Der gesamte Berliner Fußball auf einem Blick

Der gesamte Berliner Fußball auf einem Blick

Vor 40 Jahren - Ausgabe 30/10

Helmut Faeders Abschied

Von Günter Weise

Auf Sylt feierte er kürzlich seinen 75. Geburtstag: Helmut Faeder, einer der zweifellos populärsten Berliner Fußballer der Nachkriegszeit. Nun ist von seinem Abschied die Rede, zu dem er sich vor genau 40 Jahren entschlossen hatte. Nachdem er als ehemaliger Mannschafts-Kapitän von Hertha BSC 1967 zu Hertha Zehlendorf gewechselt war, bewies er noch im gereiften Alter am Siebenendenweg seine Qualitäten.

Nach seinem letzten Spiel lobte Zehlendorfs Vorsitzender Otto Höhne seinen scheidenden Kapitän in der „Fußball-Woche“: „Wir respektieren Helmuts Wunsch, auf Grund der beruflichen Belastung von seinem Vertrag entbunden zu werden. Er erwarb sich viele Freunde in Berlin, in Deutschland und anlässlich unserer Reisen auch im Ausland.

Er wird von der Jugend als Vorbild respektiert und gab mit seinem gesunden Ehrgeiz unserer Mannschaft beim Gewinn von zwei Berliner Meisterschaften wertvolle Impulse.“ Dass damals in der Berliner Regionalliga keine Reichtümer erworben werden konnten, war ein Zeichen der Zeit. Faeders wesentliche Einnahmequelle war nicht der Fußball, sondern seine Tätigkeit im familiären Großhandels-Betrieb für Obst und Gemüse. Entscheidend für seinen Rückzug aber war der Verlust so wertvoller Spieler wie Uwe Kliemann, und „Sprotte“ Sühnholz.

Sie verließen Berlin, weil sie beim ehrgeizigen Bundesliga-Klub Rot-Weiß Oberhausen natürlich bessere Verträge unterzeichnen konnten. Als nachteilig erwies sich allerdings, dass ihr Wechsel in den Westen noch vor Beginn der Aufstiegsrunde in Berlin bekannt wurde. Man traute den Zehlendorfern nicht mehr viel zu und so kamen zu den vier Heimspielen nur knapp 9000 Zuschauer pro Spiel in das Olympiastadion. Trotz der schwachen Resonanz schlug sich die von Gerd Schulte trainierte Mannschaft hervorragend gegen die Konkurrenz, die vor allem im Westen und Süden schon unter Profi-Bedingungen vorbereitet wurde.

Leider zeigte sich zwischen Heim- und Auswärts-Spielen ein fataler Unterschied. Völlig unerwartet gewann Hertha Zehlendorf alle vier Spiele im Olympiastadion, doch gingen sämtliche vier Auswärtsspiele verloren! Noch bis zur vorletzten Runde war der Aufstieg offen, ehe Kickers Offenbach als Gruppensieger feststand. So gingen die fünf Kandidaten durchs Ziel: Offenbach 17:8 Tore, 12:4 Punkte, VfL Bochum 14:7/9:7, Hertha Zehlendorf 17:14/8:8, VfL Wolfsburg 13:21/6:10, FK Pirmasens 12:23/5:11.

In der Parallel-Gruppe war Berlins zweiter Vertreter Tennis Borussia weniger erfolgreich. Zwar holten die Borussen auswärts erstaunlicherweise vier Punkte. Doch in Berlin blieben sie mit nur einem Punkt auf der Strecke. Weil die Aufstiegsrunde während der Weltmeisterschaft in Mexiko stattfand, klagten auch die Borussen über große Lücken im Stadion. Viele blieben zu Hause an den Fernsehschirmen, weil die WM-Spiele oft zeitgleich übertragen wurden! Als Aufsteiger qualifizierte sich Arminia Bielefeld knapp vor dem Karlsruher SC: Bielefeld 13:3 Tore und 12:4 Punkte, Karlsruher SC 16:8/1:5, Alsenborn 12:12/8:8, Tennis Borussia 7:13/5:11, Osnabrück 6:18/4:12.