, kehrten aber schnell wieder auf den Trainingsplatz zurück. Wie geht es Ihnen eigentlich?

Kahlisch: „Ach, mir geht es gut, ich will das Ganze nicht so hoch hängen. Ich habe so viele Leute kennengelernt, die viel, viel Schlimmeres erlebt haben.“

Spüren Sie denn überhaupt noch das Feuer in sich nach über einem Vierteljahrhundert als Optik-Trainer?

Kahlisch: „Merken Sie das denn nicht? Fußball ist mein Leben, das macht mir unheimlich Spaß. Es ist doch schön, immer mit jungen Leuten zusammen zu arbeiten.

Interview: Andreas Krühler

.

Kommentieren