27.09.2015

„Das ist manchmal mehr wert als elf Stars“

Ronald „Ronnie“ Worm (61) hat während rund 16 Profi-Jahren die Treffer zwischen seinen beiden Vereinen MSV Duisburg (1971 bis '79) und Eintracht Braunschweig (1979 bis '87) nahezu gleichmäßig aufgeteilt: Nach 475 Spielen standen für den MSV 71, für die Eintracht 92 Buden zu Buche. Nach der Karriere ließ sich der in Duisburg geborene siebenfache Nationalspieler (5 Tore) in Braunschweig nieder, wo er bis heute lebt. Bei der Eintracht, am Sonntag (13.30 Uhr, Eintracht-Stadion) Gastgeber des 1. FC Union, koordiniert der Ex-Mittelstürmer und Fußball-Lehrer den Nachwuchs und trainiert dort seit Kurzem auch die 1. Frauen-Mannschaft des BTSV.

FuWo: Herr Worm, was sagen Sie als Ex-Torjäger zum Auftritt von Robert Lewandowski am vergangengen Dienstag? Ronny

Worm: „Das wird wohl ein Rekord für die Ewigkeit. Ich weiß, wie das ist: Man ist auf dem Platz, dann ist die erste Kugel drin, plötzlich hat man einen Lauf. Bei Bayern München hat er natürlich auch die Mitspieler, die ihn gut einsetzen. Dass er ein Weltklasse-Fußballer ist, weiß ohnehin jeder.“

Ist Ihnen je Vergleichbares geglückt?

Worm: „Ich habe mal drei Stück gemacht, mit dem MSV gegen Bayer Uerdingen.“

Dabei sollen Sie in der Jugend des MSV als Torwart begonnen haben?

Worm: „Kurz bevor ich mit zehn Jahren beim MSV eingetreten bin, hatte ich mich am Knie verletzt. Danach war ich ein bisschen wetterfühlig, konnte teilweise nicht mehr richtig laufen. Das war Gott sei dank schnell vorbei, danach habe ich das gemacht, was ich gut konnte, nämlich Tore schießen.“

Warum sind Sie nach sieben Jahren MSV zu Eintracht Braunschweig?

Worm: „Zu meiner Zeit konnte man nach Ablauf des Vertrages nicht einfach ablösefrei wechseln. Erst als Braunschweig seinen Stürmer Harald Nickel für 900.000 DM nach Gladbach verkauft hatte, war genug Geld für mich da. Mit 1,15 Millionen DM war ich damals der teuerste innerdeutsche Transfer. Was mein Glück war, sonst wäre ich nie aus Duisburg weggekommen.“

Empfanden Sie die hohe Ablöse als Belastung?

Worm: „Quatsch! Wenn ich mir darüber Gedanken gemacht hätte, dann hätte ich jedesmal hinten beim Torwart den Ball abholen müssen und vorne das Tor machen. Das muss man locker sehen. Letztendlich sind die Spieler auch nicht für diese Summen verantwortlich.“

Nach 231 Spielen für Duisburg haben Sie in Braunschweig nochmal 244 Spiele und 92 Tore draufgepackt.

Worm: „Dafür ist ein Stürmer da. Aber entscheidend ist auch, dass man die entsprechenden Mitspieler hat. Die waren in beiden Vereinen sehr gut. Wir hatten nie Top-Mannschaften – Duisburg war die graue Maus und in Braunschweig bin ich im ersten Jahr gleich abgestiegen – aber wir haben zusammengehalten. Das ist manchmal mehr wert, als wenn elf Stars in der Truppe sind.“

Haben Sie in Braunschweig auch Uwe Reinders kennengelernt?

Worm: „Als er zur Eintracht kam, hatte ich meine Karriere gerade beendet.“

Die Frage deshalb, weil Sie 1993/94 bei Hertha BSC sein Co-Trainer waren.

Worm: „Wir haben uns bei Promi-Spielen kennengelernt. 1993 habe ich meinen Fußball-Lehrer gemacht, eine Woche später rief er an, ob ich Interesse hätte. Das war eine schöne Zeit, hat auch gut funktioniert: Uwe ist eher aufbrausend, ich bin der Ruhige.“

Letzten Mittwoch waren Sie beim Spiel Ihrer Ex-Klubs, MSV gegen Eintracht. Für wen schlägt Ihr Herz mehr?

Worm: „Das wurde ich da auch gefragt. Ich habe gesagt: halbe-halbe. Wenn der Feltscher nicht vom Platz geflogen wäre, wäre es enger geworden. Braunschweig hatte eine starke Viertelstunde, dann haben sie sich dem Niveau angepasst. Nach dem Platzverweis war die Sache gegessen.“

Worauf sollte Union gegen Braunschweig achtgeben?

Worm: „Braunschweig ist kampfstark und spielt sehr geschlossen. Gibt man ihnen Raum, dann haben sie ihre Qualitäten, mit Berggreen vorne und über die Außen sind sie schon stark. Probleme hat Braunschweig immer dann, wenn sie das Spiel gestalten müssen. Das was zu meiner Zeit auch schon so.“

Interview: Alex Heinen

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