21.02.2020

Hänschen auf Torejagd

In dieser Woche vor 25 Jahren

Der Kader der polnischen Auswahl kann sich wahrlich sehen lassen. Es sind mehrere Spieler dabei, die 1974 mit dem Nationalteam bei der WM in Deutschland Dritter geworden sind. Leslaw Cmikiewicz holte außerdem Olympiagold 1972. Stefan Majewski, WM-Dritter 1982, war der erste polnische Spieler in der Bundesliga, er stand beim 1. FC Kaiserslautern unter Vertrag. Doch selbst mit diesem Top-Aufgebot reicht es Mitte Februar 1995 beim 4. Hans-Rosenthal-Turnier, einem Traditions- und Prominententurnier für Spieler über 32 Jahre, nicht einmal für das Halbfinale. Schuld daran ist eine Niederlage gegen Eintracht Frankfurt im letzten Gruppenspiel.

Zahlreiche große Namen geben sich in der Sporthalle Schöneberg die Ehre. Dieses Turnier hätte auf jeden Fall eine größere Kulisse als 200 Zuschauer verdient gehabt. Für Frankfurt läuft unter anderem der frühere Nationalspieler Dieter Müller auf, der im Finale gegen Häuser Köln auch das 1:0-Siegtor erzielt. In anderen Teams spielen beispielsweise Bernd Gersdorff, Rainer Zobel, Holger Brück und Dieter Zembski. In der Hans-Rosenthal-Elf stehen neben Fußballern wie Jürgen Diefenbach auch der Eisschnellläufer Harald Oehme und Sänger Bernhard Brink. Die Mannschaft erreicht ungeschlagen das Halbfinale, verliert dort im Neunmeterschießen gegen Frankfurt und wird am Ende Vierter.

Die Ursprünge der Hans-Rosen­thal-Elf reichen bis ins Jahr 1950 zurück. Da „fanden sich sportbegeisterte Persönlichkeiten aus den Bereichen Kunst, Show und Kultur zusammen und beschlossen, eine Fußballmannschaft zu gründen“, ist in der Chronik „100 Jahre Tennis Borussia Berlin“ zu lesen. Komponist Heinrich Riethmüller ebenso wie Schauspieler Wolfgang Gruner oder Entertainer Hans Rosenthal. Kurz darauf schließen sie sich Tennis Borussia an und sind fortan die Prominenten-Elf. Diese bestreitet über die Jahrzehnte unzählige Spiele für wohltätige Zwecke. Mitunter sind sogar Weltmeister wie Pelé, Horst Eckel oder Fritz Walter am Ball.
Anstoß ist meist Sonnabendvormittag. Dazu heißt es auf der Webseite von TeBe: „Hans Rosenthal war während der Woche häufig außerhalb Berlins, da er in verschiedenen Städten seine Sendungen hatte. Wenn er am Sonnabend früh in Berlin landete, musste seine Familie oft noch bis zum Mittag auf ihn warten. Am Flughafen stand schon die Taxe, die ihn zum Sportplatz brachte – die Prominenten-Elf hatte ein Spiel.“

Der äußerst populäre Rosenthal ist von 1965 bis 1973 Präsident bei TeBe. Nach seinem Tod 1987 wird aus der Prominenten-Elf die Hans-Rosen­thal-Elf und 2002 das Hans-Rosen­thal-Team. Noch heute wird nach TeBe-Toren im Mommsenstadion der berühmte Sprung des gebürtigen Berliners aus der ZDF-Sendung „Dalli, Dalli“ auf der Anzeigetafel eingespielt („Sie sind der Meinung, das war … spitze“).

Nach dem Turnier 1995 in Schöneberg, bei dem Hans Rosenthals Witwe Traudl die Siegerehrung mit durchführt, klingt der Abend mit allen Teilnehmern in der Engelhardt-Brauerei bei einem Eisbeinessen aus. Das Lufthansa-Team aus Frankfurt, das beim Turnier nur den achten und damit letzten Platz erreicht hat, übergibt einen Scheck in Höhe von 1000 D-Mark für die Hans-Rosenthal-Stiftung zugunsten unverschuldet in Not geratener Familien. Fußball und der wohltätige Zweck sind bei der Hans-Rosenthal-Elf eben immer eng verbunden
Die Platzierungen beim Turnier 1995: 1. Eintracht Frankfurt, 2. Häuser Köln, 2. Adidas All-Star Team, 4. Hans-Rosenthal-Elf, 5. Polnische Auswahl, 6. Vögtlinge Bayern, 7. Tag der offenen Tür, 8. Lufthansa Frankfurt.

Von Sebastian Schlichting

Kommentieren