13.12.2019

Der Tag der Torarmut

In dieser Woche vor 40 Jahren

Eine Woche zuvor noch langen die Torjäger so richtig hin in der DDR-Oberliga. 28-mal treffen sie in den sieben Spielen, es ist in der 10. Runde der bisherige Saisonrekord. Doch nur sieben Tage und einen Spieltag später, am 1. Dezember 1979, gibt es das totale Kontrastprogramm. Schmalhans ist Küchenmeister in den Stadien von Zwickau und Halle, Erfurt und Lok Leipzig, in Karl-Marx-Stadt und in der Alten Försterei beim 1. FC Union.

Sechs Treffer nur werden erzielt, wobei allein das 3:1 (1:1) von Dynamo Dresden gegen den 1. FC Magdeburg, das Treffen des Spitzenreiters gegen den Tabellen­fünften, den Ansprüchen der Anhänger gerecht wird. In der nunmehr 32-jährigen Geschichte der DDR-Oberliga hat es erst einen Spieltag gegeben, an dem noch weniger Treffer erzielt worden sind – und der ist noch gar nicht so lange her: Am 4. März 1978 sind ganze vier Treffer gefallen.

Außer in Dresden haben die Anhänger nur in Halle (1:0 gegen Carl Zeiss Jena) und in Erfurt, da aber verliert der Tabellenletzte 0:1 gegen den FC Vorwärts Frankfurt (Oder), jeweils einen Treffer gesehen. In den restlichen vier Spielen steht die Nullnummer, im Derby zwischen Sachsenring Zwickau und Wismut Aue ebenso wie zwischen dem FC Karl-Marx-Stadt und Stahl Riesa, zugleich zwischen dem 1. FC Lokomotive Leipzig und dem BFC Dynamo sowie zwischen dem 1. FC Union und Chemie Leipzig.

Nicht jedes 0:0 indes ist trist. Das in Leipzig zwischen Lok und dem BFC am wenigsten. Immerhin wahren damit die Männer aus Probstheida ihren Ruf, in Heimspielen gegen die Dynamos seit Jahren ungeschlagen zu sein. Die letzte Lok-Niederlage gegen die Berliner im Bruno-Plache-Stadion, es war ein 1:2, geht auf den 22. Februar 1969 zurück. Allerdings liegen die Leipziger nun schon elf Punkte hinter Tabellenführer Dynamo Dresden und können auch den Rückstand auf den BFC Dynamo, der fünf Zähler beträgt, nicht verkürzen.

Bei der Torlos-Partie des 1. FC Union in der Alten Försterei gegen Chemie Leipzig kreuzen zwei 1:5-Verlierer der Vorwoche (die Unioner unterlagen in Magdeburg, die Chemiker im Ortsderby gegen Lok) die Klingen. Zumindest liegt ein Treffer des Öfteren in der Luft. Trainer Heinz Werner erkennt sogar, dass seine Mannschaft „so oft wie selten in einem Spiel aufs Tor geschossen hat“. 16 Torschüsse zählt der Coach von seiner Elf, zehn geben die Chemiker ab – und trotzdem klappt es nicht. So sehr Abwehrchef Rainer Rohde auch nach vorn drängt und sich Kapitän Joachim Sigusch bemüht, die beiden Angreifer Klaus-Dieter Helbig und Axel Brademann finden einfach nicht die Lücke in der Chemie-Abwehr, zumal von Rechtsaußen Karsten Heine zu wenig kommt und der wie immer offensivfreudige Rechtsverteidiger Lutz Möckel zu viel auf eigene Faust versucht und so das Kombinationsspiel nicht in Fluss kommen will. „Wir haben es vor der Pause versäumt, die Partie zu entscheiden“, bemerkt Sigusch.
Bei den beiden anderen 0:0-Spielen ist weit weniger los. „Gute Spielaktionen, aber fehlende Sicherheit im Abschluss“ lautet das Urteil von Sachsenring-Mannschaftsleiter Alois Glaubitz nach Zwickaus Match gegen Aue.

„Wir haben sicherlich schon schönere Spiele abgeliefert, aber in unserer Situation zählt allein der Punkt“, sagt Riesas Mittelfeldmann Frank Schuster nach dem Spiel in Karl-Marx-Stadt. Ganz anders klingt es bei FCK-Vorstopper Frank Uhlig: „Vorn blieben wir vieles schuldig, weil wir es zu sehr durch die Mitte versuchten.“

Um ein Haar hätte es auch in Halle nicht geklingelt, weil das Risiko im Spiel des HFC Chemie gegen Jena ebenso auf Sparflamme brennt. Neun Torschüsse gibt es hier, ganze drei da. Dass der Kopfball von Frank Pastor doch zum goldenen 1:0 reinrutscht (68.), ist eher der Schläfrigkeit von Jenas Abwehr zuzuschreiben, die inklusive Schlussmann Hans-Ulrich Grapenthin Pate steht. Kurios nur ist, dass in dieser Saison alle Großen, die bisher im Kurt-Wabbel-Stadion angetreten sind, Federn gelassen haben: Pokalsieger Magdeburg mit 1:5, Titelverteidiger BFC Dynamo mit 1:3 und nun auch Jena. Damit ist der HFC Chemie als Tabellendritter (punktgleich mit dem BFC, nur Dresden ist bereits vier Punkte enteilt) bei den vier Nullnummern selbst mit nur einem Treffer die Mannschaft der Stunde.

Von Robert Klein

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