26.05.2020

Weiterveräußerung von Tickets für ein Fußballspiel als privates Veräußerungsgeschäft

Es ist der Traum eines jeden Fußballfans: Man nimmt an einer Verlosung von Tickets für das Finale der UEFA Champions League teil – und gewinnt auch noch! Es liegt wohl nahe, dass man beim gewonnenen Fußballspiel selbst dabei sein möchte. Allerdings kann es auch dazu kommen, dass man – freiwillig oder unfreiwillig – den Entschluss fasst, dem Spiel nicht selbst beizuwohnen. In so einem Fall bleibt nur eines: Die Weiterveräußerung der Tickets, um zumindest irgendeinen Profit zu schlagen, auch wenn er „nur“ wirtschaftlicher Art ist.

So passierte es auch im Jahr 2015, als ein Familienvater für sich und seinen Sohn zwei Tickets für das Champions League-Finale 2015 in Berlin ergatterte. Diese Tickets hat er über eine Ticketplattform zum Preis von EUR 2.907,00 verkauft und so einen Gewinn von EUR 2.577,00 erzielt (abgezogen wurden lediglich die Anschaffungskosten der Tickets i. H. v. ursprünglichen EUR 330,00). In dem Einkommensteuerbescheid für das Jahr 2015 gab der Familienvater – wohl eine andere Auffassung des Finanzamts ahnend – den Verkauf der Tickets an, bezifferte jedoch den Gewinn mit EUR 0,00. Das Finanzamt jedoch war der Ansicht, der zu versteuernde Gewinn für die Tickets betrage EUR 2.577,00. Es entbrannte ein Rechtsstreit zwischen Vater und Behörde. Nachdem das Finanzgericht (FG) Baden-Württemberg (Urteil vom 2. März 2018, Az. 5 K 2508/17) dem Familienvater Recht gab, ging das Finanzamt in Revision. Ein endgültiges Urteil fällte der Bundesfinanzhof (BFH, oberstes deutsches Finanzgericht in München) mit seinem Urteil vom 2. April 2020 zum Az. IX R 10/18. Dieses für die Praxis wichtige Urteil soll im Folgenden aufbereitet und durchleuchtet werden.

I. Steuerliche Einordung von Fußballtickets

Zuerst ist die Frage zu stellen, inwieweit der private Verkauf von Fußballtickets steuerrechtlich einzuordnen ist. Einigkeit besteht bei den Experten und den Richtern dahingehend, dass es sich bei den Tickets um sog. „kleine Inhaberpapiere“ gem. §§ 807, 797 BGB handelt (vgl. Palandt/Sprau, 77. Auflage 2018, § 807 Rn. 3 m. w. N.). Unabhängig von der steuerrechtlichen Einordnung dieser Papiere sind sich außerdem beide Entscheidungsinstanzen dahingehend einig, dass eine Steuerpflicht in dem zu entscheidenden Fall gem. § 20 EStG als Einkünfte aus Kapitalvermögen ausscheidet. Das FG meint allerdings, die Behandlung von Wertpapieren sei in der Vorschrift des § 20 EStG neuerdings abschließend geregelt. Die Anwendung anderweitiger Regelungen nach dem EStG müsse somit ausbleiben. Aus diesem Grund gab es auch dem Klagebegehren des Familienvaters statt, da der Ticketverkauf somit logischerweise nicht der Einkommensteuer unterliegen kann.

Dem widersprach der BFH im Einklang mit dem zuständigen Finanzamt, welcher trotzdem die Regelung des § 22 Nr. 2 i. V. m. 23 I Nr. 2 EStG als privates Veräußerungsgeschäft zur Lösung des Falles heranzog. Demnach handelt es sich bei dem Ticketverkauf um ein privates Veräußerungsgeschäft, welches als sonstige Vermögenseinkunft verstanden wird. Die Versteuerungspflicht würde sich dann aus § 2 I Nr. 7 EStG ergeben. Nachdem der BFH sich bemüht hat, den eigentlichen Sinn der §§ 20, 23 EStG zu erforschen, kam er zu dem Schluss, dass diese Normen sich nicht ausschließen. Vielmehr solle der § 23 EStG immer hilfsweise eingreifen, wenn ein Veräußerungsgeschäft mal nicht unter § 20 EStG fällt.

Das bedeutet also im Grundsatz: Auch der Verkauf von Eintrittskarten für Fußballspiele „Privat-zu-Privat“ unterliegt grundsätzlich erstmal der Einkommenssteuerpflicht. Der Gewinn ist im Einkommensteuerbescheid als privates Veräußerungsgeschäft auszuweisen und der Besteuerung zu unterwerfen.

