12.05.2018

DDR gründet Fußballverband

In dieser Woche vor 60 Jahren

Organisiert hat sich der Fußball in der DDR schon lange. Zwar dürfen die Vereine, so will es die Sowjet­union, nach dem II. Weltkrieg und dem damit verbundenen Vier-Mächte-Abkommen die für den Osten zuständige Besatzungsmacht, längst nicht mehr ihre bürgerlichen Namen tragen, doch eine zentrale höchste Spielklasse ist von Anfang an, also von 1949, erlaubt.

Nur ist es mit dem Dachverband eben so eine Sache. Zunächst konstituiert sich am 3. Juli 1950 unter dem Dach des Deutschen Sportausschusses (DS) der Fachausschuss Fußball (FA) mit seinem 1. Vorsitzenden Fritz Gödicke, der vom 1. Mai 1958 an für zehn Spiele Nationaltrainer ist. Im Dezember 1950 wird der FA in Sektion Fußball umbenannt. Die wiederum wird 1952 in den Welt-Fußballverband FIFA aufgenommen und ist am 15. Juni 1954 in Basel eines der 29 Gründungsmitglieder des Europäischen Verbandes UEFA.


Nun aber machen die Funktionäre Nägel mit Köpfen. Am 17. und 18. Mai 1958 wird in Schöneweide der Deutsche Fußball-Verband (DFV) der DDR gegründet. Die Versammlung steht unter der sperrigen Losung „Vorwärts zu neuen Erfolgen in der sozialistischen Erziehung und Erhöhung der sportlichen Leistungen zum Ruhme unseres Arbeiter-und-Bauern-Staates“.

Erster Präsident des DFV wird Kurt Stoph, der ältere Bruder des späteren DDR-Staatsratsvorsitzenden Willi Stoph. Nach dem Besuch der Parteischule der KPdSU in Moskau 1956/57 ist Stoph reif für leitende Funktionen in der Wirtschaft als auch im Sport. Zum 22-köpfigen Präsidium gehört auch Richard Hofmann, der Alt­internationale, der für Meerane 07 und den Dresdner SC in 25 Länderspielen für Deutschland 24 Tore schoss und den auch die Kinder in der DDR ehrfurchtsvoll „König Richard“ nennen.

Die Vorhaben sind ehrgeizig bis utopisch. So heißt es noch während der Gründungstage: „Wir stellen uns jetzt das Ziel, bis zum Jahre 1960 die Leistungen unserer Fußballsportler so zu steigern, daß wir in der Lage sind, die westdeutsche Auswahlmannschaft und die führenden westdeutschen Vereinsmannschaften zu überflügeln und das Niveau der besten europäischen Fußballmannschaften zu erreichen.“

Als der DFV am 20. November 1990 in Leipzig aufgelöst wird und als NOFV-Regionalverband in den DFB übergeht, sind in ihm in 4412 Vereinen mit 17.000 Mannschaften immerhin 390.000 Mitglieder organisiert. Nur mit den Erfolgen hat es nicht so geklappt, die bleiben neben der Teilnahme an der WM 1974, dem Olympiasieg 1976 und dem Triumph des 1. FC Magdeburg 1974 im Europapokal der Pokalsieger recht übersichtlich.

Von Robert Klein

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