08.09.2013

„Ich steige wieder aufs Pferd“

Trainerwechsel bei TuS Makkabi: Offenberg macht's

Die vergangene Saison war für den TuS Makkabi die erfolgreichste seit 30 Jahren – als Aufsteiger wurde man Vizemeister. Zur neuen Saison gab es einen Umbruch im Kader und nach sechs Spielen ist der Charlottenburger Verein das Tabellen-Schlusslicht. Das hatte Konsequenzen: Claudio Offenberg, der nach der Erfolgssaison 2012/13 den Trainerstuhl für Frank Harzheim räumte, ist wieder als Coach für die Mannschaft verantwortlich, Harzheim wurde in der vergangenen Woche von seinen Aufgaben entbunden.

FuWo: Herr Offenberg, nach sechs Spieltagen hat Makkabi wieder den Reiter gewechselt. Wie kam's dazu?

Claudio Offenberg: „Nach der 1:4-Schlappe gegen Wilmersdorf vor acht Tagen habe ich unserem Vorstand meinen Rücktritt angeboten, da ich auch mich in der Verantwortung sah. Ich wurde jedoch gebeten weiterzumachen. Und nach weiteren Gesprächen fiel die Entscheidung, Frank Harzheim freizustellen und mich wieder als Trainer zu installieren. Diese Aufgabe werde ich nun erst einmal bis zur Winterpause übernehmen. Alles Weitere wird danach entschieden. Der Verein legt großen Wert auf die Feststellung, dass man mit dem Engagement und der Einsatzbereitschaft von Frank Harzheim überaus zufrieden war und seine Arbeit unter anderen, glücklicheren Umständen sicherlich vom Erfolg gekrönt worden wäre.“

Wie kam es überhaupt zu der misslichen Situation?

Offenberg: „Durch viele einzelne, negative Umstände. In erster Linie ist die Findungsphase des neuen Kaders bisher noch nicht zufriedenstellend gelungen. Weiter konnten individuelle Defizite bei einzelnen Spielern nicht schnell genug behoben werden. Und der Fakt, dass von den als Leistungsträger angedachten Spielern seit Wochen eine Mehrzahl mit langwierigen Verletzungen ausfällt, schlägt sich noch verschärfend nieder.“

Hat man sich nach Platz zwei in der Vorsaison vielleicht zu sicher gefühlt?

Offenberg: „Das denken wir nicht. Wir haben ja rund zehn Spieler aus der alten Saison behalten, die das neue Gerüst bilden sollten. Um die herum war geplant, die neu hinzugekommenen jungen Talente ein- und aufzubauen. Die genannten Umstände haben jedoch bislang dieses Vorhaben zunichte gemacht.“

Makkabi hat nur vier Treffer erzielt, aber bereits 16 kassiert. Allein in den beiden letzten Spielen gegen Mahlsdorf und Wilmersdorf gab es neun Gegentore. Wie wollen Sie das in den Griff bekommen?

Offenberg: „Prioritäten bei den Baustellen setzen. Eine davon wird sicher die Verbesserung des allgemeinen Abwehrverhaltens sein. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn insgesamt das Selbstvertrauen steigt und auch wieder eine Sicherheit in allgemeine Abläufe einkehrt.“

Haben Sie zum Ende der Wechselperiode am vergangenen Montag nochmals nachgebessert?

Offenberg: „Nein, haben wir nicht. Wenn der gesamte Kader zur Verfügung steht, sind wir konkurrenzfähig. Hoffen wir mal, dass die vielen Verletzten zügig wieder einsteigen können.“

Hartnäckig hielt sich über Jahre die Ansicht, dass Makkabi weniger finanzielle Nöte habe als die meisten Konkurrenten. Beweist der Verein nun das Gegenteil?

Offenberg: „Wir müssen niemanden etwas beweisen. Wir haben unsere Möglichkeiten und ebenso unsere Grenzen. Worauf wir bei Makkabi jedoch überaus stolz sind, ist die Tatsache, unseren Verpflichtungen in Vergangenheit und Gegenwart stets seriös und zu 100 Prozent nachgekommen zu sein.“

Warum haben Sie den Trainerposten überhaupt abgegeben? Keine Lust mehr auf die tägliche Trainingsarbeit gehabt?

Offenberg: „Die beiden letzten Spielzeiten gingen echt ans Eingemachte. Die Erfolge haben zwar für manchen Stress entschädigt, doch dann war der Wunsch da, etwas mehr in den Hintergrund zu treten. Dass ich jetzt wieder aufs Pferd steige, gehört daher nicht unbedingt in die Reihe meiner allerliebsten Wünsche. Doch in gewissen Lebenslagen hat man schlicht und einfach seine Pflicht zu tun. “

Interview: Bernd Karkossa

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