II. Ausnahme von der Besteuerung?

Als nächstes war zu klären, ob der Verkauf der Fußballtickets als privates Veräußerungsgeschäft ausnahmsweise doch von der Steuerpflicht befreit sein kann. Möglich ist dies nach der Vorschrift des § 23 I Nr. 2 S. 2 EStG, in welcher es heißt:

„Ausgenommen sind Veräußerungen von Gegenständen des täglichen Gebrauchs.“

Das Finanzamt hat sich dazu bereits im Einkommensteuerbescheid für das Jahr 2015 geäußert. Nach dessen Auffassung handelt es sich bei den Tickets nicht um Gegenstände des täglichen Gebrauchs, da dies nur solche Wirtschaftsgüter seien, die zur „(…). Nutzung angeschafft werden.“. Es dürfe „(…). Keine Eignung zur Einkünfteerzielung (…)“ vorliegen. Bei Eintrittskarten für ein Fußballspiel sei gerade dies der Fall, da die Nachfrage von solchen Tickets das Angebot dieser bei Weitem übersteige. Die Gewinnerzielung sei bei der Veräußerung solcher Tickets somit immer gegeben. Ohnehin handele es sich hier um ein Gut, das nur zur einmaligen Nutzung berechtigt. Dementsprechend könne ein täglicher Gebrauch schon begrifflich nicht vorliegen.

Dieser Ansicht schloss sich der BFH an. Dabei führt er maßgeblich aus, Fußballtickets würden ein erhebliches Wertsteigerungspotenzial aufweisen- je näher der Tag des Anpfiffes rückt, desto mehr kann man für die Tickets verlangen. Eine immense Gewinngarantie also. Demgegenüber sollen der Ausnahme nach § 23 I Nr. 2 S. 2 EStG nur solche Geschäfte unterliegen, welche einen sogenannten Wertverzehr über eine gewisse Zeit aufweisen. Dazu zählt in etwa der Verkauf eines Gebrauchtwagens, da dieser mit den Jahren erheblich an Wert verliert. Diese Schlussfolgerung entnimmt der erkennende Senat unter anderem den Gesetzgebungsmaterialien des Bundestags (vgl. BT-Drucks 17/2249, S. 54).

Weiter käme es bei den Gegenständen des täglichen Gebrauchs darauf an, ob sie zur mehrmaligen Nutzung grundsätzlich geeignet seien oder nicht. Gerade dies sei bei Eintrittskarten für Fußballspiele, Konzerten, Festivals o. Ä. zunächst nicht der Fall. Bei solchen Tickets, die nur zum einmaligen Besuch bestimmt seien, könne nicht auf einen täglichen Gebrauch zu schließen sein. Es sei somit ersichtlich, dass mit der Ausnahme des § 23 I Nr. 2 S. 2 EStG gerade keine Veräußerung von Fußballtickets gemeint sei.

Der Bundesfinanzhof und das Finanzamt vertreten also die gleiche Auffassung: Es wird keine Ausnahme bei der privaten Veräußerung von Fußballtickets gemacht. Entgegen des Vortrages des Familienvaters als Revisionsbeklagter sowie der erstinstanzlichen Entscheidung ist der Gewinn von EUR 2.577,00 nach dem EStG als privates Veräußerungsgeschäft zu versteuern. 

III. Ergebnis

Der Bundesfinanzhof kommt im untersuchten Urteil zu dem Schluss, dass der Verkauf von UEFA Champions League-Fußballtickets unter Privatpersonen als sonstige Einkunft zu versteuern ist. Dabei legt es die einschlägigen Normen „lehrbuchartig“ aus und kommt so zu dem nachvollziehbaren Ergebnis, dass Fußballtickets als Wertpapiere auf jeden Fall der Steuerpflicht unterliegen.


Fußballfans müssen also aufpassen: Bei persönlicher Verhinderung am Spieltag erscheint es durchaus verlockend, die Tickets spontan und mit Gewinn noch zu verkaufen. Dies ist durchaus nachvollziehbar und zumeist auch erlaubt (die AGBs der Veranstalter sind jedoch zu beachten). Allerdings ist zu beachten, dass der so entstehende Veräußerungsgewinn als Einkunft gilt und daher nach dem EStG versteuert werden muss. Es ist damit zu rechnen, dass das zuständige Finanzamt einen angegebenen „Gewinn“ von EUR 0,00 in der Einkommensteuererklärung bemängeln wird. Nach dieser derart klaren Entscheidung des Bundesfinanzhofs dazu besteht keine Rechtsunsicherheit mehr. Gegebenenfalls sollte man aber trotzdem einen Steuerberater hinzuziehen. Steuer- und Rechtsberatungskanzleien wie die Kanzlei RUGE FEHSENFELD in Hamburg sind hier der ideale Ansprechpartner und beraten Sie gerne diesbezüglich.

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