07.02.2016

Zwei Tore pro Spiel

Ionut Craciun stürmt erfolgreich für Schöneberg II

Kraftvoller Torjäger: „Ion“ Craciun trifft für die Reserve des 1. FC Schöneberg in der Kreisliga B wie am Fließband. Foto: Verein

Am vierten Spieltag der Saison schlug die Stunde von Ionut Craciun: Zum ersten Mal spielte er wieder von Anfang an für den 1. FC Schöneberg II, nachdem er in der Vorsaison mit seinen 30 Toren maßgeblich zum Aufstieg in die Kreisliga B beigetragen hatte. Der Neuling war mit drei Niederlagen gestartet und musste nun bei der Mannschaft von SV Blau-Gelb II aus der Spitzengruppe der 4. Abteilung antreten. Nach genau vier Minuten tankte sich der bullige und hochaufgeschossene Craciun durch und erzielte das 1:0. Später folgten noch drei weitere Tore zum am Ende überraschenden 5:0-Sieg.

Der jetzt 22-Jährige gab damit das Startsignal für eine sensationelle Serie. Denn anschließend siegten die Schöneberger elfmal in Folge. Erst im letzten Hinrundenspiel gab es mit dem 1:1 beim BSV Hürtürkel II einen (kleinen) Patzer. Das Tor für Hürtürkel fiel erst in der Nachspielzeit, für die Schöneberger hatte zuvor – na wer schon? – Craciun getroffen. Es war sein 24. Saisontor, womit er auf einen Schnitt von zwei Treffern pro Begegnung kommt.


Den Grundstein für die hervorragende Vorrunde legte der in Radauti/Rumänien geborene Craciun in der Saisonvorbereitung. „Da hat er die ganze Zeit bei der 1. Mannschaft mittrainiert“, erzählt sein Trainer Andreas Ludwig. Doch beim in dieser Saison bislang ebenfalls sehr erfolgreichen Landesliga-Aufsteiger reichte es nur zu Kurzeinsätzen. Das liegt vor allem an Marc Götzenbrucker, dem Torjäger der „Ersten“, der bereits 15 Mal einnetzte und an dieser Stelle in der FuWo vom 28. Dezember 2015 als Berliner Amateurcrack vorgestellt wurde. Also stürmt Craciun vorerst weiter für die Schöneberger Reserve. Und mit 54 Toren in zuletzt 29 Pflichtspielen (Kreisliga C und Kreisliga B) ist er einer der Garanten für das bisher so gute Abschneiden.

Seit nunmehr zwei Jahren spielt Craciun für den 1. FC Schöneberg. Dabei wollte Trainer Ludwig den Stürmer schon wieder wegschicken, weil er im Training offenbar längst nicht immer die richtige Einstellung an den Tag legte. Doch vor allem seine beiden Landsleute, Libero Ilie Grjincu und Stürmer Andrei-Timotei Toth, sorgten dafür, dass auch Craciun auf Touren kam. Inzwischen ist „Ion“, wie er allseits gerufen wird, für den Neuling unverzichtbar.

Sein Trainer sieht ihn aber verständlicherweise noch nicht als fertigen Spieler. Vor allem wird bemängelt, dass Craciun zu oft einen besser postierten Nebenmann übersieht. Daran müsse er noch arbeiten, so Ludwig. Weil der 22-Jährige derzeit aber außerhalb Berlins arbeitet, kann er nicht regelmäßig trainieren. Craciuns Spielweise lebt aber auch von seiner Kraft: Beim Test zum Jahres­auftakt gegen Borsigwalde II, Aufstiegskandidat in der 6. Abteilung, wirkte er jedoch blass. Prompt setz­­te es eine 1:2-Niederlage.

An guten Tagen aber ist Craciun kaum vom Ball zu trennen. Schon seine robuste Figur sorgt dafür, dass er einen einmal eroberten Ball kaum wieder verliert. Damit schafft er Lücken in des Gegners Abwehr, in die dann andere stoßen können – wie etwa sein Landsmann Toth, immerhin schon 13-facher Torschütze in dieser Saison. Das Duo Craciun/Toth ist nach der Hinrunde der Garant für den derzeitigen dritten Tabellenplatz, hat 37 der 58 Treffer erzielt. Wobei Craciun mit seinem direkten Drang zum Tor besonders wertvoll ist.

Craciun selbst wirkt trotz seiner vielen Tore eher zurückhaltend: „Ich habe kein Vorbild“, sagt er. Auch seine sportliche Zielsetzung spricht von einer gesunden Selbsteinschätzung: „Ein Aufstieg in die Kreisliga A wäre schön.“ Trainer Ludwig verweist da­rauf, dass dies kein explizites Saisonziel sei. „Wir sind vielmehr glücklich, dass wir nach der Hinrunde so gut dastehen.“ Dabei setzt Ludwig natürlich auch darauf, dass Craciun weiter seine Tore macht. Der aus einem kleinen Dorf in Rumänien stammende Stürmer indes fühlt sich sehr wohl bei den Schönebergern. „Im Verein ist es wie in einer großen Familie“, sagt er. Und deshalb wird er wohl über die Saison hinaus beim 1. FC Schöneberg bleiben. Sollte der Sprung in die Kreisliga A verpasst werden, spricht ebenfalls Vieles für den Verbleib des Stürmers. Ionut Craciun gilt schließlich nicht als Wandervogel.

Von Manuel Fernandes

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