„Ich bin doch kein Wander-Funktionär"
Von Karsten Doneck
Heiner Bertram hatte am 7. Oktober 1997 das Präsidentenamt beim 1. FC Union übernommen. Als Nachfolger des eher poltrigen Horst Kahstein leitete er damals den dicht vor dem Konkurs stehenden Klub durch einen Deal mit Michael Kölmel und seinem Unternehmen, der „Kinowelt“, in finanziell ruhigere Fahrwasser. In Bertrams Amtszeit feierte Union vor allem 2001 stolze Erfolge wie den Aufstieg in die Zweite Bundesliga, den Einzug ins DFB-Pokalfinale gegen Schalke 04 sowie die Teilnahme am UEFA-Pokal mit Spielen gegen Haka Valkeakoski (Finnland) und Litex Lowetsch (Bulgarien). Mitte Oktober 2003 wurde der ehemalige Bundeswehrgeneral vom Aufsichtsrat in einer überraschenden Aktion seines Amtes enthoben. Heiner Bertram feierte am vergangenen Sonntag seinen 70. Geburtstag.
FuWo: Schlägt Ihr Herz eigentlich immer noch im „eisernen Takt“?
Heiner Bertram: „Ja, sicher. Die sechs Jahre als Präsident waren sehr intensiv, auch wenn ich mich jetzt mit Besuchen in der Alten Försterei zurückhalte.“
Warum das denn?
Bertram: „Da fehlt es in der jetzigen Vereinsführung offenbar ein bisschen an Fingerspitzengefühl. Schließlich kann ich mich ja nicht selbst einladen.“
Sind Sie überhaupt noch im Fußballgeschäft tätig? Funktionäre werden doch überall gesucht.
Bertram: „Man hatte mich beim 1. FC Magdeburg um Unterstützung gebeten. Ich habe dann dort eine Wahlperiode lang im Aufsichtsrat mitgemacht. Das habe ich gerne getan, Magdeburg ist schließlich mein Geburtsort.“
Und jetzt? Haben Sie denn gar keine Lust mehr auf eine neue Herausforderung im Fußball?
Bertram: „Ich bin doch kein Wander-Funktionär. So eine Tätigkeit im Fußball ist für mich immer auch eine Herzenssache – so wie damals beim 1. FC Union.“
Wie bewerten Sie denn heute aus der Distanz Ihr insgesamt sechsjähriges Schaffen beim 1. FC Union an verantwortungsvollster Stelle?
Bertram: „Wir hatten mit Aufstieg, Pokalendspiel und Europapokal sportlich super Erfolge. Aber noch viel wichtiger war die Sanierung des Vereins. Es galt damals 35 Gläubiger zufriedenzustellen. Und dann musste der Aufbau von Strukturen vorangetrieben werden: Geschäftsstelle, Marketing, Stadionausbau, Verhandlungen mit Finanzbehörden – das alles musste bewältigt werden. Das war eine äußerst anstrengende Zeit. Nur mit Spitzenleuten wie unserem Schatzmeister Friedrich, dem Geschäftsführer Hofmann und Marketing-Chef Büttner war das zu bewältigen. Die Fans haben es uns gedankt, wir haben in dieser Zeit 3000 neue Mitglieder bekommen.“
Wie sehen Sie aktuell den Stellenwert des 1. FC Union?
Bertram: „Ich halte es für einen Fehler, den Verein jetzt wieder in die Kiezecke stellen zu wollen. Der 1. FC Union muss als Berliner Verein Hertha BSC auf Augenhöhe gegenübertreten.“
Welche Fehler sind Ihnen in Ihrer Zeit als Vereinspräsident unterlaufen?
Bertram: „Wer erfolgreich sein will, macht auch Fehler. Ich hätte bei der Auswahl der Leute für den Aufsichtsrat mehr auf Qualifikation und Charakter achten müssen. Und dann war auch die Entscheidung, Mirko Votava als Trainer anzustellen, nicht gut. Zumindest hätten wir uns früher von ihm trennen müssen. “
Was immer mal wieder vergessen wird: Sie haben den Verein überhaupt erst vor dem Konkurs bewahrt und damit am Leben erhalten. Würde es Union ohne Heiner Bertram überhaupt noch geben?
Bertram: „Union hätte natürlich irgendwie überlebt – man darf die starke Bindung der Fans an den Verein nicht vergessen. Aber der Verein würde heute vielleicht nicht diese Rolle spielen.“
Was machen Sie aktuell?
Bertram: „Ich halte mit fit: körperlich – ich gehe dreimal die Woche ins Fitnessstudio – und auch geistig. Und ich trage die Verantwortung für meine Mitarbeiter in meinem Magdeburger Hotel.“ |