14.08.2013

Im Zeichen der Toleranz

BSV Grün-Weiss Neukölln gewinnt den 1. Vielfaltcup

Die Sonne stand hoch über der Sportanlage Lichtenrade, doch selbst in der prallen Mittagssonne kannten die Teilnehmer des 1. Vielfaltcup der AOK Nordost kein Pardon. Sicher, bei dem Ü40-/Ü50-Turnier stand „das gemeinsame Sporttreiben im Vordergrund“, wie es im Einladungsschreiben hieß. Geschenke wollte am Sonnabend jedoch keines der teilnehmenden Teams verteilen.

Von Grätschen und Glanzparaden bis zu hitzigen Lauf- und Wortduellen – an Ehrgeiz mangelte es nicht an der Halker Zeile. Bestes Beispiel: Im Spiel zwischen dem Lichtenrader BC und dem VfB Hermsdorf ging nach einem Zusammenprall sogar der Schiedsrichter zu Boden, konnte die Partie nach kurzer Unterbrechung aber wieder aufnehmen.

Für Klaus Konrad vom LBC, der das Turnier gemeinsam mit seinem Vereinskameraden Detlef Reeck initiierte, kam das sportliche Niveau wenig überraschend. „Einige Mannschaften sind im Alltag ja in höheren Spielklassen unterwegs“, sagt der 47-Jährige. Umso verwunderter war Konrad über die kurzfristige Absage von sechs der ursprünglich 16 gemeldeten Teams, darunter namhafte Berliner Klubs. Eine „maßlose Enttäuschung“ sei das gewesen, zumal der Vielfaltcup in der hiesigen Fußball-Landschaft eigentlich ein Vakuum füllt. „Jugendturniere werden zu Hauf organisiert“, erklärt Konrad die Intention des Turniers, „aber im Seniorenbereich gibt es – zumindest in Berlin – überhaupt nichts in dieser Richtung.“

Mit der AOK Nordost konnten die Organisatoren zudem einen starken Partner gewinnen. „Das Thema Vielfalt liegt uns am Herzen“, sagt Sabine Frank, Marketing-Expertin der Gesundheitskasse. „Es geht nicht um die Hautfarbe, ein Handicap oder die Altersklasse. Als Partner des Sports wollen wir diese soziale Komponente unbedingt fördern.“ Gerade im Amateurfußball gilt beispielsweise Homosexualität nach wie vor als Tabu-Thema, Beschimpfungen wie „Schwuchtel“ sind auf Berliner Plätzen keine Seltenheit. Beim Vielfaltcup trafen der „Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg“ in einem Einlagespiel auf die „Berliner Aids-Hilfe“. Ein wunderbares Zeichen gegen Homophobie.

Den Turniersieg sicherte sich schließlich die Ü 40 des BSV Grün-Weiss Neukölln, die sich im Finale mit 1:0 gegen den TSV Rudow durchsetzte. Als kleines Trostpflaster stellte Rudow mit Cemal Taric den besten Torschützen des Turniers, als bester Torwart wurde Marek Lykow (Hermsdorf) ausgezeichnet. Dass die Siegerehrung samt Showprogramm angesichts des einsetzenden Starkregens im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel, konnte die gute Stimmung unter den Teilnehmern nicht trüben. „Wir werden die Kooperation mit der AOK fortführen“, sagt Konrad. 2014 dann mit verbesserter Organisationsstruktur, möglichst ohne Gewitterschauer – und hoffentlich ohne Absagen.

Von Jörn Lange

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