25.06.2016

Berliner Meister mit Ansage

Die VSG Altglienicke kehrt in die Oberliga zurück – Überragende Hinserie, bitteres Pokal-Aus

Berliner Meister in frisch bedruckten Trikots: Die VSG Altglienicke sicherte sich erwartungsgemäß die Berlin-Liga-Meisterschaft und kehrt zwei Jahre nach dem freiwilligen Rückzug in die Oberliga zurück. Foto: JouLux

Das Beste am Fußball? Dass man vor dem Anpfiff nicht weiß, wer 90 Minuten später als Sieger vom Platz geht? Ja genau, so sollte es sein. Ist aber nicht immer so. Wenn Bayern München antritt, steht der Sieger eigentlich schon vorher fest – zumindest auf nationaler Ebene. Bei Partien der VSG Altglienicke verhielt es sich in der vergangenen Saison ganz ähnlich. Die Südost-Berliner gingen als Favoriten in ihre Spiele und beendeten diese auch als Sieger. Nicht immer, aber doch so oft, dass die Konkurrenz die Mannschaft des Trainergespanns Simon Rösner/Daniel Kutrieb alsbald nur mit dem Fernglas sehen konnte. Drei Spieltage vor Ende der Saison war die Meisterschaft in trockenen Tüchern. Spannung sieht anders aus.

Das war in dieser Form nicht unbedingt so zu erwarten. Auch wir von der FuWo hatten eher einen Zweikampf erwartet und Tasmania als den großen Herausforderer ausgemacht. Aber die Übermacht war erdrückend, von der individuellen Qualität konnte keiner den Altglienickern das Wasser reichen. Die zur neuen Saison von Viktoria 89 gewechselten Austermann, Antunovic, Alimanovic, Brehmer und Torwart Rickert hoben diese nochmals auf ein neues Niveau, dazu trug auch noch Fritsche von TeBe bei. Der von Sparta Lichtenberg gekommene Mrkaljevic stellte seine gehobene Berlin-Liga-Tauglichkeit ebenfalls mehrfach unter Beweis. Und einige Einsätze verzeichnete der frühere Profi Kevin Pannewitz. Der von Goslar gekommene 24-Jährige ließ seine Klasse am Ball immer wieder aufblitzen, zum Stammspieler aber reichte es wegen offensichtlicher Gewichtsprobleme nicht. „Wir haben aktuell die vielleicht stärkste Truppe aller Zeiten in Altglienicke“, sagte vor der Saison Daniel Böhm, der Sportliche Leiter. In der Hinrunde gab es nur gegen die Füchse eine überraschende Niederlage (1:2), im Spitzenspiel gegen Tasmania ein 0:0, der Rest wurde gewonnen. Seit sich die Verbandsliga vor der Saison 2008/09 in Berlin-Liga umgetauft hat, hat es keinen souveräneren so genannten Herbstmeister gegeben. Und auch als Kapitän Philipp Wanski nach der Hinserie seine Karriere beendete, im Übrigen standesgemäß mit einem 9:0-Sieg über den Köpenicker SC, war mit einem Bruch nicht zu rechnen. Schließlich wechselte im Winter Lennart Hartmann vom Vorjahresmeister Tennis Borussia ein weiterer Hochkaräter nach Altglienicke.


Aber die überragende Form der Hinrunde wurde nicht mehr erreicht. Das lag vor allem an einer schwachen Serie im Frühjahr, als in vier Spielen nacheinander kein Sieg und nur zwei Punkte heraussprangen. „Wir haben alle gerätselt, was da eigentlich los war“, sagte später Patrick Kroll, der sich am Ende erstmals die Torjägerkanone sicherte. Die VSG fand aber wieder in die Spur. „Wenn bei uns der Knoten gelöst wird, sind wir in dieser Liga nicht zu halten“, sagte Simon Rösner nach einem 8:1-Sieg über den SCC im April.

Das absolute Sahnehäubchen aber fehlte. Das kleine Double nämlich, Berliner Meisterschaft und Pokalsieg schien durchaus möglich. Im Achtelfinale warfen die Altglienicker den Regionalligisten FC Viktoria 89 mit einem 4:2 n.V. raus, aber die von der Papierform vermeintlich leichtere Aufgabe gegen Lichtenberg 47 wurde nicht gelöst. Im Viertelfinale war nach einem 0:1 auf eigenem Platz gegen den Oberligisten Schluss. „Das war schon bitter, wir haben eine große Chance verpasst“, sagt Trainer Dennis Kutrieb.

Die Meisterschaft und der Aufstieg in die Oberliga aber entschädigten für den entgangenen Pokal. Die Planungen für die neue Saison laufen, vom BFC Dynamo wechseln die Routiniers Björn Brunnemann und Christian Preiß nach Altglienicke. Vergangene Woche wurde dann der einstige Publikumsliebling des 1. FC Union, Torsten Mattuschka, verpflichtet (siehe Seite 13). Für die Oberliga scheint die VSG Altglie­nicke auf jeden Fall eine konkurrenzfähige Truppe an den Start bringen.

Die 109 Tore für die VSG Altglienicke erzielten:

Kroll (34), Antunovic (17), Alimanovic (10), Matthias (9), Stüwe (6), Ndjock (6), Czekalla (4), Banecki (4), Mrkaljevic (4), Austermann (3), Fritsche (3), Pannewitz, Meng, Hartwig, Wanski, Kutrieb, Brehmer, Hartmann sowie zwei Eigentore.

Von Bernd Karkossa

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