Der gesamte Berliner Fußball auf einem Blick

Der gesamte Berliner Fußball auf einem Blick

ASV Berlin

Daheim kein Spiel verloren

ASV Berlin strebt nach schweren Zeiten wieder nach oben

Das letzte Mal spielte der ASV Berlin 1994/95 in der Kreisliga A. Die Moabiter waren damals aufgestiegen – und stiegen sofort wieder ab. Seitdem vergingen 15 Jahre. Jetzt greifen sie wieder nach den Sternen. Dabei gab es diese Mannschaft einst überhaupt nicht mehr. Sie zog sich während der Saison 1999/2000 aus dem Spielbetrieb der Kreisliga C zurück. Ein Neuanfang glückte erst wieder 2001/02. Ganz unten. In der Kreisliga E. Diese schweren Zeiten erlebte Heinz Lassahn (69) hautnah.

Damals wie heute führte er die Fußball-Abteilung des Vereins. Lassahn durchschritt alle Höhen und Tiefen. Dem Verein hält er seit 1964 die Treue – mit verschiedenen ehrenamtlichen Aufgaben. Er ist stets bereit, Verantwortung zu tragen. Auch für 2010/11. Sein größtes Problem: „Uns fehlt der eigene Nachwuchs. Zuletzt verließ uns die B-Jugend in Richtung Minerva 93.“ Die 2. Herren, vor Jahresfrist gemeldet, platzte bald wie eine Seifenblase im Wind.

Von ursprünglich 24 Spielern für die 1. Mannschaft blieben 18 übrig, die mit sechs Punkten Vorsprung die Meisterschaft in der 2. Abteilung der Kreisliga B holten. Nun wollen die Moabiter in der Kreisliga A schnell Fuß fassen. Dazu gehört allerdings Disziplin auf dem Platz. „Wir mussten in der jüngsten Vergangenheit  zu viele Karten einstecken“, übt Heinz Lassahn Kritik, „das muss sich zum Positiven ändern.“ Daran arbeitet auch Trainer Hasan Cankaya (26). Seit dem 13. Juli bittet er viermal in der Woche zu den Übungsstunden. Auch er hat ein Problem: „Zur Zeit trainieren nur acht bis neun Spiele.

Die anderen, neun an der Zahl, sind noch im Urlaub in der Türkei.“ Deshalb gibt es auch noch keine Termine für Testspiele. Der Schuh drückte auch in der Zeit der Pflichtspiele: „Der eine oder andere Spieler arbeitet sonnabends oder sonntags“, erzählt der Trainer, „nie traten wir in derselben Besetzung an.“  Ein einziges Mal nur hatte Hasan Cankaya alle Spieler an Deck: Gegen BSV Heinersdorf II am 28. März. Dennoch betrug nach 28 Punktspielen der Vorsprung auf den Zweiten (VfB Concordia Britz II) sechs und auf den Dritten (RFC Liberta II) zwölf Punkte. Wie das möglich war? Heinz Lassahn sieht den Kern der Erfolge: „In einer guten Arbeit unseres Trainers, der sich 100 Prozent einbringt.

Mit dem Ergebnis, dass er bei den Spielern außerordentlich beliebt ist.“ Die Popularität des Trainers führte einige Ex-ASV-Spieler zurück ins Poststadion. So zum Beispiel Umut Simsek (davor BAK und Hilalspor), Tamer Keskin (einst in der 2. türkischen Liga) und Berkan Cankaya (davor Hürtürkel). Andere kamen, die einst in der Jugend des FC Tiergarten aufwuchsen. Alle zeichnete von Saisonbeginn an unbedingter Siegeswillen aus. Sie schworen sich vor einem Jahr: „Wir wollen aufsteigen.“ Hasan Cankaya ergänzt: „Vergessen Sie bitte nicht die Kameradschaft, die zwischen den Spielern herrscht.“  Diese Eigenschaften trugen zu einem verblüffend starken Saisonstart 2009/10 bei. Zehn Spiele in Folge blieb ASV Berlin unbesiegt. Die Mannschaft begann mit 7:2 bei Fortuna Pankow II, es folgte ein 9:2 bei Wannsee II.

Lediglich einmal trennte sie sich unentschieden: 4:4 gegen Liberta II (die Reinickendorfer waren im Verlaufe der Saison sogar sechsmal Spitzenreiter). Die Heimstärke des ASV Berlin (13-1-0 bei 67:15 Toren) unterstützt die positive Haltung des Trainers: „An unseren Aufstieg glaubte ich das erste Mal nach dem Ende der Hinrunde.“ Trotz des Weggangs von Marcel Janietz, dem Spezialisten für Frei-und Strafstöße, in der Winterpause zu Hertha BSC Amateure II.  Im Sommer 2010 verließen Bülbül (2. türkische Liga), Lacin (Studium) und Radau (Ziel unbekannt) den Verein. Sie werden ersetzt mit Spielern, deren Namen Heinz Lassahn noch nicht nennen will: „Erst wenn alles hieb- und stichfest ist.“ Er hält sich zurück, weil die Konkurrenz nicht schläft. Im Berliner Poststadion lauert sie an allen Ecken und Enden.
Kurt Auerbach

Die 124 Tore für den ASV Berlin erzielten: U. Simsek (34), Janietz (16), Somuah-Boateng (15), Ekinci (7), Keskin (6), B. Cankaya, Ü. Erbas (beide 5), Bagriyanik, Bülbül, Celayir (alle 4), Keser, Tarhan (beide 3), G. Gürsel (2), Ates, G. Erbas, Gülce, Radau (alle 1). Dazu kommen zwei 6:0-Wertungen.