12.01.2020

Drumbo Cup: In Mitte fällt die erste Bezirksentscheidung

Anpfiff zur heißen Phase

Das Siegerfoto 1976 mit Pierre Littbarski (unten links), der 14 Jahre später in Rom mit Deutschland Weltmeister wurde. Kleines Bild: der erste Pokal 1975. Fotos: privat

Es geht wieder los, der traditionsreiche Berliner Drumbo Cup für Fünft- und Sechstklässler startet in seine 46. Auflage. Heute fällt ab 8 Uhr in der Louise-Schroeder-Halle in Mitte der Startschuss für die erste Bezirksendrunde der Jungen.

Im Jahre 1975 wurde von Hans-Jürgen Bartsch, dem Leiter der damaligen Privatkundenabteilung der Bank für Handel und Industrie (BHI), einem Tochterunternehmen der ehemaligen Dresdner Bank, vom Öffentlichkeitssprecher der Bank Ronald C. Röseler und vom Charlottenburger Fußball-Obmann Friedrich Habbel der Drumbo Cup zur Förderung des Jugendfußballs aus der Taufe gehoben.

Die lange Geschichte des Drumbo Cups mit bislang über 100.000 Teilnehmern ist eine Erfolgsstory. Bei der Premiere 1975 gingen 21 Oberschulen an den Start, das steigerte sich beispielsweise in der Saison 2012/13 auf 263 Jungen- und 92 Mädchenmannschaften. In diesem Jahr ist der Wettbewerb mit insgesamt 373 Teams Deutschlands größtes Grundschul-Hallenturnier.

Werte wie Teamgeist und Fairness werden durch den Drumbo Cup vermittelt und auch die Integration ausländischer Mitschüler wird gefördert. Und immer wieder hat das Turnier herausragende Fußballer und Fußballerinnen hervorgebracht. Im Jahre 2012 nahm die spätere U18-Nationalspielerin Miehe Schiemann von der Grundschule am Rüdesheimer Platz am Turnier teil. U16-Nationalspielerin Trinity Künzel war in den Jahren 2013 und 2014 Spielerin der Käthe-Kollwitz-­Grundschule, die dreimal hintereinander (2013–2015) das Finale des Drumbo Cups erreichte.

Im Vorjahr kamen über 1000 begeisterte Zuschauer in die Sporthalle Charlottenburg und verliehen so der Endrunde des 45. Drumbo Cups einen würdigen Rahmen. Im Finale der Mädchen agierte die Evangelische Schule Pankow gegen die Fichtelgebirge-GS nervös und brachte nicht die gewohnte Leistung – aber immerhin konnten die Pankowerinnen die gefährlichen Sololäufe von Defne Basher stoppen. Nach einem 0:0 in der regulären Spielzeit erfolgte der entscheidende Schachzug: Vor dem Sechsmeterschießen wechselte der Lehrer der Evangelischen Schule, Dirk Reitemeyer, mit Selma Keune für Lui­sa Scharff die Torhüterinnen. Keune parierte dann auch vier Bälle und traf selbst zweimal beim 3:2-Sieg vom Sechsmeterpunkt.

Im Endspiel der Jungen musste die Richard-GS auf ihren verletzten Kapitän Ahmad Badran verzichten, mit einer ganz starken läuferischen Leistung schloss die GS am Eichenwald immer wieder die Lücken in der eigenen Abwehr. Zwar konnte Sleiman die frühe Führung von Holdack ausgleichen, doch mit dem zweiten Zehnmeterstrafstoß (wird nach dem vierten Foul des Gegners verhängt) machte Goalgetter Fabian Bunger für die GS am Eichenwald den verdienten 2:1-Sieg klar.

Auch U19-Bundestrainer Frank Kramer war voll des Lobes über die letztjährige Finalrunde: „Wie die Kids die Spiele miterleben, finde ich großartig. Die Teams sind anders zusammengestellt als im Verein – das macht den Reiz aus. Heute habe ich einige coole Zocker gesehen.“

Von Michael Sauer

Vor 45 Jahren fing alles an

BHI-Drumbo-Cup feierte in Charlottenburg seine Premiere
Im Mittelpunkt des Programms, das die Jugendverkaufsförderung der Bank für Handel und Industrie, Tochterunternehmen der Dresdner Bank in Berlin, für die Jugend geplant hat, steht die Förderung des Breitensports. Um diesen Kontakt zur Jugend zu verbessern und zu erweitern, veranstaltete daher die BHI vom 21.5. bis 27.5.1975 mit den Stadträten für Volksbildung, Jugend und Sport und dem Verein zur Förderung des Charlottenburger Schulsports e.V. ein Hallenfußballturnier um den BHI-Drumbo-Cup 1975 in Charlottenburg.
Auf die Ausschreibung hin meldeten sich 21 Mannschaften des Jahrgangs 1958 und jünger, d. h. von jeder Haupt-, Real- und Sonderschule und jedem Gymnasium eine Mannschaft, was eine einhundertprozentige Beteiligung der Oberschulen des Bezirks Charlottenburg bedeutete.

