08.03.2014

Zweimal Deutscher Meister

Schon beim Blick auf das Logo des FC Viktoria 89 fällt auf, dass es sich hier um keinen ganz normalen Verein handelt. Denn über dem hellblauen Wappen prangt ein goldener Stern und eine Zwei – für die zwei Deutschen Meisterschaften, die der Verein seit Gründung des DFB gewann, mehr kann auch Hertha BSC nicht von sich behaupten. Die Zeiten des Ruhms, in denen der Verein noch „Thorball- und Fußball-Club Viktoria 1889“ hieß, sind allerdings schon lange vorbei.

Vor allem zwischen der Jahrhundertwende und dem ersten Weltkrieg war Viktoria der dominierende Club in Berlin und eine der führenden Kräfte in ganz Deutschland. Als der Verein am 6. Juni 1889 gegründet wurde, war er erst der vierte Fußballverein in der deutschen Hauptstadt. In den ersten Jahren entwickelte sich eine große Rivalität zum BFC Germania 88, dem ältesten Fußballclub des Landes, und es kam immer wieder zu hitzigen Derbys. Nachdem Viktoria den Rivalen schon Mitte der 1890er Jahre überholt hatte, folgte die erfolgreichste Zeit der langen Vereinsgeschichte. Zwischen 1907 und 1913 gewannen die Himmelblauen fünf Berliner Meisterschaften, wurden zweimal Vizemeister und feierten auch auf nationaler Ebene Erfolge. 1894 war Viktoria zwar schon Deutscher Meister im Deutschen Fußball- und Cricketbund geworden, profitierte dabei aber von finanziellen Schwierigkeiten des Finalgegners aus Hanau, der daher auf die Anreise zum Endspiel nach Berlin verzichtete.

Acht Jahre nach Gründung des DFB errangen die Himmelblauen den nationalen Titel dann auch auf dem Platz. Gegen die Stuttgarter Kickers gewann Viktoria die Deutsche Meisterschaft 1908 klar mit 3:0 und wiederholte den Triumph drei Jahre später mit einem 3:1-Sieg gegen den VfB Leipzig in Dresden. Zudem scheiterte die Mannschaft 1907 und 1909 erst im Endspiel. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges ging es für Viktoria langsam bergab. Zwar konnten immer wieder Achtungserfolge – wie das Erreichen des Halbfinales um die Deutsche Meisterschaft 1933, sowie die Berliner Meisterschaften 1955 und 1956 – erreicht werden, der ganz große Erfolg wollte sich aber nicht mehr einstellen.

Nachdem die Himmelblauen schon 1920 nach Spanien zu einem Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona eingeladen worden waren und dort ein respektables 2:2 erreichten, gab sich 1960 die damals beste Mannschaft der Welt, Real Madrid, die Ehre und bestritt im Olympiastadion ein Freundschaftsspiel. Vor 55.089 Zuschauern schlug sich die mit fünf Spielern von Hertha BSC verstärkte Viktoria-Elf außerordentlich gut und unterlag den Königlichen um Alfredo Di Stéfano und Ferenc Puskás erst durch einen Treffer in der Nachspielzeit mit 0:1.

In den Achtziger Jahren ging es für den einstmals so erfolgreichen Verein hinab bis in die Bezirksliga. Erst in den letzten Jahren ist den Tempelhofern die Rückkehr in den überregionalen Fußball gelungen. 2007 besiegte Viktoria den FC Hanau 93 in einer symbolischen Neuaustragung des Endspiels um die Deutsche Meisterschaft 1894 nach Hin- und Rückspiel und sicherte sich den Titel mehr als hundert Jahre später auch sportlich.

Nach dem Gewinn der Berliner Meisterschaft in der Saison 2010/11 und dem damit verbundenen Aufstieg in die Oberliga, folgte in der vergangenen Spielzeit der erneute Aufstieg in die viertklassige Regionalliga. Mindestens ebenso wichtig für die Zukunft war jedoch die Fusion mit dem Lichterfelder FC, die 2013 vollzogen wurde. Momentan steht der Fusionsverein, der seitdem offiziell unter dem sperrigen Namen „FC Viktoria 1889 Lichterfelde-Tempelhof“ firmiert, in der Regionalliga als Aufsteiger auf einem respektablen Mittelfeldplatz. Und in den nächsten Jahren soll es noch etwas weiter nach oben gehen. Die Zeiten, in denen die Himmelblauen die absolute Spitzenmannschaft der Stadt waren, sind zwar schon lange vorbei, die Rolle als dritte Kraft hinter Hertha und Union würde Viktoria aber gerne einnehmen.

Von Julian Graeber

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