01.08.2020

2007 im Cup-­Finale bei Union

Da konnten die Fußballer des Köpenicker SC nur staunen: Binnen weniger Jahre marschierten die Volleyballdamen der Rot-Weißen von der Bezirksliga bis in die Bundesliga durch und trugen den Namen ihres Klubs fortan bundesweit durchs Land. Die männliche Balltreterfraktion hingegen erreichte 2007 den Höhepunkt ihrer jüngeren Historie, als die KSC-Elf von Trainer Thorsten Boer im Halbfinale des Landespokals den BFC Dynamo ausschaltete. Im Endspiel am 16. Mai 2007 vor 5624 Fans an der Alten Försterei war man beim 0:7 gegen Gastgeber 1. FC Union jedoch chancenlos.

Ausgerechnet Union, in dessen Schatten die Rot-Weißen in Köpenick traditionell standen. 1950 als BSG RFT (Rundfunk- und Fernmeldetechnik) Köpenick gegründet und ein Jahr später in BSG Motor Wendenschloß Köpenick umbenannt, war man im Oktober 1957 mit der BSG Motor Köpenick verschmolzen, die unter der Trägerschaft des VEB Funkwerk Köpenick stand. 1960 rückten die auf dem Sportplatz Wendenschlossstraße an der Dahme ansässigen Rot-Weißen als Bezirksmeister von Ost-Berlin in die II. Liga (damals dritthöchste Spielklasse) auf, deren Meister sie 1963 wurden, um in die zweithöchste Spielklasse der DDR aufzusteigen.

Damit begann die große Ära des Funkwerk-Kollektivs, das über ein Dasein als Fahrstuhlmannschaft allerdings nicht hin­auskam. Schon 1963/64 ging es nach sportlichem Abstieg und Wegfall der II. Liga im Zuge einer Ligareform direkt zurück auf die Bezirksebene. Zudem waren die Köpenicker mit Unregelmäßigkeiten bei Spielertransfers aufgefallen und hatten einen Abzug von zwei Zählern hinnehmen müssen. Die Rückkehr gelang ihnen schon im ersten Anlauf, und diesmal hielt die Elf um Angreifer Dieter Pachäl immerhin drei Spielzeiten in der Nordstaffel des Oberliga-Unterbaus mit, ehe es 1968 wieder eine Etage tiefer ging. Ein drittes Zweitliga-Gastspiel endete 1972/73 im sofortigen Wiederabstieg, ehe die BSG Motor 1983 gar erstmals in der Bezirksklasse verschwand.

Nach der Wende zunächst in SV Motor Köpenick und 1991 dann in Köpenicker SC umbenannt, wurde man 1991/92 in die Landesliga eingruppiert und erreichte 1992 zunächst die Verbands- und 1995 die Norstaffel der NOFV-Oberliga, womit an der Wendenschlossstraße erneut über die Stadtgrenzen hinausgehender Fußball angeboten wurde. Sportlich vermochten die Rot-Weißen in der Viertklassigkeit zwar durchaus beachtlich mitzuhalten, der Zuschauerzuspruch jedoch war enttäuschend und erreichte ausgerechnet im sportlich erfolgreichsten Jahr 1996/97 (Platz 8) mit 89 Zahlenden pro Begegnung seinen Minusrekord. Im Schatten des großen Nachbarn Union war es für den KSC eben schwer, Anhänger zu mobilisieren.

Dem Oberliga-Abstieg im Zuge der Ligareform 2000 folgte 2002 unter der Union-Legende Joachim Sigusch die Rückkehr, die jedoch mit dem sofortigen Wiederabstieg endete. Bis 2011 und erneut von 2013 bis 2016 war der KSC anschließend in der Verbandsliga/Berlin-Liga am Ball. Vorübergehend stürzte er danach 2017 sogar in die Bezirksliga ab. 2019 gelang dort als Staffelsieger der 1. Abteilung nach zwei Jahren der Wiederaufstieg in die Landesliga. Von Ende August 2018 bis Mitte Februar 2019 blieb das Team von Trainer Hagen Christiansen unbesiegt. Unter dem neuen Namen Köpenicker FC landete der Aufsteiger in der Corona-Saison auf Platz neun.

Von Hardy Grüne und Horst Bläsig

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