01.06.2020

Jetzt sind die Vereine gefragt

Verband bereitet virtuellen Verbandstag am 20. Juni vor

Als sich die beiden Berliner Bundesligisten am Mittwochabend in Leipzig (Hertha BSC, 2:2) bzw. in Köpenick (Union, 1:1) jeweils ein Unentschieden erkämpften, tagte das Präsidium des Berliner Fußball-Verbandes erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie nicht virtuell, sondern real und mit den erforderlichen Abstandsregelungen im „Haus des Fußballs“ an der Humboldtstraße.

Die Tagesordnung war lang; fast fünf Stunden wurde im Hinblick auf den virtuellen, außerordentlichen Verbandstag am Sonnabend, 20. Juni, debattiert und diskutiert.

Am Tag des Sommeranfangs müssen die Vereine über die seit Mitte März wegen der Corona-Krise unterbrochenen Saison abstimmen. Die Anträge dazu hat das BFV-Präsidium den Vereinen inzwischen zugeschickt; ebenso liegt allen das Rechtsgutachten vor, das der Verband hinsichtlich eines Saisonabbruchs und den damit verbundenen Haftungsfragen in Auftrag gegeben hatte.

Auf dem Verbandstag müssen die Vereine zunächst darüber befinden, ob die Saison bei den Frauen und Männern abgebrochen werden soll oder nicht. Bereits zwei Tage zuvor, am 18. Juni, entscheiden die Vereine auf einem Jugend-Verbandstag über die Zukunft der laufenden Saison im Nachwuchsbereich. Diese Ergebnisse müssen dann auf dem außerordentlichen Verbandstag bestätigt werden.

Sollten sich die Berliner Vereine für einen Abbruch entscheiden – und davon wird allseits ausgegangen –, stehen drei Möglichkeiten zur Wahl, wie die Saison gewertet werden soll.

1. Die Saison wird annulliert – sprich: Die neue Saison startet irgendwann in exakt derselben Zusammensetzung wie im Sommer 2019. Es gibt keine Aufsteiger und keine Absteiger.

2. Die Saison wird mit Stand Mitte März gewertet. Es gibt Aufsteiger, aber keine Absteiger. Falls nötig, tritt die Quotientenregel (Punkte dividiert durch Spiele) in Kraft, um die Aufsteiger zu ermitteln.
3. Die Saison wird gewertet mit dem Stand der Hinrunde; es gibt Auf-, aber keine Absteiger.
Sollte im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit erreicht sein, wird erneut abgestimmt. Dann allerdings stehen nur die beiden Möglichkeiten zur Auswahl, die die meisten Stimmen hatten.

Ferner verständigte sich das Präsidium darauf, dass im Falle eines Saisonabbruchs mit Aufsteigern beide Landesliga-Zweiten (Stern Marienfelde, 1. FC Novi Pazar) in die Berlin-Liga aufrücken. Die Quotientenregel könne hier nicht gelten, da die beiden Zweiten in verschiedenen Abteilungen spielten, heißt es. Folglich würde die Berlin-Liga auf 21 Vereine aufgestockt; auch von der Bezirksliga bis zur Kreisliga C gibt es einen zusätzlichen Aufsteiger.

Losentscheid im Pokal möglich

In allen 21 DFB-Landesverbänden soll bestenfalls ein Pokalsieger ermittelt werden. Gelingt dies aufgrund der Corona-Pandemie nicht, kann der Verband einen Verein benennen, der dann in der kommenden Saison an der 1. Hauptrunde des DFB-Pokal teilnimmt. Wird kein Pokalsieger benannt, verfällt der Startplatz zugunsten eines anderen Landesverbandes. So wurde es in der vergangenen Woche auf dem Außerordentlichen DFB-Bundestag mit großer Mehrheit beschlossen.

Angedacht ist, dass die 1. DFB-Pokalrunde Ende September stattfindet. Etwa sechs Wochen zuvor sollen die Landespokalsieger feststehen. Folglich müssten in Berlin bis Mitte August die beiden Halbfinals und das Endspiel über die Bühne gehen – ob mit oder ohne Zuschauern, mit einer begrenzten Anzahl an Fans, steht derzeit (noch) nicht zur Debatte.

In Berlin debattierten jetzt die vier Halbfinalisten VSG Altglienicke, Viktoria 89, BFC Dynamo (alle Regionalliga) und Berlin-Ligist Berliner SC auf einer Videokonferenz das weitere Vorgehen. „Die Vereine und der Verband wollen alles dafür tun, dass der AOK-Landespokalsieger sportlich ermittelt wird“, macht Achim Gaertner, Vorsitzender des BFV-Spielausschusses, deutlich. Sollten die Spiele aufgrund behördlicher Vorgaben nicht stattfinden können, soll nunmehr das Präsidium des Berliner Fußball-Verbandes entscheiden dürfen, wer die Hauptstadt in der 1. DFB-Pokalrunde vertritt. Dann müsste der Pokalsieger wohl oder übel per Losentscheid ermittelt werden. Dieses Szenario unterstützen die drei Regionalligisten, während der Berliner SC mit dieser Möglichkeit nicht ganz so glücklich gewesen sei, heißt es. Etwaige finanzielle Gewinne, die der Pokalsieger im DFB-Pokal erzielt, könnten dann durch die vier noch im Wettbewerb stehenden Vereine geteilt werden.

Gleiches gilt für den Polytan-Pokal der Frauen. Hier stehen zunächst die Halbfinalpaarungen GW Neukölln gegen Stern 1900 und Viktoria 89 gegen den 1. FC Union an. Auch bei der A-Jugend soll möglichst ein Berliner Pokalsieger ermittelt werden, damit Berlin in der neuen Saison in allen drei DFB-Pokalwettbewerben dabei ist. In Berlin sollen derweil alle anderen Pokalwettbewerbe abgebrochen werden.

Von Ulli Meyer

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