11.07.2020

Stabil aufgestellter Landesligist

2013 gelang den Sportfreunden Johannisthal für ein Jahr der Sprung in die Berlin-Liga

Anno 1909 öffnete in Johannisthal Berlins erster Flughafen und Deutschlands erster Motorflugplatz seine Pforten. Die jüngere Geschichte des zum Bezirk Treptow-­Köpenick gehörenden Ortes ist demzufolge untrennbar mit der Fliegerei verbunden. Das betrifft auch den 2005 eröffneten Sportplatz des lokalen Fußballaushängeschildes Sportfreunde Johannisthal, dessen Post- und Stadionadresse Segelfliegerdamm ebenfalls auf die Johannis­thaler Flugtradition hinweist.

Anno 1930 war es die Gaststätte „Fliegerheim“, in der die damaligen Sportfreunde Schöneweide-Johannisthal gegründet wurden. Als der benachbarte Arbeitersportverein ASV Fichte Johannisthal drei Jahre später von den Nazis zerschlagen wurde, traten die meisten Arbeitersportler den Grün-Weißen bei, die im selben Jahr mit dem Johannisthaler Ballspiel-Club 08 zur Spielvereinigung Johannisthal verschmolzen und 1934 den Namen SG Sportfreunde annahmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat die SG Johannisthal an ihre Stelle, die 1948 zum Gründungsnamen Sportfreunde zurückkehrte und auf ihrem Sportplatz am Lindhorstweg zunächst bescheiden in unteren Klassen kickte.

Turbulent wurde es in den frühen 1950er Jahren. Zunächst spaltete sich 1950 die BSG der Berliner Metallhütten- und Halbzeugwerke (BMHW) ab, die wenig später zur BSG Stahl Schöneweide wurde und kurz darauf wieder mit den Sportfreunden verschmolz (BSG Stahl Johannisthal). Die Sportfreunde hatten unterdessen erfolgreich auf den Nachwuchs gesetzt (1952 Berliner Meister, 1953 Dritter bei den DDR-Junioren) und schlossen mit ihrem Aufstieg in die Landesklasse Ost-Berlin zu den spielstärksten Kollektiven in Treptow auf.

Dennoch trennten sich die Wege von Stahl und Sportfreunde schon nach wenigen Monaten wieder. Während die BSG Stahl Schöneweide anschließend zu einer erfolgreichen Box-Gemeinschaft avancierte, erklomm die SG Sportfreunde Johannisthal 1952 die Berliner Bezirksliga, in der man zwischen 1952 und 1959 sowie erneut zwischen 1976 und 1985 zur Fahrstuhlelf wurde, was den ohne Trägerbetrieb agierenden Sportfreunden immerhin Platz 26 in der ewigen Tabelle der Ost-Berliner Bezirksliga einbrachte. Beachtlich zudem die Erfolge in der Nachwuchsarbeit, aus der u.a. der spätere DDR-Oberligaspieler (60 Einsätze für den 1. FC Union) und Zweitliga-­Profi André Sirocks (DFB-Pokalsieger 1992 mit Hannover 96) hervorging.

Nachdem ab 1965 das Wohngebiet Johannisthal-Süd aus dem Boden gestampft wurde und man seine Heimstatt am Lindhorstweg verlassen musste, bezogen die Grün-Weißen auf einem ehemaligen Bunkergelände an der Winckelmannstraße ein neues Areal, das sie 2005 aufgrund von Lärmklagen zugunsten des heutigen Kunstrasenplatzes am Segelfliegerdamm (das frühere Stadion Rote Erde) aufgaben. Sportlich nach der Wende zunächst bis in die Kreisliga B abgestürzt, gelang erst 2003 die Rückkehr in die Bezirksliga, ehe man 2006/07 unter Trainer Detlef Schneider sogar die Landesliga erreichte. Zugleich erhielten die Sportfreunde 2007 den Sepp-Herberger-Preis für ausgezeichnete Jugendarbeit.

Das nächste Ziel Berlin-Liga konnte erst im sechsten Anlauf 2013 unter Trainer Dirk Bastian erreicht werden. Bastian führte die Sportfreunde, die zuvor mehrmals knapp gescheitert waren, auf Anhieb zum Aufstieg. 22 Spiele blieb man in der Landesliga ungeschlagen, 19 Siege in Folge wurden dabei gefeiert.

„Das soll jetzt kein Betriebsausflug werden. Wir wollen uns in der Berlin-Liga etablieren“, hatte Manager Andreas Thomaschewski als Ziel ausgegeben. Doch im Berliner Fußball-Oberhaus mussten die Sportfreunde bis zum 13. Spieltag warten, ehe ihnen mit einem 1:0 beim 1. FC Wilmersdorf (Kopfballtreffer von Sascha Dornbusch) der erste Saisonsieg gelang.

Bei nur fünf Punkten und 6:38 Toren aus 17 Spielen war aber bereits nach der Hinrunde der Abstieg so gut wie besiegelt. Die deutlich bessere zweite Saisonhälfte (17 Punkte) konnte daran nichts mehr ändern.
Der sofortige Wiederaufstieg misslang 2014/15. Und so sind die Sportfreunde aktuell ein etablierter und stabiler Landesligist, der aber durchaus auch wieder nach oben schielen kann. Schließlich belegte die Mannschaft vor der Corona-Zwangspause und dem Ende Juni beschlossenen Saison­abbruch unter dem Trainergespann Mario Langner/Marten Gutkäß in der 1. Abteilung mit 41 Punkten aus 20 Spielen einen respektablen 4. Platz.

Von Hardy Grüne und Horst Bläsig

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