Der gesamte Berliner Fußball auf einem Blick

Der gesamte Berliner Fußball auf einem Blick

Concordia Wilhelmsruh

24 Spiele am Stück ungeschlagen

Concordia Wilhelmsruh steigt dank einer bärenstarken Abwehr in die Bezirksliga auf

Mit einem Meister namens Concordia Wilhelmsruh war in der 4. Abteilung der Kreisliga A nicht unbedingt zu rechnen. Rang sechs belegte die Mannschaft in der Spielzeit 2008/09. Und zumindest was das Personal anbetraf, deutete vor der vergangenen Saison wenig darauf hin, dass ein großer Qualitätssprung nach vorne gemacht würde. Der neuverpflichtete Trainer Christian Liedtke musste im Großen und Ganzen mit dem selben Kader zurechtkommen.

Lediglich Thomas Becker und Christian Ratzow stießen vom Brandenburger Landesligisten MSV Rüdersdorf dazu.  Neue Besen kehren gut, heißt es im Fußballerjargon – und Liedtke staubte gehörig ab. Teambetreuung, Taktik, Training – all das sollte verbessert werden. So stieß vorübergehend ein Physiotherapeut zur Mannschaft, Concordia verabschiedete sich vom antiquierten Libero und spielte mit Viererkette, und schließlich wurde die Trainingsintensität merklich erhöht.

„Das war für einen Kreisligisten ein sehr gehobener Anspruch. Glücklicherweise wurden meine Vorstellungen vom Verein mitgetragen. Hinzu kam, dass die Mannschaft jung und wissbegierig war“, erklärt Liedtke. Zu Beginn indes tat sich das junge Team noch schwer, die vielen neuen Ideen des Trainers zu verarbeiten. In der Anfangsphase der Saison setzte es zwei Pleiten gegen den 1. FC Marzahn 94 sowie den FC Al-Kauthar. Anschließend aber blieb Concordia bis zum Ende der Saison und 24 (!) 24 Spiele ungeschlagen.

Zurückzuführen war dies vor allen Dingen auf die starke Defensive, die nur 29 Gegentreffer zuließ. Zum Vergleich: Die zweitbeste Abwehr stellte der SC Staaken II mit 55 Gegentoren. Noch beeindruckender lesen sich die Zahlen vor dem Hintergrund, dass sechs der 29 Gegentreffer aus einer Entscheidung des grünen Tisches bezüglich der Rückrunden-Partie gegen den 1. FC Neukölln resultieren – eine Begegnung, welche wie ein Damoklesschwert über einer ansonsten tollen Saison von Concordia schwebte.

Bei der Paarung kam es unter den Zuschauern zu Ausschreitungen, weshalb der Schiedsrichter das Spiel abbrach. Die abgebrochene Partie wurde mit 0:6 Toren für beide als verloren gewertet. Wilhelmsruh wurden zusätzlich drei Punkte abgezogen. „Es ist natürlich sehr schade, was da abgelaufen ist. Vor allem, weil es unsere Leistungen in den Schatten stellte“, resümiert Liedtke.   Tabellarisch konnte das Spiel Concordia trotz des Sechs-Punkte-Abzuges nichts anhaben – was sicherlich daran lag, dass der Verein die eine oder andere Lücke in der Offensive durch gezielte Verstärkungen füllte. Dustin Gallrach, Danny Becker und Sebastian Hoppe wurden in der Winterpause verpflichtet und schlugen allesamt ein.

Mit fünf Punkten Vorsprung auf den Zweiten SC Staaken II holten sich die Wilhelmsruher schließlich die Meisterschaft. Die Zielsetzung für die kommenden Spielzeit in der Bezirksliga formuliert Liedtke moderat: „Zunächst einmal wollen wir als Aufsteiger einfach nur in der Bezirksliga ankommen. Wir wollen die Aufstiegs-Euphorie nutzen, um Punkte zu sammeln. Nicht mehr und nicht weniger.“ Gelingen soll dies unter anderem mit drei bis vier A-Jugendlichen, die sukzessive an die Mannschaft herangeführt werden sollen. Neuverpflichtungen dagegen sind vorerst keine geplant – auch, weil Liedtke sehnsüchtig auf die Rückkehr von Kapitän Marco Wille wartet,  der sich in der Schlussphase einen Schien- und Wadenbeinbruch zuzog und dem Team im Laufe der Saison auf und neben dem Platz Stabilität verleihen soll.

„Ich vertraue der Mannschaft, die die Meisterschaft geholt hat und sehe auch noch viel Potenzial nach oben“, sagt Liedtke. Veränderungen strebt der Trainer, wie schon vor der letzten Saison, im Umfeld der Mannschaft an. Ein Team-Betreuer soll engagiert werden, zudem hofft Liedtke auf den dauerhaften Einsatz eines Physiotherapeuten. Hört sich alles wenig spektakulär an bei Concordia Wilhelmsruh. Doch das tat es auch schon vor der letzten Spielzeit – mit bekanntem  Ergebnis. Dementsprechend darf sich die Bezirksliga auf einen ambitionierten Neuzugang freuen, der für die eine oder andere Überraschung gut sein könnte.
Martin Einsiedler

Die 83 Tore für Concordia Wilhelmsruh erzielten: Gallrach (15), Thormann, Tafere (je 13), Nolte (7), D. Becker, Th. Becker (je 6), Schlorff (5), Hempel (4), Hoericke, Wille (je 3), Hoppe, Ratzow (je 2), Ganz, Stechert und Wenig sowie ein Eigentor.