Als 1. Preis winkte der BHI-Drumbo-Cup, eine Statuette, die aus dem Drumbo (der aus Bronze gegossen und versilbert ist), einer Säule und einem Marmorfuß besteht, sowie 1000,- DM für Sportgeräte der Siegerschule. Außerdem gab es viele weitere wertvolle Preise, u. a. wurden auch die von der BHI gestifteten Spielbälle den jeweiligen Gruppensiegern überreicht.

Den Anstoß am 21. Mai in der Sporthalle Charlottenburg in der Sömmeringstraße machten der damalige Bezirksbürgermeister Dr. Roman Legien und der Leiter der Privatkunden-Abteilung der BHI, Hans-Jürgen Bartsch. Damit begannen die spannenden Spiele, die die Zuschauer und Spieler in Hochstimmung brachten. Die 21 Mannschaften kämpften in vier Gruppen und insgesamt 41 Spielen in der Vorrunde. Die Gruppenersten spielten dann jeder gegen jeden in zwölf profireifen Endspielen und ermittelten den Sieger. Den Cup holte sich dann wohlverdient die Wald-Oberschule, ein Gymnasium an der Heerstraße. Zweiter wurde die Loschmidt-Oberschule und Dritter die 1. Gesamtoberschule Charlottenburg nach einem Siebenmeterschießen gegen die Max-Liebermann-Oberschule.

Am zweiten Spieltag bei einem Gespräch zwischen dem Jugendverkaufsförderer der BHI und dem Fußballobmann vom Schulamt Charlottenburg, Friedrich Habbel, kam es zu einer Herausforderung der betreuenden Lehrer gegen die Privatkunden-Abteilung und betreuenden Zweigstellenleiter der BHI. Das Spiel sollte als Einlage am Endspieltag stattfinden, und es fand statt. In einem heißen Kampf, bei dem viel Schweiß in die Drumbo-Cup-Shirts der BHI-Mannschaft floss, ging die Mannschaft der Charlottenburger Lehrer mit 1:3 unter.

Den Ausklang dieser Veranstaltung bildeten die Siegerehrung und Abschlussfeier am 28. Mai 1975 im Prälat Schöneberg. Alle Spieler mit ihren Betreuern, Freunden, Freundinnen – rund 1000 Personen – waren zu dieser eigens für sie arrangierten Fete eingeladen. Außerdem konnten zahlreiche prominente Gäste, so der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg, der Stadtrat für Volksbildung Hartmut Röseler, der Stadtrat für Jugend und Sport Hans-Peter Fahrun, der 2. Vorsitzende des VBB Werner Lüttcher und Berlins Schulfußballobmann Joachim Albrecht begrüßt werden.

Nach der Begrüßung heizte der bekannte Rundfunkmoderator und Conférencier Nero Brandenburg (RIAS) die Stimmung an der Diskothek an. Für Hochstimmung sorgte dann die bekannte Rockband „Gloomys“. Viel beachtet wurden die Songs von Dieter Kosanke, der auch eine heiße Rock 'n' Roll-Einlage zusammen mit den Gloomys brachte, die so manchen vom Stuhl riss.

Höhepunkt war die Siegerehrung durch Hans-Jürgen Bartsch. Stolz und glücklich nahm die Mannschaft der Waldoberschule den Cup und zahlreiche andere Preise wie Concentra-Anteile, Urkunden und T-Shirts in Empfang. Silberteller gingen an die zweit- und drittplatzierten Mannschaften. Keines der 21 Teams ging leer aus. Begeisterung löste die Ankündigung von Hans-Jürgen Bartsch aus, dass die BHI daran denkt, auch in Zukunft weitere Turniere um den BHI-Drumbo-Cup auszurichten. Ihre Hilfe und Unterstützung durch den Fußballobmann von Charlottenburg, Friedrich Habbel, sagten die Stadträte und der Bürgermeister zu.
Von Ronald C. Röseler

Ronald C. Röseler (70) ist einer der drei Gründungsväter des Drumbo Cups und leitete den Wettbewerb 21 Jahre lang von 1975 bis 1995. Der frühere Leiter der Jugendverkaufsförderung der BHI lebt heute als Pensionär an der holsteinischen Ostseeküste. Der obige Artikel erschien im Juli 1975 im Dresdenia-Spiegel (Nr. 60), dem Vereinsmagazin der SV Dresdenia Berlin.

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