17.03.2018

Heines erster Sieg als Trainer

In dieser Woche vor 30 Jahren

Zuletzt hat Karsten Heine in der DDR-Oberliga für Stahl Brandenburg gespielt. In 22 Partien läuft er für die Brandenburger auf, die von ihren Anhängern mit einem burschikosen „Stahl, Feuer!“ angetrieben werden und die als Aufsteiger, als absoluter Erstliganeuling zumal, als Tabellen­elfter ziemlich entspannt die Klasse halten.

Dabei ist Heine jemand, der mit dem 1. FC Union aufs Engste verbunden, ja geradezu verwachsen ist. Seit Kindesbeinen stürmt er für die Wuhlheider. Satte 13 Jahre ist der flinke Rechtsaußen für die Köpenicker auf Torejagd und kommt für die Fahrstuhlmannschaft auf 106 Spiele, in denen er es auf neun Tore bringt. Als Knipser geht der Wirbelwind damit nicht gerade durch, dafür aber als einer, durch dessen Adern rot-weißes Blut zu fließen scheint. Außerdem, was aber durch unglückliche Umstände kaum erwähnenswert ist, kehrt er noch einmal zu seinem Lieblingsverein zurück, nur muss er bald danach seine Karriere beenden. Eine hartnäckige Verletzung zwingt ihn dazu.
Heine wird Trainer. Zunächst verhilft er dem Kreisklassenteam BSG Wohnungsbaukombinat zum Aufstieg in die Bezirksklasse, danach kehrt er ein weiteres Mal in die Wuhlheide zurück und wird Assistenztrainer der zweiten Mannschaft. Weil er mit den Talenten durchaus erfolgreich arbeitet und die Oberligamannschaft zur Winterpause als Tabellenschlusslicht nach dem Rücktritt von Karl Schäffner einen neuen Trainer braucht, ist der Weg frei für Heine. Das Besondere daran: Mit 32 Jahren ist Karsten Heine der jüngste Oberligatrainer!


Gemeinsam mit seinem neuen Assistenten Bernd Struppert übernimmt er eine nahezu kaum zu bewältigende Aufgabe. Gleich zu Beginn kommt es zudem knüppeldick für das neue Trainergespann. Die Defensive steht ohnehin nicht stabil, sie ist zur Saisonhalbzeit mit 36 Gegentoren aus 13 Spielen die anfälligste des Vierzehnerfeldes. Weil zudem nach dem Rücktritt des langjährigen Stammtorhüters Wolfgang Matthies der geeignete Nachfolger noch nicht ganz gefunden ist, sich zu allem Pech auch noch Steffen Schlegel verletzt, streift Matthies, inzwischen bei Drittligist KWO Berlin im Kasten, doch noch einmal seine Handschuhe für die Rot-Weißen über. Doch auch dem Oldie klebt das Pech ein wenig an den Händen. Nicht so sehr beim 2:2 gegen den FC Vorwärts Frankfurt (Oder), auch nicht beim 1:2 im Lokalderby gegen den BFC Dynamo, dafür umso mehr beim 2:3 bei Stahl Brandenburg. In diesem Spiel eilt Matthies weit aus seinem Strafraum und stoppt Stahl-Stürmer Frank Jeske 30 Meter vor dem Tor mit einem astreinen Bodycheck. Die Folge: Rot für den Torhüter!

Heine hat mit seiner Mannschaft nach drei Spielen erst einen Punkt erkämpft und wegen der Wackelkiste zwischen den Pfosten auch sonst den Kopf voller Sorgen. Zu diesem Zeitpunkt, es ist Mitte März 1988, taucht auch noch der FC Carl Zeiss Jena in der Wuhlheide auf, in dessen Reihen auch der einstige Publikumsliebling Ralf Sträßer aufdribbelt. Wohl hinken auch die Thüringer als Tabellensiebter ihren eigenen Ansprüchen deutlich hinterher, aber dass sich die Köpenicker ausgerechnet gegen den Altmeister aus ihrer Misere ein wenig befreien könnten, glaubt so richtig niemand. Wenigstens aber ist Schlegel wieder fit und kann die neuerliche Lücke im Kasten damit selbst füllen.
Was also nur die wenigsten der 10.000 Zuschauer für möglich halten, ist nach einem gar nicht mal so schlechten Spiel und letzten Zitterminuten Gewissheit: Mit einem 2:1 (1:0) landen nicht nur die Unioner einen eminent wichtigen Erfolg im Kampf gegen den Abstieg, sondern Heine seinen ersten Sieg als Oberligatrainer. Steffen Enge mit einem Kopfballtor Sekunden vor dem Halbzeitpfiff und Olaf Seier mit einem direkt verwandelten Freistoß (79.) sorgen bei einem Gegentreffer von Jens-Uwe Penzel (76.) für neue Zuversicht vor allem auch bei Heine. „Natürlich wollten wir schon aus den ersten drei Spielen mehr Punkte holen“, sagt er, „nun aber haben wir uns für unsere Moral belohnt und sind wieder auf Augenhöhe zu den vor uns liegenden Mannschaften.“ Zwar sind die Wuhlheider noch immer Träger der Roten Laterne, doch der FC Hansa Rostock und Wismut Aue liegen nur einen Punkt davor, der FC Rot-Weiß Erfurt zwei sowie Stahl Riesa und der FC Vorwärts drei.
Da geht nach Heines erstem Sieg noch was!

Von Robert Klein

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