24.08.2019

Torflut und Jubiläumstreffer

In dieser Woche vor 40 Jahren

Oft schon hat es zum Saisonstart Holperspiele gegeben, Torflaute inklusive. Nicht so am 18. August 1979 zum Auftakt der 32. Saison in der DDR-Oberliga. 22 Treffer in sieben Spielen, darunter kein 0:0, ergeben einen Schnitt pro Partie von 3,14 und sind damit durchaus passabel, wenn auch nicht mit der Torflut von vor einem Jahr zu vergleichen, als es gleich 33 Mal klingelte. Erste gemeinsame Spitzenreiter sind nach jeweils 3:0-Siegen die Dynamos aus Dresden (siegen beim FC Vorwärts Frankfurt/Oder) und die aus Berlin (der BFC bezwingt den FC Karl-Marx-Stadt).

Erstmals gehen die Männer aus Hohenschönhausen das Spieljahr als Titelverteidiger an. Allerdings tüten sie ihren Doppelpunktgewinn durch Tore von Wolf-Rüdiger Netz (47.), Hans-Jürgen Riediger (74.) und Bernd Schulz (84.) erst nach der Pause ein. Die Schützlinge von Trainer Jürgen Bogs benötigen eine gewisse Anlaufzeit, um warmzulaufen. „Vor dem Wechsel vermochten wir unsere Marschroute nicht durchzusetzen, es mangelte an Tempo, an Druck und an Rhythmuswechseln. Auch aus der Abwehr brauchten wir zu lange, um unsere Angriffe aufzubauen“, analysiert der Meistercoach und ist froh, den ersten Sieg dann doch recht ordentlich eingesackt zu haben.

Ähnlich ergeht es den Dresdnern bei den Frankfurter Armee-Fußballern. Der Vizemeister braucht gar bis zur
57. Minute, ehe er durch Mittelfeldspieler Andreas Trautmann in Führung geht. Der FC Vorwärts, nach einem Jahr in der Zweitklassigkeit gerade wieder aufgestiegen und ein wenig noch von der Aufstiegseuphorie getragen, hält bis dahin durchaus mit, geht nach einem Doppelpack von Gerd Weber (73., Foulelfmeter, 84.) aber doch kräftig in die Knie. An Erfahrung, an technischer Reife und taktischer Finesse sind die Gäste den Spielern um Trainer Gerhard Reichelt letztlich deutlich überlegen.

Mit der Führung im Rücken dreht sich der Dresdner Kreisel so sehr, dass die Spieler gar nicht daran denken, sich und vor allem ihren Anhängern ein Jubiläum für das Heimspiel eine Woche später gegen Carl Zeiss Jena
aufzuheben: Mit dem 3:0 nämlich erzielt Weber den 1000. Erstliga-Treffer der Schwarz-Gelben. Nicht einmal Trainer Gerhard Prautzsch findet das ausgesprochen „runde“ Tor einer Erwähnung wert, sondern findet kurz und knapp: „Den Ausschlag für unseren deutlichen Sieg gab vor allem der große Laufaufwand aus allen Mannschaftsteilen heraus.“

Tore-Krösus sind die Dresdener damit aber lange nicht in der Oberliga, allerdings spielen sie im Gegensatz zu Tore-Spitzenreiter Zwickau (1155 Treffer mit Beginn der 30. Erstliga-Saison für Sachsenring und dem 1:0-Startsieg gegen Lokomotive Leipzig) erst ihre 20. Saison in der obersten Spielklasse. Auch die weiteren 1000-Tore-Spezialisten haben in ihre Werte viel mehr Spielzeit investieren müssen als die Dresdner. Insofern sind die Elbflorenzer als sechsmaliger Meister durchaus in einer anderen Liga unterwegs.

Auch der 1. FC Union feiert ein Tor-Jubiläum, wenngleich ein vergleichsweise kleines und eines, das sich nicht nur auf die Oberliga bezieht. Es ist zudem der zahlenmäßig einzige Lichtblick beim Auftakt, der in Jena trotz lange ansprechender Vorstellung mit einem 1:3 erfolglos endet. Dabei lässt Axel Brademann – der 23-jährige Angreifer ist von Motor Babelsberg gekommen – bei seinem Oberliga-Debüt (Gegenspieler ist mit Konrad Weise ein gestandener Nationalspieler) mit der 1:0-Führung (53.) die Eisernen von einer saftigen Überraschung träumen. „Später aber, nach unserer Führung“, sagt Trainer Heinz Werner, „schlichen sich Unachtsamkeiten ein, die der Gegner nutzte.“ Scheitern die Thüringer zuvor mehrfach an Schlussmann Wolfgang Matthies, so nutzten sie die Fehler danach geradezu brutal. Durch Tore von Martin Trocha (65.), Lutz Lindemann (67.) und Eberhard Vogel (73.) werden die Köpenicker innerhalb von wenigen Minuten klar ausgebremst. Doch zurück zum kleinen Jubiläum, das Klubpräsident Günter Mielis offenbart: „Axel Brademanns Treffer ist das 500. Punktspieltor in unserer Vereinsgeschichte.“

Von Robert Klein

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