Der gesamte Berliner Fußball auf einem Blick

Der gesamte Berliner Fußball auf einem Blick

Marc Stillenmunkes
Montag, 16. Februar 2009 um 12:06 Uhr

„Bei TeBe ist das Umfeld besser organisiert“

Mit neun Gegentoren zählt Marc Stillenmunkes (25) zu den Garanten von Tennis Borussias Erfolgsserie in der Oberliga. Vor dem Rückrundenstart am Freitag (19 Uhr, Mommsenstadion) gegen Falkensee-Finkenkrug sprach die FuWo mit dem Veilchen-Keeper über TeBes Erfolgsgeheimnis, Pöbeleien beim Fußball und verrückte Torhüter.

FuWo: Herr Stillenmunkes, woher stammt eigentlich Ihr Name?

Marc Stillenmunkes: „Ursprünglich aus Luxemburg. Der Großteil meiner Verwandtschaft lebt aber in Rheinland Pfalz, in der Nähe von Kaiserslautern. Meine Eltern sind noch vor der Wende nach Berlin gezogen.“
 
 
In welchem Kiez sind Sie groß geworden?

Stillenmunkes: „In der Schöneberger Bronx.“
 
In der Schöneberger Bronx?

Stillenmunkes: „Ich war in einer Clique, die sich rund um die Zietenstraße aufhielt, wir nannten uns 'Zieten in the Bronx'. Mein bester Freund und 'Bruder' war Türke, er wurde 'Selcmaster Flex' gerufen. Ihm habe ich auch meine Karriere als Fußballer zu verdanken. Denn während ich lieber mit der Clique abhängen wollte, meinte er immer: Geh lieber zum Training!“

Das hat sich offenbar ausgezahlt: TeBe führt die Oberliga nach der Vorrunde mit 14 Punkten Vorsprung an. Zweifelt im Verein noch irgendjemand am Aufstieg?

Stillenmunkes: „Nicht wirklich. Es ist schon gut, dass wir einen komfortablen Vorsprung haben.“

Besteht die Gefahr, dass die Mannschaft nur mit halber Kraft zur Sache geht?

Stillenmunkes: „Mit Sicherheit. In den Testspielen waren wir auch nicht hundertprozentig konzentriert, da wollte jeder verletzungsfrei in die Rückrunde kommen.“

Welche Ziele hat sich das Team für die zweite Saisonhälfte gesteckt?

Stillenmunkes: „Meister werden, ganz eiskalt. Ich persönlich will, wie schon in der Hinrunde, weniger als zehn Gegentore kassieren.“

Was ist das Erfolgsgeheimnis von TeBe in dieser Saison?

Stillenmunkes: „Da muss ich dem Trainer ein Riesenkompliment machen. Er hat eine super Mannschaft zusammengestellt, mit tollem Charakter und großem fußballerischen Können.“

Was zeichnet Thomas Herbst als Trainer aus?

Stillenmunkes: „Einerseits wirkt er sehr distanziert, anderseits ist er immer nah an der Mannschaft. Er ist ein sehr ruhiger Typ, kann aber auch dazwischenhauen. Er findet immer den richtigen Ton, sagt klipp und klar, was er will. Natürlich ist er auch eine Respektsperson, alleine dadurch, was er als Fußballer erreicht hat.“

War der Trainer auch der Grund, weshalb Sie vor der Saison von Türkiyemspor zu TeBe gewechselt sind?

Stillenmunkes: „Auf jeden Fall. Er hat mir schon bei Türkiyem das Vertrauen geschenkt. Als sein Wechsel zu TeBe feststand, hat er gefragt, ob ich mitgehe. Er hat mir von seinen Plänen mit TeBe erzählt, das klang alles sehr überzeugend.“

Hat es Sie nicht gereizt, mit Türkiyem in der Regionalliga zu spielen?

Stillenmunkes: „Sicher, wen hätte das nicht gereizt? Aber bei TeBe ist das Umfeld einfach besser organisiert als bei Türkiyem. Da wussten wir manchmal nicht einmal, auf welchem Sportplatz wir abends trainieren würden. Ich dachte mir, lieber ein Jahr warten und dann mit TeBe in der Regionalliga spielen.“

Sowohl Türkiyem als auch TeBe sind oft Zielscheibe von rassistischen Pöbeleien. Wie gehen Sie damit um?

Stillenmunkes: „Bei Türkiyem war es extremer als jetzt bei TeBe. Da wurde sogar ich als 'Scheiß-Türke' tituliert. Gerade in den neuen Bundesländern merkt man, dass Türken nicht besonders willkommen sind, manchmal wurden wir auch mit Steinen beschmissen. Es ist nicht angenehm, aber irgendwie gehören Anfeindungen zum Fußball dazu. Die Fans heizen sich gegenseitig an.“

Torhütern wird gern nachgesagt, dass sie eine Macke hätten. Trifft das auch auf Sie zu?

Stillenmunkes: „Ich bin der verrückteste Torwart der Welt, schrecke vor keinem Zweikampf zurück – da könnte selbst Olli Kahn nicht mithalten! Ich mache auch gern den Kasper in der Kabine. Wenn die Stimmung trübe ist, pushe ich die Mannschaft, bringe etwas Lockerheit rein. Man muss ein bisschen verrückt sein, wenn man sich freiwillig von zehn gegnerischen Spielern abschießen lässt.“