07.02.2014

„Ein Himmelfahrtskommando“

Alemannias Neu-Coach Mario Kasztelan im Interview

Eine grauenhafte Hinserie liegt hinter dem BFC Alemannia 90. Man hinkt acht Zähler hinter dem ersten Nichtabstiegsplatz her. Dem Traditionsklub, der seit vergangenem Sommer ohne den Zusatz Wacker antritt, droht der Absturz in die Bezirksliga. So weit unten waren die Reinickendorfer nie – und das ein Jahr vor dem 125. Geburtstag. Im Dezember zog Fußball-Chef Volker Fischer die Notbremse, beurlaubte das Trainergespann Florian Widera/Christian Schwerdtner und installierte dafür Mario Kasztelan und Thomas Rödel, die bislang für die Zweite zuständig waren. Zum Einstand gab es am 15. Dezember eine 0:3-Heimniederlage gegen Weißensee.

FuWo: Herr Kasztelan, nach dem Spiel gegen Weißensee sagten Sie, der Karibik-Urlaub mit Ihrer Frau müsse ausfallen. Ist es so gekommen?

Mario Kasztelan (31): „Ja, leider. Ich habe gesehen, dass hier eine Menge Arbeit vor uns liegt. Da konnte ich nicht einfach Urlaub machen. Ich muss als Trainer Disziplin vorleben. Jetzt bin ich der Erste, der kommt, und der Letzte, der das Licht ausmacht.“

Das Landesliga-Licht droht auch auszugehen. Warum tun Sie sich das an?

Kasztelan: „Für mich ist das eine Herzensangelegenheit, ich habe hier vor über 20 Jahren mit dem Fußball begonnen. Ich weiß, dass das ein Himmelfahrtskommando ist, aber die Aufgabe hat auch einen großen Reiz.“

Was hat sich in den letzten sechs Wochen getan?

Kasztelan: „Eine Menge. Wir haben 70 Prozent der alten Mannschaft rausgeschmissen und werden zur Rückrunde einen komplett neuen Kader präsentieren. Spieler wie Claußen, Papic, Zimmermann, Mohamad oder Wewiorra, um nur einige Namen zu nennen, haben wir aussortiert.“

Wer ist neu dazu gekommen?

Kasztelan: „Verstehen Sie mich, dass ich noch keine Namen nenne, unser Vorstand will das nicht. Wir möchten den Überraschungseffekt haben.“

Was ist noch passiert?

Kasztelan: „Wir haben den Funktionsstab aufgestockt, haben in Thomas Schürmann jetzt einen Teammanager und in Matthias Helbig einen Torwarttrainer. Und wir haben mit Steven Bürig von NNW 98 einen zweiten Keeper geholt, das war uns wichtig.“

Wir nehmen mal an, dass Martin Koohgilani nach wie vor dabei ist…

Kasztelan: „Ja, Martin ist mit seinen 43 Jahren topfit. Er ist nicht mehr der Spritzigste, aber er spielt eine wichtige Rolle in unseren Überlegungen.“

Wo lagen die Defizite in der Hinserie?

Kasztelan: „Das Abwehrverhalten und das Umschaltspiel war eine Katastrophe. Und die Mannschaft war nicht fit. Kein Wunder, wenn nur sechs Mann zum Training kommen und der Rest glaubt, man wäre selbst ohne Training zu gut für die Landesliga.“

Sind Sie ein harter Hund als Trainer? Sind Sie mit den Spielern per Sie?

Kasztelan: „Wir duzen uns. Und ich mache auch gern Spaß. Aber ich bin keiner, der mit den Spielern lange diskutiert, es muss eine Hierarchie geben.“

Wohin geht die Reise bei Alemannia?

Kasztelan: „Unsere Philosophie lautet: Wir wollen keine Söldner, sondern Jungs, die Fußball mit Spaß spielen und nicht wegen des Geldes. Aber das ist alles nicht einfach, auch, weil andere Vereine mit Geld um sich werfen.“

Interview: Bernd Karkossa

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