03.02.2018

Heiße Duelle auf dem Eis

In dieser Woche vor 60 Jahren

An eine Wachablösung ist im Januar-Trainingslager noch nicht zu denken, zumal die DDR-Meisterschaft gerade im Dezember zu Ende gegangen ist und der kommende Titelkampf erst am 2. März startet. Klar aber ist, dass sich der ASK Vorwärts Berlin bemerkenswert entwickelt. In der Hauptstadt wächst eine starke Mannschaft heran. Die Frage ist nur, ob sie schon so weit ist, um den alten Titelträger SC Wismut Karl-Marx-Stadt noch mehr zu gefährden als zuletzt und womöglich sogar abzulösen.

Als ob sie auf dem Rasen nicht erbitterte Gegner wären, geht es zwischen beiden ziemlich harmonisch zu. Der zweimalige Meister Wismut und der letztjährige Vize Vorwärts, der die Saison mit drei Punkten Rückstand auf die Sachsen, aber schon mit der stabilsten Abwehr der Liga abgeschlossen hat, treffen sich eher zufällig im Wintersportort Oberwiesenthal und kommen zu einigen gemeinsamen Trainingseinheiten zusammen. Dabei messen die beiden Spitzenmannschaften im Erzgebirgischen schon mal ihre Kräfte, allerdings im Eishockey. Zwar gehen auch die Flachländer von Vorwärts mit dem Puck ziemlich flott um, letztlich aber hat der Titelverteidiger in diesem etwas anderen Duell die Nase vorn, 3:1 gewinnt Wismut. Das wiederum ist alles andere als ein Kunststück, gelten doch gerade die Männer aus dem Lößnitztal als schneesicher und kufenerfahren. Dabei hat Werner Unger, einer der Nationalspieler im Vorwärts-Team, schon die passende Ausrede parat: „Wir haben nur verloren, weil wir ersatzgeschwächt gespielt haben. Unsere Asse Horst Assmy und Hans-Werner Kiupel sind verletzt.“


Ski-Langläufe und Eishockeyspiele gehören in der kalten Jahreszeit sowieso zum Ausgleichssport der Fußballer, vor allem der aus dem Erzgebirge. Besonders die Alten machen es den jungen Hüpfern vor. Intern jagen bei Wismut die Haudegen Karl und Siegfried Wolf, dazu Armin Günther, Sepp Glaser, die beiden Torhüter Kurt Steinbach und Klaus Thiele sowie Kapitän Erhard Bauer die „Rotzlöffel“ regelrecht vom Eis. Beim Stand von 20:8 wird das Spiel wegen Überlegenheit abgebrochen. Im Gegensatz dazu ziehen sich die ASK-Männer noch achtbar aus der Affäre.

Derweil ist die Begeisterung der Oberwiesenthaler Kinder über den prominenten Besuch riesengroß. Bald erfährt auch der Direktor der heimischen Grundschule davon, dass sich die beiden besten Fußballmannschaften der Republik im Ort aufhalten. Schnell schmiedet er einen Plan und überredet die Wolf-Brüder, die Ehrung der Schulmeisterschaft im Skilanglauf vorzunehmen. Die beiden Nationalspieler lassen sich nicht lange bitten und hinterlassen bleibenden Eindruck. „Die Mädchen und Jungen gaben ihre Geschenke nicht mehr aus der Hand“, versichert der Leiter des Ferienheimes „Aktivist“, in dem die Wismut-Mannschaft untergebracht ist, „ein Vater erzählte mir sogar, dass sein Sohn ihm die Urkunde, die er von Karl Wolf erhalten hatte, zwar gezeigt habe, er sie aber nicht in die Hand nehmen durfte.“
Für Abwechslung ist also bestens gesorgt. Und die langen Winterabende vertreiben sich die Spieler auf ihre Weise. Gute Dienste erweist den Wismut-Akteuren dabei ein Film-Vorführapparat, den sie aus Anlass ihrer erfolgreichen Titelverteidigung von der Gebietsleitung des DDR-Jugendverbandes „Freie Deutsche Jugend“ erhalten haben. Aus dem Sudan und aus Ägypten hat Manfred Kaiser von der Reise mit der Nationalmannschaft Streifen mitgebracht und Trainer Fritz Gödicke hat seine Eindrücke aus Amsterdam, wo Wismut im Europapokal der Landesmeister auf Ajax getroffen ist, auf Zelluloid gebannt.
Von Lagerkoller ist in einer Zeit, in der das Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckt, nicht die Spur ...

Von Robert Klein

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